40.000
  • Startseite
  • » Panorama
  • » Menetekel für Bischof Tebartz-van Elst: Lichtkünstler projiziert "Du sollst nicht stehlen"
  • Aus unserem Archiv

    LimburgMenetekel für Bischof Tebartz-van Elst: Lichtkünstler projiziert "Du sollst nicht stehlen"

    Der Limburger Dom ist nachts wirkungsvoll von außen beleuchtet. Am Montagabend landete ein Lichtkünstler aber noch einen Wirkungstreffer. Aus Protest gegen die Kostenexplosion projizierte Oliver Bienkowski "Du sollst nicht stehlen" auf die Front.

    Der doppelt angestrahlte Dom. Foto: Thomas Frey/dpa
    Der doppelt angestrahlte Dom.
    Foto: Thomas Frey/dpa

    Von unserem Redakteur Lars Wienand

    Ein prassender Herrscher, der sich berauscht am Gold aus dem Hause Gottes - und plötzlich einen von unsichtbarer Hand geschriebenen leuchtenden Spruch an der Wand sieht: Ein Geistlicher wie der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird unweigerlich an die Bibel gedacht haben bei dem Geschehen vom Montagabend. Das Buch Daniel, Kapitel 5

    Am Montagabend war die unsichtbare Hand aber nicht göttlich, sondern bediente einen Beamer und gehörte einem Mann, der aus Sicht der Kirche ein schwerer Sünder ist.  Lichtkünstler Oliver Bienkowski dem Bischof das Menetekel: "Du sollst nicht stehlen" warf er in Leuchtschrift an den Dom - als Protest angesichts der explodierten Baukosten von inzwischen rund 31 Millionen Euro für die Bischofsresidenz.

    Oliver Bienkowski projizierte das Gebot an den Dom. Foto: Thomas Frey/dpa
    Oliver Bienkowski projizierte das Gebot an den Dom.
    Foto: Thomas Frey/dpa

    Bienkowski war vor einigen Wochen bundesweit in den Medien, als er im Zuge der NSA-Spähaffären "United States of America" an die Berliner US-Botschaft geworfen hatte. Den  "Licht-Anschlag" ("Bild") dort hatte er nach eigenem Bekunden wochenlang vorbereitet. In Limburg ließ es der Chef einer Agentur für Guerilla-Markting ganz schnell angehen. Am Morgen hatte er noch angekündigt, er "glaube", nach dem "Festival of Lights" gehe es nach Limburg. Am Montagabend war der Neusser dann schon mit Beamer auf dem Dom-Vorplatz - noch vor der offiziellen Eröffnung des heute beginnenden Festivals.

    Auf Facebook hatte er gebeten, seine Idee zu teilen und Sprüche zu sammeln. Projiziert hatte er dann aber doch den eigenen - der aus juristischer Sicht weit über das Ziel hinausschießt. Diebstahl wirft dem Bischof auch keiner seiner schärfsten Kritiker vor. Bienkowski verallgemeinert bei seiner Schelte auch: 31 Millionen seien "aufs Kreuz gelegt. Die Katholische Kirche wollte eben nicht weltfremd sein und S21 und BER in nichts nachstehen."

    Aus Sicht der Amtskirche erwartet Bienkowski aber ohnehin die Höllenstrafe. Er ist Freimaurer, aus Sicht des Vatikans eine "schwere Sünde". Den entsprechenden Erlass hatte Joseph Ratzinger als Chef der Glaubenskongregation unterschrieben.

    In der Bibel signalisiert das Schreiben an der Wand das baldige Ende für den Herrscher. Dort endet es für das Alte Testament typisch blutig: Der König wird in der Nacht danach getötet. "Ich bin sehr kritisch mit der Kirche. Es ist mir wichtig und ein persönliches Anliegen gewesen. Weitere Aktionen folgen", kündigt Bienkowski an.

    Autor:
    Lars Wienand
    (Mail, )

    Panorama
    Meistgelesene Artikel