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  • Gefängnisreform geplant: „Haft ist teurer als Schulbesuch in Eton“

    London. Wenigstens war er ein guter Schauspieler. „Ich werbe mit Fallschirmsprüngen für eine Obdachlosenorganisation, möchten Sie dafür etwas spenden?“: Mit diesem Spruch leierte ein 26-jähriger Brite gutherzigen Pensionären aus Stockport Tausende Pfund aus der Tasche, um seine Heroinsucht zu finanzieren. Seit 2006 musste Mark Maskell dafür vier jeweils viermonatige Haftstrafen verbüßen. Als der junge Betrüger im Mai erneut von der Polizei erwischt wurde, platzte dem zuständigen Richter der Kragen: Statt Maskell einmal wieder ins Gefängnis zu stecken, schickte er ihn in eine Drogenklinik und anschließend in ein College mit der Anweisung, einen anständigen Beruf zu erlernen. Dieses Beispiel soll in England bald Schule machen.

    Gefängnisreform geplant: „Haft ist teurer als Schulbesuch in Eton“
    Das viktorianische Gefängnis Kilmainham Gaol in Dublin, in dem die Briten früher gerne irische Rebellen inhaftiert haben, dient heute als gruseliges Museum.
    Foto: RZ

    London - Wenigstens war er ein guter Schauspieler. „Ich werbe mit Fallschirmsprüngen für eine Obdachlosenorganisation, möchten Sie dafür etwas spenden?“: Mit diesem Spruch leierte ein 26-jähriger Brite gutherzigen Pensionären aus Stockport Tausende Pfund aus der Tasche, um seine Heroinsucht zu finanzieren.

    Gefängnisreform geplant: „Haft ist teurer als Schulbesuch in Eton“
    Das berühmte "Verrätertor" des Londoner Tower, der vielen britischen Königen und Königinnen als Gefängnis gedient hat.
    Foto: RZ

    Seit 2006 musste Mark Maskell dafür vier jeweils viermonatige Haftstrafen verbüßen. Als der junge Betrüger im Mai erneut von der Polizei erwischt wurde, platzte dem zuständigen Richter der Kragen: Statt Maskell einmal wieder ins Gefängnis zu stecken, schickte er ihn in eine Drogenklinik und anschließend in ein College mit der Anweisung, einen anständigen Beruf zu erlernen. Dieses Beispiel soll in England bald Schule machen.

    Jeder zweite Ex-Kriminelle im Vereinigten Königreich begeht binnen zwölf Monaten nach der Freilassung eine Straftat und kehrt daraufhin hinter Gitter zurück. Bis zu zehn Milliarden Pfund pro Jahr kosten den Staat diese Rückfälle – eine gewaltige Zahl, die die Koalitionsregierung von David Cameron in Zeiten von harten Sparmaßnahmen nicht länger vor den Steuerzahlern rechtfertigen kann. Sie plant jetzt eine „radikale“ Reform des Strafvollzugs, um die überfüllten „Gefängnisse Ihrer Majestät“ teilweise zu leeren und zugleich den defizitären Haushalt zu entlasten. Nach dem Plan des neuen Justizministers Ken Clarke werden die britischen Gerichte zukünftig seltener Haftstrafen bis zu einem Jahr verhängen. Die Haftanstalten sollen laut Clarke „Orte der Bildung, harten Arbeit und des Wandels“ werden. Außerdem will die Regierung den privaten Firmen und Organisationen Prämien zahlen, wenn sie es schaffen würden, entlassene Straftäter in mustergültige Bürger zu verwandeln.

    „Die Welt an sich ist ein großes Gefängnis, in dem Menschen täglich hingerichtet werden“, schrieb der Weltentdecker, Aristokrat und Poet Sir Walter Raleigh, der als angeblicher Verschwörer selbst von 1603 bis 1617 im Londoner Tower schmoren musste. Zwar wurden in den vergangenen Jahrhunderten die Haftbedingungen auf der Insel stark verbessert, dennoch kritisiert der zuständige Minister den britischen Strafvollzug als „viktorianisch“. Immer mehr Menschen werden immer länger inhaftiert, ohne dass der Staat sich um ihre Umerziehung kümmern würde – das erinnere ihn an die Zeiten von Königin Victoria, sagte gestern Ken Clarke in London.

    Die Statistiken geben ihm Recht: In den vergangenen 20 Jahren sind die Häftlingszahlen im Königreich um 100 Prozent gewachsen, und es ist kein Ende dieses Trends im Sicht. Mehr als 85.000 Briten saßen im Mai Haftstrafen ab, diese Rekordrate von 154 Inhaftierten pro 100.000 Einwohner ist derzeit fast doppelt so hoch wie die in Deutschland. Clarke will es nicht länger hinnehmen, dass die Unterbringung jedes Häftlings den Steuerzahlern mit umgerechnet 54.000 Euro pro Jahr teurer stehen würde als die Ausbildung eines Kindes in der elitären Eton-Schule.

    Eine schnelle Lösung müsse her, heißt es in London. Die Regierung will in Zukunft verstärkt kürzere Haftstrafen durch gemeinnützige Arbeit ersetzen. Parallel sollen finanzielle Anreize für eine erfolgreiche Resozialisierung der Ex-Kriminellen durch Unternehmen geschaffen werden.

    Von unserem Korrespondenten Alexei Makartsev

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