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    Frankfurt/MainEZB-Belegschaft fühlt sich überlastet

    Erschöpfte Notenbanker hinter der glitzernden Spiegelfassade des Frankfurter Eurotowers: Seit 2008 schuften die gut 1500 festen Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank (EZB) im Krisenmodus.

    Draghi
    In einem Brief der Gewerkschaft IPSO an EZB-Präsident Mario Draghi, warnen die Arbeitnehmervertreter vor der enormen Arbeitsbelastung im Haus.
    Foto: Julien Warnand - DPA

    Immer, wenn eine Bank wackelt, ein Staat am Abgrund steht oder die Märkte auch nur in Turbulenzen geraten, müssen die Notenbanker handeln - und zwar möglichst umgehend. Notfalls rund um die Uhr, Wochenende inklusive.

    Die Dauerkrise habe die Mitarbeiter ausgelaugt, warnt die Gewerkschaft IPSO (International and European Public Services Organisation) - und lässt einen Hilferuf durch den Euroraum hallen, der auch eine Drohung ist: «Die EZB hat nicht genügend Personal, um ihre aktuellen Aufgaben zu erledigen. Von künftigen, immer wichtigeren Aufgaben ganz zu schweigen.» Eine Umfrage unter den Beschäftigten, an der sich 715 Mitarbeiter beteiligten, deute auf ein ernstes potenzielles Risiko für das Tagesgeschäft der EZB hin.

    In einem Brief an Notenbank-Präsident Mario Draghi fordern die Euroretter nun ihre eigene Rettung. Die internationale Belegschaft müsse deutlich aufgestockt werden, verlangt die Gewerkschaft: «Wir glauben, die Rolle der EZB verdient und braucht eine angemessene Personalausstattung.»

    Das EZB-Direktorium ist sich nach eigenen Angaben der aktuell enorm hohen Arbeitsbelastung bewusst: «Wir prüfen derzeit, ob wir beim EZB-Rat eine Personalaufstockung beantragen sollen.»

    IPSO-Präsident Marius Mager fordert Tempo: «Wir haben eine enorme Arbeitsbelastung im Haus. Die Situation ist nicht haltbar.» An allen Ecken und Enden fehlten Mitarbeiter, obendrein müssten wegen der vielen Wechsel ständig neue Kollegen angelernt werden: «Das setzt die festen Mitarbeiter enorm unter Druck.»

    In der IPSO-Umfrage klagen mehr als 80 Prozent über hohe Belastung. Drei von vier Mitarbeiter geben an, regelmäßig Überstunden zu machen - meist ohne Ausgleich. Einige EZB-Mitarbeiter befürchten ernste Folgen für Gesundheit und Privatleben.

    Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, in denen die EZB ständig neue Kriseninstrumente aus dem Schrank zauberte, Geldmärkte vor dem Austrocknen bewahrte, Staaten durch Anleihenkäufe über Wasser hielt und Banken mit Billionen billigen Geldes flutete, sind die Arbeitnehmervertreter vorsichtig geworden: «Wir würden eine klare Zusage sehr begrüßen, wonach Neueinstellungen genutzt werden, um die Last der bereits heute überarbeiteten Kollegen zu verringern - und nicht, um neue Aufgaben abzudecken, die der EZB zugewiesen werden», heißt es in dem Brief an Draghi.

    Für zusätzlichen Aufgaben müssten auch zusätzliche Stellen geschaffen werden, fordert die Gewerkschaft IPSO, der nach eigenen Angaben 43 Prozent der EZB-Mitarbeiter angehören. Schon jetzt würden permanent Kollegen abgezogen, um zusammen mit Vertretern von EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IFW) in den Euro-Krisenländern Reformfortschritte zu kontrollieren.

    Und die nächste Mammutaufgabe für die Notenbank steht bereits vor der Tür: Europas Politiker planen eine einheitliche Bankenaufsicht «unter Einbeziehung» der EZB. Was genau damit auf die Notenbank zukommt, ist noch unklar. Mehrarbeit ist nicht ausgeschlossen.

    Wirtschaft
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