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    KoblenzMinenwolf entschärft heimtückische Landminen

    Rein statistisch gesehen, sind schießende Taliban nicht das Hauptproblem der Isaf-Soldaten in Afghanistan. Der häufigste Grund für Gefallene ist eine viel heimtückischere Waffe: die improvisierte Bombe. Der Koblenzer BWB testet in Koblenz derzeit ein mögliches Gegenmittel auf seine Einsatztauglichkeit: den MiniMineWolf der deutsch-schweizerischen MineWolf AG.

    Koblenz - Rein statistisch gesehen, sind schießende Taliban nicht das Hauptproblem der Isaf-Soldaten in Afghanistan. Der häufigste Grund für Gefallene ist eine viel heimtückischere Waffe: die improvisierte Bombe - im Nato-Sprech nur IED genannt.

    Im Januar kamen in Afghanistan allein in einer Woche fünf Soldaten durch IED-Anschläge ums Leben.

    Mit den Jahren des Konflikts haben die Taliban aufgerüstet: Statt Autobomben oder Selbstmordattentätern setzen sie mittlerweile auf die bis zu einem Meter unter der Oberfläche vergrabenen Sprengfallen (oft mit mehr als 60 Kilo Sprengstoff), die ferngesteuert oder durch eine Kontaktplatte ausgelöst werden. Selbst gepanzerte Fahrzeuge und ihre Insassen haben dagegen kaum eine Chance.

    Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) testet in Koblenz derzeit ein mögliches Gegenmittel auf seine Einsatztauglichkeit: den MiniMineWolf der deutsch-schweizerischen MineWolf AG. Anders als die Minenwölfe, die bisher in der humanitären Räumung von Landminen an der Erdoberfläche eingesetzt wurden, kann das neue System erkennen, ausgraben und kontrolliert sprengen. Dass es erst im zehnten Jahr des Afghanistan-Krieges entwickelt wird, führt Pionier-Oberst Jörg Busch darauf zurück, dass die deutschen Truppen im Norden bis vor wenigen Jahren von der Bedrohung durch IEDs verschont geblieben sind.

    Für die zivilen Prüfer des BWB ist die entscheidende Innovation, dass der MiniMineWolf über Ton und Video aus mehreren Hundert Metern ferngesteuert werden kann. Deshalb gehören letztlich drei Fahrzeuge zu einem Minen-Trupp: Ein Detektorfahrzeug, das die Bombe ortet, der einem Bagger ähnliche "Manipulator", der die Bombe ausgräbt und unschädlich macht, und letztlich ein Kommandofahrzeug vom Typ "Fuchs", von dem aus alles gesteuert wird. Sollte bei der Bergung etwas schiefgehen, könnte der Minenwolf durch seinen rund sieben Meter langen Ausleger ohne größere Schäden davonkommen. Nur die austauschbaren Werkzeuge am Ende des Auslegers würden beschädigt. Derzeit ist allerdings noch unklar, wie effektiv der Detektor die in der Erde vergrabenen Sprengkörper aufspüren kann.

    Doch auch der Einsatz des Minenwolfs ist nicht frei von Gefahr. Die drei Fahrzeuge müssen während ihrer teils langwierigen Arbeit durch weitere Truppen geschützt werden. Das Räumen eines einzelnen IED wird so zur militärischen Operation. Zudem müssen die eigenen Jammer - Geräte, mit denen die Funkzündungen der Taliban verhindert werden - während der Operation ausgeschaltet werden, um die eigene Videofunkverbindung nicht zu stören. Letztlich hängt alles von effektiver Aufklärung ab, damit der Minenwolf-Trupp nicht in einen Hinterhalt gerät.

    Bis zum Spätsommer sollen die Tests in der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 51 in Koblenz-Rübenach abgeschlossen sein. Dann ist die Anschaffung von insgesamt sieben Systemen geplant - vier für den Einsatz in Afghanistan, drei für die vorangehende Ausbildung der Fachleute in Deutschland. Die Minenwölfe gelten als "einsatzbedingter Sofortbedarf", also so schnell wie möglich. Wie dringend, wird vielen Mitarbeitern der WTD 51 täglich auf dem Weg zur Arbeit vor Augen geführt: Im wenigen Kilometer entfernten Bundeswehrzentralkrankenhaus liegen die Opfer der Taliban-Sprengfallen.

    Von unserem Redakteur Peter Lausmann

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