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  • Ehlscheider Familie sitzt im Glashaus - und hat es da immer gemütlich

    Ehlscheid. Maurice braucht nur ein Wort: „Cool“ nennt er das, was seine Eltern da gebaut haben. Klar, welcher Elfjährige hätte nicht gerne vor seinem Zimmer einen Ganzjahresbalkon mit Kicker und Hängematte? – Auch wenn er sich den mit Schwester Aylin (17) teilen muss, und Papa Norbert hier sein Teleskop aufgebaut hat, um durch die Glasscheiben ungestört den Himmel abzusuchen. Aber der Vater ist ohnehin (noch) nicht oft hier. Denn meistens ist der Versicherungskaufmann mit der Fertigstellung seines Hauses beschäftigt. Dass er einmal Elektromaschinenbauer war, hilft.

     

    Begonnen hat alles vor rund vier Jahren. Da surfte Norberts Frau Romy im Internet und fand ein ähnlich eingekasteltes Haus. Das war zwar für die Weyers nicht finanzierbar, aber der Funke war gelegt: Fortan recherchierte sie, sah sich alternative Entwürfe an, besuchte Messen und sprach mit Architekten, die sie für verrückt erklärten. Doch sie gab nicht auf, kauft sich ein 3D-Programm für den Computer und legte erst einmal selbst los.
    Komplett Marke Eigenbau ist das Glashaus aber nicht. Denn als die Realisierung des Weyerschen Traumhauses näher rückte, fanden sie auch die passenden professionellen Partner. Und nachdem sie ganz in der Nähe ihres Wohnhauses das richtige Grundstück hatten, bei dem auch die Nachbarn mit den Bauplänen einverstanden waren, konnten sie im Sommer 2009 loslegen.

    Als erstes stellten sie das Glashaus auf. „Ganz wichtig“, betont Norbert Weyers und erklärt, dass die Hülle ideal für die Baustelle des Wohnhauses war: Kein Regen, kein Frost und folglich keine witterungsbedingten Verzögerungen. Das hilft auch beim Preis, weil Baufirmen in auftragsarmen Zeiten engagiert werden können. Und so ist das Haus deutlich günstiger, als viele glauben, unterstreicht er und beziffert zum Beispiel die Kosten für eine der großen Scheiben auf 80 Euro. „Wenn man es komplett machen ließe, würde es in etwa soviel kosten wie ein höherwertiges Einfamilienhaus“, hat er ausgerechnet. Und dann wäre es auch deutlich schneller fertig. „Man kann so ein Haus in einem halben Jahr hinstellen lassen“, sagen die Weyers. Da sie aber viel selbst machen, haben sie jetzt den Sommer 2012 als Fertigstellungstermin angepeilt. Als nächstes soll im Februar der Putz drauf.
    Doch was sind die Vorteile eines Hauses im Glashaus? Zum einen natürlich der deutlich reduzierte Energieverbrauch. „Die Nebenkosten sind halbiert. Und wenn wir wie geplant noch eine Garage mit Fotovoltaik bauen, sind wir bis auf das Wasser autark“, gibt Norbert Weyers an.

    Für seine Frau steht dagegen „das mediterrane Flair“ im Vordergrund. „Wir können unser Wetter selbst machen“, sagt sie. Extreme Temperaturen kämen dank ausgefeilter Technik nicht vor. So sei das Thermometer in dem unbeheizten Wintergarten auch an den kältesten Tages dieses Winters nie unter den Gefrierpunkt gesunken. Und im Sommer bleibt es angenehm, weil ab einer gewissen Sonneneinstrahlung oben Vorhänge zugehen. „Es ist wie im Schatten eines Baumes“, beschreibt Romy und ergänzt, dass sie außerdem einen Durchzug machen kann, „dass Ihnen die Zettel vom Tisch fliegen“.

    So sind die Zeiten, in denen sich die Familie im geschützten „Draußen“ aufhalten kann, deutlich länger. Und hier ist unter anderem genug Platz für Garten, Strandkorb und Tischtennisplatte, an der der Ball nicht weggeweht wird. Die Zeiten, in denen Gartenmöbel wieder ins Haus geschleppt werden mussten, sind ebenso vorbei.
    Doch gibt es auch Nachteile? Die Weyers sehen keine wirklich und sprechen unumwunden von ihrem „Traumhaus“. Selbst die Sauberhaltung der riesigen Glasflächen sei kein Problem, versichert Romy. „Für einen Putzfanatiker wäre es nichts. Und vielleicht muss man ein bisschen schmerzfrei sein. Aber im Grunde wäscht der Regen alles herunter. Ich schätze, dass man es alle drei bis vier Jahre einmal sauber machen muss“, sagt sie und zeigt auf die nicht gerade verdreckten Scheiben. „Die haben wir trotz der Bauarbeiten im Inneren noch nie geputzt.“
    Und was sagen andere zu dem verrückten Bau? „Das ist natürlich unterschiedlich, weil es eben Geschmackssache ist“, berichtet Norbert Weyers. Der ganz überwiegende Teil der Besucher sei aber positiv verblüfft und beeindruckt. Apropos Besucher: Wer im Gashaus sitzt, hat es nicht nur gemütlich, er darf auch nicht Menschenscheu sein. „Das ist hier schon so etwas wie ein kleiner Wallfahrtsort. Vor allem am Anfang hatten wir hier 50 bis 60 Neugierige pro Tag“, erzählt er. Und daran, wie er das sagt, merkt man, dass ihm das auch Spaß macht. (Ulf Steffenfauseweh)

    Romy und Norbert Weyers haben ihr persönliches Traumhaus gebaut