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    KathmanduSinzigerin in Kathmandu: Nepal braucht jetzt Trinkwasser

    In Nepal mangelt es nach dem verheerenden Erdbeben nun vor allem an einem: Wasser. Schon am Sonntag sind 15 Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) in die Hauptstadt Kathmandu geflogen, um bei der Wasseraufbereitung zu helfen. Eine von ihnen ist Georgia Pfleiderer vom THW-Ortsverband Sinzig. Sie ist die einzige hauptberufliche Mitarbeiterin im sonst ehrenamtlichen Team. Derzeit sind die Helfer aber noch in der Deutschen Botschaft. Warum es auch noch ein paar Tage dauern wird, bis das THW Wasser aufbereiten kann, berichtet Pfleiderer im Interview mit unserer Zeitung.

    Georgia Pfleiderer
    Georgia Pfleiderer

    Frau Pfleiderer, wie ist die Situation derzeit bei Ihnen?

    Am Morgen ist unsere Frachtmaschine gelandet. Mit der sind unsere zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen und auch Hilfsgüter des Deutschen Roten Kreuzes gekommen. Wir sind wirklich glücklich darüber, dass die Maschine aus Berlin innerhalb von acht Stunden hier war. Denn das Nadelöhr ist derzeit der Flughafen.

    Was ist dort das Problem?

    Der Flughafen liegt in einem Tal und ist ohnehin schwierig anzufliegen, die Piloten brauchen eine Sonderausbildung dafür. Und es ist ein kleiner Flughafen, der für Touristen ausgelegt ist, mit nur acht Stellplätzen für Flugzeuge. Jetzt kommen stündlich Hilfsgüter und Hilfsmannschaften an. Zugleich wollen Menschen ausfliegen, zurück nach Europa, Deutschland oder woandershin.

    Was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster der Deutschen Botschaft blicken? Ist auch dort viel zerstört?

    Nein. Die Botschaft liegt nicht in der Altstadt, die ja sehr zerstört ist, sondern etwas in der Peripherie von Kathmandu. Hier sehen wir keine zerstörten Häuser. Es ist normaler Verkehr auf den Straßen mit Autos und sehr vielen Mopeds. Die Läden in dieser Gegend öffnen wieder nach und nach. Man versucht hier, zum Alltag zurückzukehren - so gut wie möglich.

    Wie hilft das THW in Nepal?

    Wir konzentrieren uns nicht auf die Rettung von Verschütteten, sondern unsere Aufgabe ist die Aufbereitung von Trinkwasser. Seitdem wir gelandet sind, unterstützen wir zum einen die Deutsche Botschaft in der Lageerkundung. Andererseits versuchen wir, die optimale Einsatzstelle für unsere Trinkwasseraufbereitungsanlagen zu erkunden. Dafür sprechen wir uns zunächst mit anderen Organisationen ab, um zu klären, wo die Hilfe benötigt wird.

    Wie läuft das ab?

    Unicef bündelt das sogenannte Wash-Cluster, das alle Hilfsleistungen koordiniert, die mit Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene zu tun haben. Da wird abgestimmt, wer wohin geht. In diesem Prozess sind wir gerade. Vor Donnerstag oder Freitag werden wir deshalb nicht wissen, wo unsere Einsatzstelle ist. Denn es muss einen geeigneten Platz geben, an dem Rohwasser in geeigneter Qualität vorhanden ist, also ein Fluss oder ein See. Anschließend setzen wir uns dahin in Bewegung und nehmen die Anlagen in Betrieb.

    Wird es in entlegene Gebiete gehen oder bleiben Sie in Kathmandu?

    Es ist relativ sicher, dass wir nicht in Kathmandu bleiben, sondern irgendwo in die Umgebung oder in die weiter entfernten Regionen gehen. Kathmandu ist eine riesige Metropole, eine Millionenstadt. Selbst wenn die Altstadt zerstört ist, ist die Peripherie drum herum noch so in Ordnung, dass es nach derzeitigem Stand nicht den Bedarf gibt, hier Trinkwasseraufbereitungsanlagen aufzustellen.

    Wie viel Wasser bereiten die beiden Anlagen auf?

    Sie können jeweils 5000 Liter pro Stunde aufbereiten. Die Betriebsdauer liegt bei 16 Stunden am Tag. Wenn man mit fünf Litern pro Person rechnet, kann man mit beiden Anlagen zusammen bis zu 30 000 Menschen am Tag versorgen. Allerdings reicht das dann nur zum Trinken und Kochen, nicht auch noch zum Waschen. Bei der Anlage ist ein mobiles Labor dabei, die Wasserqualität kann also ständig kontrolliert werden.

    Viele Menschen sollen im Freien schlafen, weil sie Angst haben, in ihre Häuser zurückzukehren. Bekommen Sie davon etwas mit?

    Ich habe auf meinen zwei Fahrten vom Flughafen hierher gesehen, dass Menschen Zelte in Parks und Grünanlagen aufgestellt haben. Einheimische, die sich nicht mehr in ihre Häuser zurücktrauen, weil es ja immer noch Nachbeben gibt. Eines war auch für uns spürbar.

    Viele sollen aus Angst auch die Stadt verlassen ...

    Es gibt hier einen großen Busbahnhof, da standen bestimmt 15 Busse. Unser lokaler Fahrer sagte, das seien Inder. Die arbeiten ihm zufolge hier als Gastarbeiter und verlassen jetzt das Land.

    Haben Sie etwas von den Streits um Trinkwasser mitbekommen, über die berichtet wird?

    Von Streit um Wasser ist uns jetzt noch nichts bekannt. Aber natürlich müssen die Menschen, die in den Grünanlagen campieren, versorgt werden. Das ist aber zum Beispiel keine Einsatzoption für das THW, weil wir mit unseren Maschinen größere Kapazitäten haben. Und die Peripherie um die Altstadt Kathmandus herum funktioniert ja noch. Diese Phase der internationalen Koordinierung der Hilfe, in der wir jetzt sind, die kostet zwar Zeit, sie ist jedoch wichtig.

    Aber das ist doch vermutlich auch schwierig, wenn man das Leid sieht und weiß, dass man erst mal einen kühlen Kopf bewahren muss?

    Das ist richtig. Aber ich finde, das ist das Gebot der Stunde. Es bringt nichts, wenn man aufs Geratewohl loszieht und dann zwar vielleicht ein paar Menschen helfen kann, aber anderswo unsere Kapazitäten besser eingesetzt wären.

    Gab es abseits des gesehenen Leids auch Momente, die Sie haben Hoffnung schöpfen lassen?

    Es ist überraschend, wie schnell die Menschen zum Alltag zurückkehren. Das Erdbeben hat ja erst am Samstag stattgefunden. Es berührt mich schon, dass die Menschen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern ihrem Tagwerk so gut es geht nachgehen.

    Das Gespräch führte Johannes Bebermeier.

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