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Gefangen im virtuellen Raum - "Fußfessel" Blackberry & Co

»Schön, dass Sie bei uns anfangen – hier ist Ihr Blackberry«. Wer diesen Satz am ersten Tag an neuer Arbeitsstätte hört, dem dämmert, worauf er sich einlässt: darauf die Abgrenzung zwischen Be­rufs- und Privatle­ben preiszu­geben und somit we­sentliche Freiheiten einzubüß­en.

Wo bitte geht’s ins Hier und Jetzt?
2010 von Claas Triebel erschienen: "Mobil, flexibel, immer erreichbar – Wenn Freiheit zum Albtraum wird", Artemis & Winkler, 171 Seiten, € 16,90.

Willkommen im »Anderswo«, wie der Amerika­nische Soziologe Dal­ton Conley den weltweiten Ar­beitsraum in der Verwi­schungszone zwischen digitaler und analoger Welt nennt. In die­sem Anders­wo le­ben nicht nur Arbeit­nehmer und auch nicht nur sol­che in gehoben­en Position­en. Auch Selb­ständige tun sich schwer die Leitungen zu kap­pen und finden nicht zurück ins Hier und Jetzt. Vielleicht kommt der er­sehnte Großauf­trag ja ausgerechnet in dieser einen Woche, in der ich mit der Fa­milie am Mittel­meer lie­ge.

Nur das eine Mal?

Einmal am Tag kann man das Ding doch ruhig anschal­ten und die Mailbox ab­hören.

Oder vielleicht einmal mittags und einmal abends. Und viel­leicht auch die Mails che­cken. Ich muss ja nicht antworten. Aber ich sollte  wis­sen, was zu Hause läuft. Und so werde ich am Strand daran erinnert noch eine Präsentati­on an die Ar­beitsgruppe schi­cken zu müssen und abends beim Rotwein an das anste­hende Projekt, für das bis zwei Tage nach Rückkehr aus dem Urlaub die Frist ab­läuft. Und schon befinde ich mich nicht mehr in Italien und auch nicht in München, sondern gefangen im Anderswo. Das ist är­gerlich. Das führt zu Streit und Stress. Das wis­sen wir.

Warum gelingt es uns dann aber nicht, einfach abzuschalten?

Mobilität von Informationen bedeutete stets eine Erweiterung der Möglichkeiten des Individuums. Ganz gleich, ob es sich da­bei um die Kommunikation über Rauchzeichen, die Einführung eines Postsystems, die Erfindung der Informations­weitergabe über Ka­bel oder über Funk handelte. Es steht außer Frage, dass auch Web und Mobilfunk und deren Verschmelzung in den Smartphones einen gran­diosen Zuwachs an Freiheitsgraden er­möglicht haben. Auch Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Demonstrationsfreiheit, der Schutz der Privat­sphäre, das Briefge­heimnis, alles Elemente unserer bürgerlichen Freiheiten, beziehen sich auf die Kommunikation.

Nun haben wir erstmals einen Punkt in der Geschichte erreicht, an dem ein Mehr an Kommunikati­onsmöglichkeiten nicht mehr mit einem Zuwachs an Freiheiten gleichzusetzen ist. Das gab es zuvor nicht. Damit können wir noch nicht richtig umge­hen. Auch wenn wir bereits Studien über schädliche Folgen ständiger Erreichbar­keit gelesen haben und sie am eigenen Leib erfahren.

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