Gefangen im virtuellen Raum - "Fußfessel" Blackberry & Co
»Schön, dass Sie bei uns anfangen – hier ist Ihr Blackberry«. Wer diesen Satz am ersten Tag an neuer Arbeitsstätte hört, dem dämmert, worauf er sich einlässt: darauf die Abgrenzung zwischen Berufs- und Privatleben preiszugeben und somit wesentliche Freiheiten einzubüßen.
Willkommen im »Anderswo«, wie der Amerikanische Soziologe Dalton Conley den weltweiten Arbeitsraum in der Verwischungszone zwischen digitaler und analoger Welt nennt. In diesem Anderswo leben nicht nur Arbeitnehmer und auch nicht nur solche in gehobenen Positionen. Auch Selbständige tun sich schwer die Leitungen zu kappen und finden nicht zurück ins Hier und Jetzt. Vielleicht kommt der ersehnte Großauftrag ja ausgerechnet in dieser einen Woche, in der ich mit der Familie am Mittelmeer liege.
Nur das eine Mal?
Einmal am Tag kann man das Ding doch ruhig anschalten und die Mailbox abhören.
Oder vielleicht einmal mittags und einmal abends. Und vielleicht auch die Mails checken. Ich muss ja nicht antworten. Aber ich sollte wissen, was zu Hause läuft. Und so werde ich am Strand daran erinnert noch eine Präsentation an die Arbeitsgruppe schicken zu müssen und abends beim Rotwein an das anstehende Projekt, für das bis zwei Tage nach Rückkehr aus dem Urlaub die Frist abläuft. Und schon befinde ich mich nicht mehr in Italien und auch nicht in München, sondern gefangen im Anderswo. Das ist ärgerlich. Das führt zu Streit und Stress. Das wissen wir.
Warum gelingt es uns dann aber nicht, einfach abzuschalten?
Mobilität von Informationen bedeutete stets eine Erweiterung der Möglichkeiten des Individuums. Ganz gleich, ob es sich dabei um die Kommunikation über Rauchzeichen, die Einführung eines Postsystems, die Erfindung der Informationsweitergabe über Kabel oder über Funk handelte. Es steht außer Frage, dass auch Web und Mobilfunk und deren Verschmelzung in den Smartphones einen grandiosen Zuwachs an Freiheitsgraden ermöglicht haben. Auch Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Demonstrationsfreiheit, der Schutz der Privatsphäre, das Briefgeheimnis, alles Elemente unserer bürgerlichen Freiheiten, beziehen sich auf die Kommunikation.
Nun haben wir erstmals einen Punkt in der Geschichte erreicht, an dem ein Mehr an Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr mit einem Zuwachs an Freiheiten gleichzusetzen ist. Das gab es zuvor nicht. Damit können wir noch nicht richtig umgehen. Auch wenn wir bereits Studien über schädliche Folgen ständiger Erreichbarkeit gelesen haben und sie am eigenen Leib erfahren.









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