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    KoblenzAfrika ruft: "Mephisto-Mike" verlässt Koblenz und seine Kultkneipe

    Als Mephisto-Mike ist er stadtbekannt und eine Koblenzer Institution. Nun startet der Wirt Mike Spriestersbach (46) in ein neues Leben. Im RZ-Interview erklärt er, was er sich von seinem Neustart in Afrika erhofft.

    Mike Spriestersbach verlässt das Mephisto.
    Mike Spriestersbach verlässt das Mephisto.

    Mike, du möchtest deine Zelte in Koblenz abbrechen. Wohin geht es?

    Richtig, das ist beschlossene Sache. Bis zum Ende dieses Jahres geht es nach Afrika. Da genau nach Äthiopien.

    Warum Äthiopien?

    Dort war ich schon mehrmals. Afrika-Reisende sprechen oft vom afrikanischen Virus. Wenn er sie einmal gefangen hat, dann will man immer wieder dorthin. Bei mir war es erstmal Äthiopien. Obwohl ich schon viele andere afrikanische Länder bereist habe, ist es für mich immer noch die Wahl Nummer eins. Und für das, was ich vorhabe, ist es auch das optimale Ziel.

    Was genau planst du dort?

    Ich werde in das Farmgeschäft einsteigen und vorbehaltlich meiner aktualisierten Prüfungen Stevia anpflanzen. Das ist jetzt die Wahl der Stunde. Ich hab das vor etlichen Jahren schon mal vorbereitet, indem ich Versuchspflanzungen in Zusammenarbeit mit den Universitäten in Addis Abeba gemacht habe. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Anbau eine gute Sache für Äthiopien ist, sowohl für das Land als auch für die Menschen.

    Weshalb fiel die Wahl auf die Stevia-Pflanze?

    Das Produkt Stevia ist in den letzten Jahren durchaus zurecht gehypt worden. Aus der Pflanze wird ein Süßstoff gewonnen, der bis zu 70-mal süßer ist als Rohrzucker, gleichzeitig aber für Diabetiker geeignet, kalorienarm und nicht kariös. Und das ist natürlich die Quadratur des Nahrungsmittelkreises für die Zukunft. Wenn du weniger von einem Produkt brauchst, um den gleichen Zweck zu erfüllen, dann kann das für die Nahrungsmittelindustrie ein Topprodukt sein.

    Wie sieht dein Geschäftsmodell in Äthiopien aus?

    Ich versuche, einen Gegenentwurf zum Land Grabbing zu platzieren, das momentan ein ganz großes Thema in Afrika ist. Große indische und chinesische Konzerne bauen in zig Hektar großen Gebieten Nahrungsmittel für ihre Bevölkerung an. Sie lassen dort die Einheimischen zu einem Tarif schuften, der geringer ist als der, den sie als selbstständige Bauern hatten. Dazu habe ich einen Gegenentwurf, weil es mich fürchterlich ärgert.

    Wie sieht der aus?

    Ich habe mir ein 15-Jahres-Projekt ausgedacht. Nach drei bis vier Jahren werde ich von den ersten Erträgen des Anbaus langsam die Infrastruktur aufbauen können. Nach spätestens neun Jahren möchte ich dort erste Schulen bauen. Die ländliche Bevölkerung soll die Möglichkeit haben, später ihre Kinder an die Universitäten schicken zu können. Die ausgebildeten Agraringenieure und Chemiker können später die Effizienz des Anbaus optimieren, sodass ich im Prinzip irgendwann ein vollkommen autarken Betrieb habe, der auch ohne mein Beisein funktioniert und dann genossenschaftlich in den Besitz der Landarbeiter übergeht. Das ist mein Deal.

    Der Schritt, den du gehen wirst, ist sehr groß und radikal. Ist deine Stimmung euphorisch oder auch etwas wehmütig?

    Wehmut habe ich keine. Ich betrachte meine Aufgabe hier als abgeschlossen. Das ist natürlich auch kein ad-hoc-Entschluss gewesen, ich beschäftige mich mit der Idee ja schon sehr lange. Und dass es jetzt dazu kommt, hat verschiedene Gründe. Ich betrachte mein Schaffen hier in Koblenz als eine runde, abgeschlossene Sache.

    Was wird nun aus dem Mephisto?

    Für mich war es wichtig, dass das Mephisto in den Besitz von Leuten geht, die den ursprünglichen Spirit zu würdigen wissen. Und ihn in meinem Sinne fortführen. Das fällt um so leichter, als dass es ja ein erfolgreiches Konzept ist. Ich wollte Leute mit gewisser gastronomischer Erfahrung, aber auch mit der gleichen Energie die ich hatte, als ich vor 20 Jahren begann. Diese Euphorie konnte ich zuletzt nur noch schwer aufbringen, wobei ich glaube, dass das in nahezu jedem Job nach 20 Jahren der Fall ist.

    Das Gespräch führte Alwina Maier

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