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  • Internetwelle: Feuerwehren gehen reihenweise Baden

    Wenn erwachsene Männer sich nass spritzen, mit Badehose und Feuerwehrhelm herumrennen oder auf einem Palettenhubwagen mit Ventilatorantrieb eine Wasserwand durchbrechen, dann ist Cold Water Challenge. In manchen Teilen des Landes ist die verrückte Welle durch jedes Dorf geschwappt. Andere Region erwartet die Wasserschlacht erst – wenn die Wehren dürfen.

    Von unserem Redakteur Lars Wienand

    Auf YouTube kann man derzeit Stunden damit verbringen, überwiegend Männer zu sehen, die sich auf mehr oder weniger kreative Art nass machen - begleitet vom Geheul von Sirenen und Martinshörnern. 500 neue Videos werden am Tag hochgeladen - ein virtueller Kettenbrief geht durchs Netz. Wer nicht nass wird, der grillt; er muss zum Grillfest einladen. So sind die Regeln des Spaßes, dem sich kaum eine Wehr verschließt, wenn sie herausgefordert wird. Längst hat das sinnfreie Spiel aber auch andere Rettungsdienste und Verwaltungen erfasst.

    So hat die kleine Feuerwehr Winnen aus dem Westerwald nach erfüllter Aufgabe unter anderem das THW Westerburg nominiert, das nach Wasserschlacht am Wiesensee DLRG und DRK Westerburg sowie THW Koblenz benannt hat. Und damit ist absehbar, dass die Cold Water Challenge schnell weiter Kreise zieht. Im Raum Koblenz/Neuwied war die Cold Water Challenge bisher noch nicht angekommen.

    In Teilen des Rhein-Lahn-Kreises gibt es keine unbenetzten Flecken mehr: Als dort Bogel sein Video ins Netz stellte, war die Wehr gleich von drei anderen nominiert worden. Kurz zuvor hatte die Feuerwehr Nassau ein Video mit 31 Mitwirkenden bei YouTube hochgeladen- ein Pferd mitgezählt. Mit einer Drohne hatte die Wehr das Ausrücken aller Fahrzeuge gefilmt - und den Schlauchwäschebereich im Keller zur Discozone mit Schaumparty umfunktioniert.

    Mark Horbach, Nassaus Wehrführer, war gerade im Urlaub, als er abends gegen zehn die Nachricht bekam: Die kleine Wehr Dornholzhausen hatte auch Nassau nominiert. Gegen halb zehn am nächsten Morgen hatte ein Feuerwehrkamerad die erste Rundmail verschickt, um 11 Uhr gab's das erste Treffen, um 20.30 Uhr waren alle Bilder gemacht und wenig später fertig geschnitten hochgeladen. 24 Stunden sind Zeit, die Aufgabe zu erfüllen, manche Wehren gewähren auch 48. 

    Der Wehrführer sagt, dass man in einer Führungsposition natürlich auch Bedenken bei der einen oder anderen Aktion anmelden müsse. "Bei dem ausgearbeiteten Drehbuch war die Einsatzbereitschaft zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt und somit alles ok." Die Aktion habe nicht nur Kosten sparen geholfen ("Wir wollten Dornholzhausen ja kein Grillfest bezahlen..."), sondern auch der Kameradschaftspflege gedient. Öffentlichkeitsarbeit sieht er nicht unbedingt darin: "Wir wollen nicht "cool" dastehen." Gegen das Image der "Feierwehr" kämpfe man schon ein paar Jahre an, wir wollen eigentlich nur respektiert werden." 

    Andernorts gibt es offenbar auch Bedenken, dass jubelnde Feuerwehrleute in Unterhosen dem öffentlichen Bild schaden könnten. In Rottweil etwa wurde es explizit untersagt. Eine Ansage gebe es in der Verbandsgemeinde Diez nicht, sagt der dortige Wehrleiter Marcus Grün. "Aber die Leute wissen, dass das beim Chef nicht so gerne gesehen ist." Hintergrund: Vor Jahren hatte sich auch mancher Brandmeister zum Hirschen gemacht bei der Aktion eines Kräuterlikörherstellers. Der Landesfeuerwehrverband mag gar nicht Stellung beziehen: "Wir fordern nicht dazu auf, wir raten aber auch nicht davon ab", so Landesgeschäftsführer Michael Klein. Bedenken seien nachvollziehbar, heißt es im Blog. Die Aktionen zeigten aber viel Kreativität und Freude. 

    Dann ist da noch die rechtliche Seite: "Wir würden für so eine Aktion niemals einen Alarmierungsweg missbrauchen", sagt Nassaus Wehrführer. Das Sirenengeheul im Film kommt vom Band. Die Feuerwehr Bogel weist in ihrem vom Wehrführer gedrehten Video extra noch einmal darauf hin: "Keine Alarmfahrten auf öffentlichen Straßen" seien durchgeführt worden, es habe keine Sirenenalarmierung gegeben. Das haben manche Wehren auch anders geregelt. 

    Auf der Strecke geblieben ist der ursprüngliche Gedanke der Aktion: In den USA ist die Cold Water Challenge in der Regel mit einer Spende für einen guten Zweck verbunden - kleine Spende bei erfüllter Challenge, große Spende bei Nichterfüllen. Hier beteiligen sich auch viele Einzelpersonen. In Deutschland fordern nur vereinzelt Wehren auf, etwa an Paulinchen e.V. zu spenden, Initiative für brandverletzte Kinder. 

    Deutschland erfasst hatte der Wasser-Wettbewerb, als am 2. Mai die Feuerwehr in einem Hanauer Stadtteil die Herausforderung einer befreundeten Wehr aus den USA annahm. Damit ging es los:

    Hier haben wir besondere Videos aus der Region zusammengetragen. Eine Auswahl besonderer Szenen daraus sind in der Galerie oben versammelt. 

    Autor:
    Lars Wienand
    (Mail, )

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