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    KoblenzNeonazi-Prozess in Koblenz: Angeklagter schildert Straßenkämpfe mit Linken

    Straßenkämpfe mit Linken und Attacken auf deren Wohnungen - darin war das als rechtsextremistisch eingestufte «Aktionsbüro Mittelrhein» nach Aussage eines mutmaßlichen Unterstützers verwickelt. Der 27-Jährige, einer von 26 Angeklagten im Koblenzer Neonazi-Prozess, schilderte am Montag vor dem Landgericht Details etwa zu Gewalttaten in Dresden im Februar 2010.

    Neonazis in Dresden
    Auch Gewalttaten in Dresden waren Verhandlungs-Thema.
    Foto: Jan Woitas/Archiv - DPA

    Damals hatten Rechte einen Aufmarsch geplant, am Rande gerieten Vertreter des Aktionsbüros sowie Rechte aus Nordrhein-Westfalen mit Linken aneinander.

    Nach dem Kommando «Rheinland zusammenbleiben» sei geschlagen sowie mit Fahnenstöcken und Mülleimern geschmissen worden, sagte der Angeklagte. Auf der Rückfahrt seien an einer Raststätte Flaschen auf Busse mit Linken geworfen worden, um diese zu «entglasen», also die Scheiben zu beschädigen und die Weiterfahrt zu verhindern. Einige Rechte verständigten sich nach Aussage des Angeklagten zeitweise über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Während der Vorfälle in Dresden sei dabei von «Feindkontakt» die Rede gewesen.

    In dem Prozess, der Ende August begonnen hatte, sind 26 Männer im Alter zwischen 19 und 54 Jahren angeklagt, die dem «Aktionsbüro Mittelrhein» nahestehen sollen. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft reichen von gewalttätigen Aktionen gegen Linke bis hin zu versuchten Brandanschlägen auf Autos. Bislang sind noch weitere sechs Verhandlungstage bis Anfang November angesetzt.

    Der 27-Jährige, der als erster Angeklagter aussagt, berichtete am Montag zudem von einem Angriff auf die Wohnung eines Mitglieds der linken Szene in Bad Neuenahr-Ahrweiler im März 2010. Unbekannte hätten die Fassade des Braunen Hauses, der früheren Zentrale des «Aktionsbüro Mittelrhein», besprüht. Er und drei andere Männer seien dann zu der Wohnung gefahren, hätten faustgroße Steine eingesammelt und die Scheiben des Wohnzimmers eingeworfen. Sie seien davon ausgegangen, niemanden zu verletzen, weil kein Licht angeschaltet war. «Es wäre mir zu dem Zeitpunkt aber auch egal gewesen», sagte er.

    Bereits Anfang September hatte der 27-Jährige ausgesagt, Ziel des Aktionsbüros sei die Errichtung eines nationalsozialistischen Staates gewesen. Er hatte von Treffen gesprochen, bei denen über Rassenkunde und andere Themen aus dem Dritten Reich geredet worden sei.

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