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    Goldman Sachs soll Anleger getäuscht haben

    Washington/New York (dpa) - Die US-Investmentbank Goldman Sachs steht unter Betrugsverdacht. Die noble Wall-Street-Adresse soll Anleger hinters Licht geführt haben.

    Goldman Sachs
    Goldman Sachs selbst gehört zu den größten Investoren des angeschlagenen Immobilienfonds.

    Die US-Börsenaufsicht SEC klagte deswegen am Freitag eines der einflussreichsten Geldhäuser der Welt an. Unter den Opfern ist der Anklageschrift zufolge auch die gestrauchelte deutsche Mittelstandsbank IKB. Alleine sie soll fast 150 Millionen Dollar verloren haben.

    Der Fall reicht zurück ins Jahr 2007 und damit kurz vor den Ausbruch der Finanzkrise. Damals stiegen die Häuserpreise in den USA scheinbar unaufhörlich. Doch erste Investoren misstrauten dem Boom. Nach den Erkenntnissen der SEC wettete der einflussreiche Hedgefonds Paulson & Co. auf ein Platzen der Blase - und suchte mit Hilfe von Goldman Sachs Anleger, die auf weiter steigende Preise hofften.

    Goldman Sachs suchte und fand diese Anleger und verkaufte ihnen ein Finanzprodukt (CDO), das mit zweitklassigen Hypothekenkrediten unterlegt war. Laut Anklageschrift verschwieg die Investmentbank ihren Kunden, dass Paulson im Hintergrund mitmischte. Die Subprime Mortgages verloren binnen weniger Monate rasant an Wert - der Ausgangspunkt der Finanzkrise.

    Die IKB und andere sollen insgesamt mehr als 1 Milliarde Dollar verloren haben. Paulson gewann nach Erkenntnissen der SEC am Ende etwa den gleichen Betrag. Goldman erhielt Gebühren für seine Dienste von 15 Millionen Dollar.

    Goldman habe die Anleger getäuscht, indem die Bank sie habe glauben lassen, dass die Wertpapiere von einer unabhängigen Partei ausgewählt worden seien, sagte der SEC-Verantwortliche Robert Khuzami. Nur deshalb sei etwa die IKB eingestiegen. «Die IKB hätte in diese Transaktion nicht investiert, wenn sie gewusst hätte, dass Paulson eine wichtige Rolle in der Auswahl der Sicherheiten spielte», heißt es in der 22-seitigen Anklageschrift.

    Goldman Sachs wies die Vorwürfe zurück: Sie seien komplett haltlos und die Bank werde sich energisch dagegen zur Wehr setzen. Neben dem guten Ruf des Hauses steht auch eine Menge Geld auf dem Spiel. Analysten orakelten bereits über eine milliardenschwere Strafe.

    Auch über den Weggang von Bankchef Lloyd Blankfein wird spekuliert. Er hatte Goldman Sachs nahezu unbeschädigt durch die Krise gesteuert. Sein Name taucht in der Anklageschrift indes nicht auf, sondern nur der des für die Transaktion verantwortlichen Managers Fabrice Tourre, der ebenfalls angeklagt ist.

    Die Nachricht schlug an der Börse wie eine Bombe ein. Die Aktie von Goldman Sachs verlor in der Spitze rund 16 Prozent an Wert. Auch andere Banken rund um den Globus verbuchten kräftigte Abschläge. Die Deutsche Bank büßte rund 8 Prozent ein. Anleger fürchten, dass die SEC die Finanzhäuser wegen ähnlicher Geschäfte zur Rechenschaft zieht.

    Die dramatischen Auswirkungen der undurchsichtigen Finanzgeschäften lassen sich am Beispiel der IKB ablesen: Die Bank war Mitte 2007 durch ihr Engagement am US-Hypothekenmarkt in existenzielle Bedrängnis geraten. Der Staat musste mit mehreren Milliarden Euro einspringen, um einen Kollaps zu vermeiden. Zusammen mit der Hypo Real Estate gehört die IKB damit zu den größeren Verlierern der Finanzkrise in Deutschland.

    Es ist das erste Mal, dass die Börsenwächter bei einem derartigen Geschäft einschreiten. Für die Investmentbanken könnte das der Beginn härterer Zeiten bedeuten, denn viele von ihnen hatten ähnliche Finanzprodukte im Zusammenhang mit Hypotheken aufgelegt.

    Die Anklage kommt für die Finanzindustrie zur Unzeit: Seit Wochen steigen die Kurse der Bankaktien. Die Anleger rechnen damit, dass das Schlimmste in der Krise vorbei ist. Mit JP Morgan und der Bank of America haben die ersten Geldhäuser in dieser Woche Milliardengewinne für den Jahresanfang verkündet. Goldman Sachs legt seine Zwischenbilanz am Dienstag vor.

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