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    Griechen protestieren mit Streiks gegen neue Sparmaßnahmen

    Die Renten und die Löhne sollen abermals in Griechenland gekürzt werden. Die Gewerkschaften laufen Sturm und gehen auf die Straßen. Sie haben auch eine Botschaft an Kanzlerin Merkel.

    Alexis Tsipras
    Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras will Rentenkürzungen und Steuererhöhungen durchsetzen.
    Foto: Thanassis Stavrakis - dpa

    Athen(dpa). Aus Protest gegen neue Sparmaßnahmen haben die größten Gewerkschaften in Griechenland mit Streiks das öffentliche Leben lahmgelegt.

    Tausende Menschen gingen am Mittwoch auf die Straßen und demonstrierten gegen die seit mehr als sieben Jahre dauernde Sparpolitik. „Wir verelenden“, hieß es auf Transparenten, die das Fernsehen aus Athen und der Hafenstadt Thessaloniki zeigte.

    Fluglotsen legten am Vormittag für vier Stunden die Arbeit nieder. Dutzende Flüge wurden verschoben, einige Inlandverbindungen abgesagt, wie die Fluggesellschaften mitteilten. Die Busse in Athen fuhren am Morgen zunächst nicht, auch die staatliche Bahn wurde bestreikt. Das führte zu Staus auf den Zufahrtsstraßen in die Zentren.

    Auch Staatsbedienstete und viele Lehrer nahmen am Streik teil. Steuerämter, Ministerien, Schulen sowie zahlreiche Museen und antike Stätten blieben geschlossen, wie das Staatsradio (ERT) berichtete. Ärzte staatlicher Krankenhäuser behandelten nur Notfälle. Die Fähren blieben an der Ägäis und dem Ionischen Meer den zweiten Tag in Folge in den Häfen. Die Seeleute wollen bis Samstagmorgen weiter streiken. Viele Urlauber müssen auf den Inseln ausharren.

    Am Donnerstagabend soll das griechische Parlament ein neues Sparpaket billigen, das Rentenkürzungen und Steuererhöhungen in Höhe von gut 4,9 Milliarden Euro vorsieht. Es ist Voraussetzung für weitere Finanzspritzen der Gläubiger an das hoch verschuldete Land. Griechenland hängt seit 2010 am Tropf internationaler Geldgeber.

    Das Tauziehen um neue Hilfen dauert seit Monaten an. Ein Streitpunkt sind mögliche Schuldenerleichterungen für das Mittelmeerland. Der Internationale Währungsfonds (IWF) macht davon seine Beteiligung an weiteren Griechenland-Hilfen abhängig. Im Gespräch seien eine Streckung der Zahlungsfristen und stabile Zinsen, heißt es aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums.

    Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras telefonierte in dieser Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Mittelpunkt des Gesprächs hätten Griechenlands Schulden gestanden, teilte das Büro des Athener Regierungschefs mit. Der Schuldenberg beträgt rund 315 Milliarden Euro, das sind 179 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

    Merkel und Tsipras hätten sich darauf geeinigt, dass eine Lösung des Problems bei der nächsten Sitzung der Eurogruppe am 22. Mai „notwendig“ und auch „möglich“ sei, hieß es aus Tsipras' Büro. Die Bundesregierung wollte sich zum Inhalt des Gesprächs nicht äußern.

    Die Gewerkschaft der griechischen Polizisten richtete bei den Protesten an Merkel und Tsipras ein Plakat. Sie hängten ein großes Transparent auf dem höchsten Hügel Athens auf. „Wie viel ist das Leben eines griechischen Polizisten wert, Frau Merkel?“, stand darauf auf Deutsch. Darunter wurde die gleiche Frage an Tsipras auf Griechisch gestellt.

    Nach Schätzungen der Gewerkschaften gingen um die Mittagszeit rund 15 000 Menschen in Athen auf die Straßen. Kleine Demonstrationen gab es in Thessaloniki und anderen größeren Städten des Landes. Einige Demonstranten schleuderten in der Hauptstadt Brandsätze und Böller gegen Polizisten am zentralen Syntagma Platz. Zu schwerwiegenden Zwischenfällen sei es sonst nicht gekommen, teilte die Polizei mit.

    Gewerkschafts-Dachverband GSEE

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