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    Ozean-Zug: Deutschland und Schweiz buhlen um Zuschlag

    Seit 2016 wird beraten, nun soll mehr Zug hereinkommen in das Jahrhundertprojekt einer Strecke vom Atlantik zum Pazifik. Treiber ist Bolivien - um unabhängig zu werden von Chiles Häfen.

    Evo Morales
    Boliviens Präsident Evo Morales macht sich seit langem dafür stark, auch um unabhängiger von chilenischen Häfen zu werden.
    Foto: Martial Trezzini - dpa

    La Paz (dpa). Die deutsche Bundesregierung verstärkt ihre Bemühungen um den Bau einer Bahnlinie, die in Südamerika vom Atlantik bis zum Pazifik führen soll.

    „Diese Idee, die ja schon älter ist, hat eine gute Chance, realisiert zu werden“, sagte Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba in Buenos Aires. Am Mittwoch wird er mit Vertretern aus Bolivien, Peru, Paraguay und Uruguay in La Paz zusammentreffen, um das Projekt zu erörtern.

    Er wird begleitet von rund 40 Unternehmern aus Deutschland und der Schweiz. Unternehmen aus beiden Ländern haben Interesse, das Jahrhundertprojekt eines Ozean-Zuges zu realisieren.

    Doch bisher ist vieles vage. Geplant ist eine 3750 Kilometer lange Strecke vom brasilianischen Hafen in Santos über Bolivien bis zum peruanischen Ilo, um Güter schneller Richtung Europa und Asien zu bekommen. Die Kosten werden auf rund 14 Milliarden Dollar (13 Mrd Euro) geschätzt.

    Bolivien setzt bei der Finanzierung auch auf Kapital aus Deutschland und der Schweiz. Mittlerweile liegen vier Studien zu Trassen, Umweltfragen und den Kosten vor, wie der bolivianische Minister für öffentliche Arbeiten, Milton Claros, sagte. Bomba war bereits Anfang 2016 in Bolivien, um über deutsche Unterstützung zu beraten.

    „Wir sind seinerzeit von Bolivien gebeten worden, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, auch mit zu organisieren, das machen wir“, so Bomba. Boliviens Präsident Evo Morales will mit einer solchen Verbindung unabhängiger von chilenischen Häfen werden. Die Beziehungen sind angespannt: Bolivien hat Chile vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagt, um wieder einen eigenen Meerzugang zum Pazifik bekommen, den es im Salpeterkrieg (1879-84) an Chile verloren hatte.

    2016 war bereits vorgeschlagen worden, dass Firmen aus Deutschland und der Schweiz gemeinsam ein Paket anbieten - Bau der Infrastruktur, Lieferung von Loks und Waggons sowie Wartung der Züge. Nach Vorbild des dualen Ausbildungssystems in Deutschland könnten zudem Fachkräfte für Instandhaltung und Betrieb der Strecke ausgebildet und eingesetzt werden. So sollen 6000 bis 8000 Arbeitsplätze entstehen.

    Ob sich der „Tren Bioceánico“ verwirklichen lässt, ist noch fraglich, vor allem müsste es als ersten Schritt eine Einigung zwischen Morales und Brasiliens Präsidenten Michel Temer geben. Denn es gibt bereits ein anderes Milliardenprojekt für einen Zug zwischen den Ozeanen, ebenfalls von Brasilien nach Peru - aber an Bolivien vorbei. Dieses wird von China forciert. Die Strecke würde vor allem durch das Amazonasgebiet führen, was aus Umweltschutzgründen umstritten ist.

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