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    Bad Honnef/BonnSiebenjährige sagt vor Gericht im "Fall Anna" aus

    Es ist eine beklemmende Szenerie: Im engen Gerichtssaal des Bonner Landgerichts sind alle Prozessbeteiligten im "Fall Anna" aufmarschiert: der Oberstaatsanwalt, die Vertreterin der Nebenklage, die beiden Verteidiger des angeklagten Pflegevaters, der Anwalt der angeklagten Pflegemutter, zwei Sachverständige, zwei Schöffen, drei Berufsrichter, ein Ersatzschöffe, eine Ersatzrichterin, der Schriftführer und mehrere Wachmänner. Und mittendrin ein kleines Mädchen.

    Die Pflegeeltern der Neunjährigen wurden noch in der nach zum Freitag von der Polizei vernommen.
    Die Pflegeeltern der Neunjährigen wurden noch in der nach zum Freitag von der Polizei vernommen.

    Von unserem Redakteur Marcelo Peerenboom

    Sieben Jahre ist es alt. Die Angeklagte ist seine Patentante; sie soll die kleine Anna umgebracht haben. "Tanti", so hat die Siebenjährige die Patentante immer genannt, ist auch da. Sitzt ganz hinten im Gerichtssaal neben ihrem Mann - so, dass das Mädchen das Ehepaar nicht sehen muss. Darauf hatte Vorsitzender Richter Josef Janßen großen Wert gelegt.

    Dass erstmals im "Fall Anna" ein Kind aussagen muss, ist den Verteidigern der Pflegemutter zu verdanken. Sie hatten offenbar Zweifel an den Aussagen der Mutter des Kindes, das gestern vernommen wurde. Sie hatte die Angeklagte Anfang Juli stark belastet.

    "Ich weiß, dass Tanti böse zu Anna war." Mit diesen Worten hatte die Frau ihre eigene Tochter zitiert, die zur Tagespflege bei der Frau war, die jetzt auf der Anklagebank sitzt. Die 37-jährige Mutter hatte dem Gericht auch berichtet, Anna habe laut Aussage ihrer Tochter "immer essen, essen, essen müssen". Als ihre Tochter dann erfahren hatte, dass Anna nicht mehr lebt, habe sie gesagt: "Hätte ich doch bloß was gesagt."

    Ob die mittlerweile Siebenjährige gestern diese Aussagen vor Gericht wiederholt hat, war nicht zu erfahren. Das Gericht hatte die Öffentlichkeit während der Vernehmung ausgeschlossen. Und mehr als die Tatsache, dass das Kind gehört wurde, wollte der Vorsitzende hinterher auch nicht der Öffentlichkeit mitteilen. Immerhin hat die Verteidigung im Anschluss erklärt, sie verzichte auf die Vernehmung von zwei weiteren Kindern.

    Am Donnerstag sollen die beiden Sachverständigen ihre Gutachten über die psychiatrischen Angeklagten über die Angeklagten abgeben, denen die Staatsanwaltschaft Kindstötung und Kindesmisshandlung in etlichen Fällen zur Last legt. Danach soll nach Angaben von Gerichtssprecher Joachim Klages die Beweisaufnahme abgeschlossen sein, sodass Anfang November die Plädoyers gehalten und danach ein Urteil gefällt werden kann. Der Tod der neunjährigen Anna liegt dann fast anderthalb Jahre zurück.

     

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