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    MainzRasant über Mauern und Stahl

    Irgendwann kommt ein Arbeiter im Blaumann aus dem Rathaus und sagt den unvermeidlichen Satz: "Ihr wisst aber, dass das eigentlich verboten ist." Die sechs Jungs gucken sich an. Dann nimmt Torsten Dietl Anlauf und und setzt mit zwei kräftigen Sprüngen über das Geländer der Eingangstreppen,

    Mainz - Irgendwann kommt ein Arbeiter im Blaumann aus dem Rathaus und sagt den unvermeidlichen Satz: "Ihr wisst aber, dass das eigentlich verboten ist."

    Die sechs in Sportklamotten und Turnschuhe gekleideten Jungs gucken sich an, jeder murmelt irgendwas vor sich hin, "Jaja, hmmm, wissen wir, OK", dann nimmt Torsten Dietl Anlauf und und setzt mit zwei kräftigen Sprüngen über das Geländer der Eingangstreppen, während Yannick Schulz aus dem Stand in einen Handstand auf der Mauer hopst.

    Torsten, Yannick und ihre vier Kumpels gehören zur Parkourtruppe des Freizeit-Kultur-Sport Vereins Willigis (FKS), einem Verein ehemaliger Willigis-Schüler, die damit Kontakt über die Schule hinaus halten wollen. Und dass sie sich von einem angeblichen Verbot nicht stören lassen, gehört für sie zum Reiz der Sportart Parkour dazu. Immerhin entstand der Straßensport als Fluchtstrategie französischer Soldaten, erklärt Manuel Baumgärtner. "Es geht darum, möglichst effizient von A nach B zu kommen", erklärt Dietl die Idee von Parkour. Der Parkourläufer, auch "Traceur" genannt, versucht dabei, möglichst gradlinig voran zu kommen und Hindernissen nicht auszuweichen, sondern sie für seine Bewegung zu nutzen.

    Von A nach B bewegen sich die Großstadtturner bei ihren Kunststücken auf dem Jockel-Fuchs-Platz allerdings nicht. "Deshalb ist das auch kein Parkour im klassischen Sinn", erklärt Baumgärtner. "Wir nutzen einen Ort, um uns von diesem zu immer neuen Bewegungen inspirieren zu lassen." "Freerunnning" nennt sich diese Variante. Ein paar Lieblingsplätze haben die Jungs in Mainz schon ausgemacht, etwa an der Zitadelle oder am Holzhof. "Auf Privatgelände gehen wir übrigens nie", relativiert Baumgärtner dann auch schnell die Vorstellung vom Großstadrebellen. Wenn die bekannten Plätze zu langweilig werden, fahren sie lieber in andere Städte, wo sie sich von dortigen Parkourläufern ein paar neue Spots zeigen lassen.

    Gefährlich sei ihr Sport nicht, erklärt Dietl, der als Übungsleiter das wöchentliche Training am Willigis leitet. "Am Anfang springt man ohnehin nur kleine Hindernisse runter, nicht höher als die eigene Hüfte." Sportlich sollte man sein, aber auch für Nicht-Turner sei der Sport geeignet.

    Das Parkourtraining in der Willigshalle jeden Samstag, 11 Uhr, und Montag 17 Uhr, Infos: www.fks-willigis.de

    Moritz Meyer

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