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    FlorenzMillionen veruntreut: Neuer Skandal in der Vatikanbank

    Das Institut für Religiöse Werke (IOR), so der offizielle Name der Vatikanbank , kommt nicht aus den Schlagzeilen. Ex-Präsident Angelo Caloia sowie der langjährige Direktor, Lelio Scaletti, sollen Summen in Millionenhöhe veruntreut haben. Caloia musste 2009 nach 20-jähriger Führung des Geldinstituts zurücktreten.

    Foto: picture alliance

    Von unserem Italien-Korrespondenten Wolf H. Wagner

    Die Ermittlungen werden vom Anklagevertreter des vatikanischen Justizapparats, Gian Piero Milano, geleitet. Der Professor für kanonisches Recht an der römischen Universität Tor Vergata ist eigens von Papst Franziskus berufen worden, Licht in die dunklen Angelegenheiten des IOR zu bringen.

    Caloia und Scaletti sollen mit Immobiliengeschäften Hunderte Millionen verdient haben. Die Verträge um 29 Immobilien des Vatikan in Rom und Mailand werden besonders unter die Lupe genommen. Sie sollen 2001 bis 2008 gewinnbringend veräußert, aber nicht ordnungsgemäß verbucht worden sein. Die Konten der beiden Beschuldigten in der Vatikanbank - sie belaufen sich auf immerhin 16 Millionen Euro - sind mittlerweile beschlagnahmt worden. Wie der Sprecher des Heiligen Stuhls, Pater Federico Lombardi, erklärte, sind die Ermittlungen auch auf den Rechtsanwalt Gabriele Liuzzo wegen Beteiligung an den Geschäften ausgedehnt worden.

    Seit Jahrzehnten mit kriminellen Machenschaften in den Schlagzeilen

    Der Präsident des Aufsichtsrats des IOR, Jean-Baptiste de Franssu, zeigte sich erfreut über die Tatsache, dass "die vatikanischen Autoritäten mit Entschiedenheit" vorgingen. Angelo Caloia übernahm die Präsidentschaft der Vatikanbank 1989, nachdem sein Vorgänger, Erzbischof Paul Casimir Marcinkus, wegen des Bankrotts der Banca Ambrosiana zurücktreten musste. Papst Johannes Paul II. entschloss sich zu diesem Schritt nach dem Mord an dem Bankier Roberto Calvi in London sowie dem Tod Michele Sindonas, der die Vatikanbank in ein schlechtes Licht zu rücken drohte. Selbst der frühe Tod von Papst Johannes Paul I. wurde damit in Verbindung gebracht. Nur einen Tag nach der Ankündigung, die Führungsriege zu entmachten, starb er.

    Doch mit der Berufung Caloias zum neuen Präsidenten des Geldinstituts hatte sich keine Transparenz eingestellt. Ganz im Gegenteil: Dubiose Geldgeschäfte sowohl mit dem damaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, dem Caloia weitreichende Vollmachten im IOR einräumte, sowie zur sogenannten Loge P 2 Licio Gellis brachten die Vatikanbank immer wieder in die Schlagzeilen. Interne Untersuchungen wurden angestellt, ohne dass daraus jedoch Konsequenzen erfolgten.

    Erst die Veröffentlichung eines Geheimen Archivs des Beraters des Staatssekretärs des Heiligen Stuhls, Monsignore Renato Dardozzis, führte zu Ermittlungen innerhalb des Vatikans, in deren Folge Angelo Caloia sowie der ihm nahestehende Direktor des IOR, Lelio Scaletti, am 23. September 2009 zurücktreten mussten.

    Noch vieles liegt im Dunkeln

    Mit seinem Amtsantritt im Jahr 2013 versprach Papst Franziskus eine Null-Toleranz-Politik gegenüber den dunklen Geschäften des IOR. Der noch von senem Vorgänger Benedikt XIV. eingesetzte deutsche Manager Ernst von Freyberg musste dennoch vorzeitig sein Amt als IOR-Chef niederlegen, obwohl er viele dunkle Konten aufgelöst hatte.

    Die jetzigen Ermittlungen gegen die früheren Führungspositionen dürften ein erster rechtlicher Schritt sein. Von den Tangentopoli der 90er-Jahre (Schmiergeldzahlungen in Mailand) bis hin zu den Verbindungen zu verschiedenen Mafia-Organisationen dürfte noch jede Menge Aufklärungsbedarf herrschen. Am Heiligen Stuhl ist man beunruhigt, was dabei noch ans Tageslicht kommen könnte.

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