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    BendorfBendorferin im RZ-Interview: "Ich bin eine von Sorayas Erben"

    Aus den Bunten Blättern ist Soraya, einst mit dem letzten Schah von Persien verheiratet, längst verschwunden. Der Streit um ihr Millionenerbe hält ein Kölner Gericht seit 2001 auf Trab. Die gar nicht streitlustig wirkende Frau Sauer aus Bendorf erzählt im RZ-Interview von Famillie, Tradition und Geld.

    Schon oft hat Paricher Sauer (links) ihrer Tochter Anuschka Weyand die Fotos aus dem Iran gezeigt.
    Schon oft hat Paricher Sauer (links) ihrer Tochter Anuschka Weyand die Fotos aus dem Iran gezeigt.
    Foto: Borowski

    Paricher Sauer sitzt am Kopfende des Tisches. Links neben ihr sitzt ihre Tochter Anuschka Weyand. Das dunkle lockige Haar rahmt Paricher Sauers Gesicht ein. Ihre Augen strahlen etwas Freundliches, gar Warmes aus.

    Ihre Gesichtszüge sind entspannt. Wenn sie lacht, wackeln ihre silbernen Ohrringe wild hin und her. Und sie lacht viel, obwohl sie eine Familienangelegenheit seit Jahren begleitet und in gewisser Form auch belastet. Die 70-Jährige ist eine von den 22 potenziellen Erben von Soraya.

    Der Soraya, die einst mit dem letzten Schah von Persien verheiratet war. Seit mehr als 10 Jahren soll das Landgericht Köln nun schon über das Millionenerbe von Soraya entscheiden. Für November ist ein neuer Verhandlungstermin angesetzt. Paricher Sauer und ihre Tochter Anuschka Weyand haben im Gespräch mit unserer Zeitung von ihrer ganz persönlichen Soraya-Geschichte erzählt.

    Frau Sauer, Sie sind die Großcousine von Soraya?

    Sauer: Meine Familie hat immer gesagt: „Das ist deine Großcousine.“ Ich weiß nicht, ob das die richtige Bezeichnung ist. Großnichte würde vielleicht besser passen. Unsere Urgroßväter waren Brüder.

    Wie haben Sie Soraya erlebt?

    Sauer: Sie war schon immer eine sehr schöne Frau. Ganz elegant, ganz hübsch. Aber bei all dem nicht eingebildet. Sie ist natürlich geblieben. Als sie geheiratet hat, war ich noch ein Kind. Soraya war 10 oder 12 Jahre älter. Sie war im selben Alter wie meine Schwester. Die beiden waren oft zusammen. Als Kinder durften wir oft gar nicht mit. Aber später, als ich ungefähr 18 war und nach Deutschland kam, haben wir uns einige Male gesehen, wenn Soraya bei ihrem Vater in Köln war.

    Familie besteht bei Ihnen also nicht nur aus Geschwistern, Onkeln und Tanten, sondern es gibt über viele Verwandtschaftsgrade hinweg engen Zusammenhalt?

    Sauer: Familie heißt bei uns vielleicht etwas anderes als hier. Wir haben alle zusammen unter einem Dach gewohnt. Im Iran haben Soraya und ihre Familie damals nur 30 oder 40 Kilometer entfernt gewohnt. Da haben wir uns natürlich gesehen. Heute ist das auch bei uns anders. Unser Stamm ist nicht mehr so stabil wie früher. Viele sind ausgewandert aus dem Iran. Der Zusammenhalt ist nicht mehr so.

    Seit wann sind Sie selbst in Deutschland?

    Sauer: Seit 1962. Das war keine einfache Zeit für mich. Meine Schwester studierte bereits in Köln. Und nur deshalb hat mich mein Vater überhaupt gehen lassen. Ich war damals Arbeit überhaupt nicht gewöhnt. Zu Hause kam eine Magd und hat sich um alles gekümmert.

    Weyand wirft ein: Aber nicht weil du nicht wolltest, sondern weil ihr nicht durftet. Dein Vater wollte das nicht. Und heute bist du ein totales Arbeitstier. (Beide müssen lachen.)

    Sauer: Ich habe damals eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen. Dort habe ich dann auch den Vater meiner Töchter kennengelernt. Ich bin mit ihm nach Koblenz gegangen. Mein Vater war darüber sehr böse. Er hat überhaupt nicht mehr mit mir geredet. Als dann meine Tochter Anuschka zur Welt kam, hat sich alles geändert. Meine Familie hat mir einen riesigen Teppich geschenkt. Und dann war alles wieder gut.

    Haben Sie in all den Jahren Kontakt zu Soraya gehabt?

    Sauer: Nicht so, nein. Als Soraya nach Frankreich gezogen ist, ist das alles irgendwie auseinandergefallen. Soraya war mit sich beschäftigt und ich mit meiner Arbeit, meinen Kindern und meinem Mann. Im Nachhinein denke ich, dass es eigentlich schade ist. Aber jetzt ist es zu spät.

    Weyand: Früher war ich oft in Paris, und da hat die Mutter immer gesagt: „Geh doch mal Soraya besuchen. Ich gebe dir die Adresse und stelle den Kontakt her.“ Das habe ich aber nie gemacht, weil ich dachte, dass ich nicht einfach so bei einer fremden Frau klingeln kann.

    Sauer: Das wäre gar nicht schlimm gewesen. In so großen Sippen kann man das machen. Da ist jeder unglaublich gastfreundlich.

    Hat Ihnen Ihre Mutter von Soraya erzählt? Wie war das als Kind für Sie?

    Weyand: Das war wie im Märchen. Wir haben immer die Fotos angeschaut. Und das war natürlich ganz toll.

    Wie haben Sie dann 2001 von Sorayas Tod erfahren?

    Sauer: Ich habe es damals im Urlaub in der Zeitung gelesen. Das war schlimm. Es war für uns alle ein Schock, weil wir sie wenige Wochen vorher noch in der Zeitung gesehen haben. Und dann ist sie auf einmal tot.

    Haben Sie damals schon daran gedacht, dass Sie in der Erbfolge eine Rolle spielen könnten?

    Sauer: Nein. Es hieß ja auch immer, ihr Bruder Bijan erbt alles. Aber später, als der auch gestorben ist und sein Chauffeur alles erben sollte, haben wir uns gemeldet.

    Was hat Sie zu dem Zeitpunkt dazu bewegt, sich für die Erbfolge anzumelden?

    Sauer: Das Geld muss in der Familie bleiben. Ich für mich bin wunschlos glücklich mit dem, was ich habe. Mir liegt nichts an dem Geld. Ich brauche nichts. Aber für meine Kinder, meine Enkelkinder. Wenn es nach mir ginge, dann würden wir das Geld einfach an alle verteilen. Und meinetwegen kann der Chauffeur auch etwas haben für seine Kinder.

    Im November wollen Sie selbst nach Köln zum nächsten Verhandlungstermin fahren ...

    Sauer: Ja. Es scheint jetzt in die Endphase zu gehen. Wenn das Gericht sagt, dass das Testament so nicht rechtskräftig ist, muss die Erbfolge geklärt werden.

    Das Gespräch führte Nina Borowski

     

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