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Seelische Leiden häufigste Ursache für Frühverrentung

Salzgitter (dpa) - Seelische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Frühverrentungen. Deshalb wollen Arbeitgeber und Betriebsärzte sich stärker auf psychische Probleme im Arbeitsalltag konzentrieren.

Psychische Erkrankungen
Psychische Gesundheit und die Wiedereingliederung im Betrieb stehen im Mittelpunkt einer Fachtagung in Salzgitter. Psychische Erkrankungen gelten als häufigste Ursache für Frühverrentungen. Foto: Juli
DPA

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) setzen sich vor allem für eine bessere Vernetzung aller Beteiligten ein. «Früherkennung, eine zeitnahe Behandlung und die Wiedereingliederung sind in hohem Maß erfolgsrelevant», sagte VDBW-Präsident Wolfgang Panter am Donnerstag bei einer großen Fachtagung in Salzgitter.

Dort trafen sich mehr als 100 Vertreter von großen Unternehmen, Krankenkassen, Gewerkschaften, der Rentenversicherung sowie Betriebsärzte und Wissenschaftler zu einer Fachtagung. Den Begriff «Burnout» sahen alle problematisch. «Es ist kein medizinischer Begriff», betonte BDA-Geschäftsführer Alexander Gunkel. Einerseits stelle er eine Chance dar, Aufmerksamkeit zu gewinnen, andererseits würde er psychische Probleme auf Überforderung reduzieren.

Viele Experten sehen «Burnout», die völlige seelische Erschöpfung, als eine Unterform der Depression an. Schlagzeilen über «ausgebrannte» Prominente wie Profifußballer Sebastian Deisler, Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel oder jüngst auch Ex-Schalke-Trainer Ralf Rangnick ließen den Eindruck entstehen, es handele sich um eine Promi-Krankheit.

Die Stars bilden aber allenfalls die Spitze des Eisbergs. Arbeitslose weisen nach Krankenkassen-Erkenntnissen durchschnittlich die meisten psychischen Krankheitstage auf. Gewerkschaften halten auch Leiharbeiter wegen häufig prekärer Arbeitsbedingungen und Entlohnung für höchst gefährdet und dringen auf Änderung.

«Die Probleme mit den wachsenden Fehlzeiten und Frühverrentungen aufgrund psychischer Störungen lassen sich nur im Zusammenwirken aller Beteiligten lösen», betonte Gunkel. 2010 seien bundesweit 70 000 Arbeitnehmer wegen einer seelischen Erkrankung frühzeitig aus dem Beruf ausgeschieden. Damit seien psychische und psychosomatische Probleme der häufigste Grund für Frühverrentungen.

Ein Kernproblem sind bei der Behandlung die langen Wartezeiten auf eine ambulante Therapie. «Sind die Betroffenen erstmal Wochen oder gar Monate aus dem Arbeitsprozess, wird eine Wiedereingliederung immer schwieriger», sagte Gunkel.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem damit verbundenen Fachkräftemangel wird das Thema immer wichtiger. «Das sollte allen Unternehmen bewusst sein», sagte Gunkel. Er appellierte an alle Arbeitgeber, die Betriebsärzte auch im Bereich der seelischen Erkrankungen verstärkt zu nutzen.

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