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    Rheinland-PfalzChristine Schneider - rotes Tuch für die Genossen

    Sie bringt Kurt Beck auf die Palme und Karl Peter Bruch aus der Fassung: Die CDU-Abgeordnete Christine Schneider ist derzeit das schärfste Schwert, dass die rheinland-pfälzischen Christdemokraten gegen die SPD-Landesregierung ins Feld führen.

    Zur Person: 38 Jahre alt, Pfälzische Weinkönigin 1992/93, Wahlkreis 50 (Landau), Einzug in den Landtag 1996, Vorsitzende des Ausschusses für Landwirtschaft und Weinbau.
    Zur Person: 38 Jahre alt, Pfälzische Weinkönigin 1992/93, Wahlkreis 50 (Landau), Einzug in den Landtag 1996, Vorsitzende des Ausschusses für Landwirtschaft und Weinbau.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Christine Schneider ist nicht die einzige christdemokratische Ex-Weinkönigin in unserem Land.
    Christine Schneider ist nicht die einzige christdemokratische Ex-Weinkönigin in unserem Land.

    Rheinland-Pfalz - Sie bringt Kurt Beck auf die Palme und Karl Peter Bruch aus der Fassung: Die CDU-Abgeordnete Christine Schneider ist derzeit das schärfste Schwert, dass die rheinland-pfälzischen Christdemokraten gegen die SPD-Landesregierung ins Feld führen. Die Frau aus der Pfalz hat die Affäre um die umstrittene Sanierung des Schlosshotels aufgebracht und sich in sie verbissen. Spätestens seit der jüngsten, turbulenten Sondersitzung im rheinland-pfälzischen Landtag gilt Christine Schneider als eine Art Chefanklägerin ihrer Partei. Ihr Ziel: Innenminister Bruch in der Schlosshotelaffäre zum Rücktritt zwingen und Ministerpräsident Beck politisch so zu beschädigen, dass er im Kampf mit CDU-Herausforderin Julia Klöckner kräftig Federn lassen muss. Doch wer ist eigentlich die Frau, die zum roten Tuch für die SPD geworden ist?

    Der erste persönliche Eindruck überrascht: Keine Spur von der nervigen Schärfe, mit der sie den politischen Gegner ins Kreuzverhör nehmen kann. Die 38-Jährige ist umgänglich, charmant, gewinnend. Nur wenn sie auf die Vorgänge ums Bad Bergzaberner Schlosshotel zu sprechen kommt, verhärtet sich ihr Blick.

    Christine Schneider stammt aus der südpfälzischen Kleinstadt Edenkoben. Aufgewachsen ist sie in einem katholisch-konservativen, ländlich geprägten Milieu. Bei ihrem Großvater half sie im Weinbaubetrieb, bei ihrer Mutter in der Gastronomie. "Das waren alles bodenständische Leut", sagt sie in ihrem Pfälzer Dialekt, in den sie gern verfällt, wenn ihr etwas am Herzen liegt. Mit der CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner hat eine Vergangenheit als Weinkönigin gemeinsam. Nicht als deutsche, aber immerhin pfälzische Majestät. "Damals habe ich gelernt, öffentlich aufzutreten, forsch in einen Saal zu gehen, ohne genau zu wissen, was mich erwartet", sagt sie.

    Zum Abschluss ihrer Regentschaft gab die junge Pfälzerin ein folgenschweres Interview. Sie bekannte, Rockröhre Tina Turner und CDU-Querdenker Heiner Geißler einmal persönlich kennenlernen zu wollen. Zumindest Geißler, Bundestagsabgeordneter in ihrem Wahlkreis, war ein paar Tage später am Telefon und lud sie zum Essen ein. Und der frühere CDU-Generalsekretär war es auch, der 1994 vor ihrer Tür stand, um sie von einer Kandidatur als Landtagskandidatin zu überzeugen. Inzwischen gehört sie zu den Routiniers im rheinland-pfälzischen Politikbetrieb. Sie ist Fachfrau für Wein- und Landwirtschaft. Und als gelernte Tischlerin weiß sie, dass da, wo gehobelt wird, immer auch Späne fallen.

    Diese Robustheit hat ihr in Bad Bergzabern und beim politischen Gegner heftigen Gegenwind eingebracht. Als Wahlkämpferin ist sie zum Feindbild, zum politischen Quälgeist geworden. Doch in der Fraktion werden die Zähigkeit und das Stehvermögen der "tapferen Schneiderin" geschätzt.

    Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) indes redet kein Wort mehr mit ihr, seit es nach der Plenarsitzung Anfang Juli lautstark zum Eklat kam. Es hat ihn persönlich getroffen, dass sie ihn der Vetternwirtschaft beschuldigt.

    Dabei kennen die beiden sich schon rund 20 Jahre. Immerhin liegen Becks und Schneiders Wahlkreis nebeneinander. Auf das Verhältnis zum Ministerpräsidenten angesprochen, wägt die CDU-Politikerin ihre Worte. "Er hat an Kritikfähigkeit eingebüßt, seitdem die SPD alleine im Land regiert." Trotzdem hofft sie, dass irgendwann auch mit Beck wieder ein normaler Umgang möglich ist - wenn sich der Pulverdampf verzogen hat.

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