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    Steinbrücks Vergleich: Wenn’s um Gehälter geht ... Sparkasse

    Peer Steinbrück sorgte als SPD-Kanzlerkandidat und einst verhinderter Sparkassenverbandschef von Kiel mit einem lapidaren Satz für ziemlichen Wirbel: „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin.“

    Dabei hat er eigentlich nur eine Binsenweisheit verkündet. Und: Unterbezahlt fühlte sich 1991 schon Helmut Kohl als Kanzler („Jeder Zahnarzt verdient mehr als ich.“) Nur: Steinbrück, der sich in der Sparkassenwelt nicht erst seit Vortragsreisen bestens auskennt, setzte sich eben dem Eindruck aus, dass er als Politiker mehr verdienen will. Nebeneffekt des Fettnäpfchens: Der Slogan der S-Finanzgruppe „Wenn’s um Geld geht – Sparkasse“ bekommt einen anderen Klang. Denn die bezahlt ihre Spitzen teils besser als der Staat seine Kanzlerin, die pro Jahr insgesamt etwa 307 000 Euro verdient.

    Koblenzer Sparkassenchef verdient mehr als die Kanzlerin

    Über diese Summe kann nicht nur ein Vorstandsvorsitzender der Koblenzer Sparkasse höflich lächeln. Er wird besser entlohnt als die mächtigste Frau im Staat. Vom Ministerpräsidenten des Landes ganz zu schweigen. Allerdings: Die Sparkassen sind auch nicht die, die in der Bankenbranche die Hitliste der Gehälter anführen. Und die Koblenzer Sparkasse ist die größte im Land, gefolgt von Trier und Kaiserslautern (Land).

    Immerhin: Bei den Sparkassen herrscht, wenn auch in Grenzen, mehr gesetzliche Transparenz als bei ihrer Konkurrenz. Es gibt in Rheinland-Pfalz Vergütungsrichtlinien, die Maximalsummen auflisten, teilt der Verband mit. „Sie können, müssen aber nicht gezahlt werden“, erklärt Geschäftsführer Norbert Wahl. Die Gehaltsklassen – gemessen nach Bilanzsumme, Depotbestand und Kreditvolumen – sind 2008 zu Zeiten absoluter SPDMehrheit festgelegt worden, orientiert am damaligen Mittelfeld in der Republik, sagt Wahl. Schon damals sagte CDU-Abgeordneter Michael Billen, dass es auch mit den erhöhten Sätzen einer Sparkasse schwerfallen dürfte, einen Experten von einer Volksbank abzuwerben. Dies gilt, so heißt es im Verband, heute auch noch.

    Auch Mini-Sparkasse zahlt mehr als die Mainzer Staatskanzlei

    Die Gehaltstabellen sind für Außenstehende nicht leicht zu lesen, zumal der Depotbestand nicht unbedingt in der Bilanz steht und auch nur ein Höchstrahmen festgelegt ist. Die individuellen Zahlen kennen nur Betroffene und der jeweilige Verwaltungsrat einer Sparkasse. Und übers Geld reden sie allesamt nicht gern.

    Den Rahmen des Salärs setzen die „Vergütungslinien Sparkassenvorstände“, erlassen vom Sparkassenverband Rheinland-Pfalz „im Einvernehmen mit den kommunalen Spitzenverbänden“, fest. Danach besteht die Vergütung aus einem Jahresgrundgehalt und einer nicht ruhegehaltsfähigen Leistungszulage von maximal 25 Prozent des Jahresgehalts – plus Dienstwagen, versteht sich. Aber immerhin: Auch in der kleinsten Stufe (Bemessungsgrenze 2 Milliarden Euro nach Bilanzsumme, Depotbestand und Kreditvolumen) kann der Vorstandsvorsitzende mit 208 270,40 Euro plus bis zu 25 Prozent oder rund 52 000 Euro Boni rechnen – und damit mehr verdienen als der Ministerpräsident des Landes. Dessen Stufe erreicht in etwa auch schon ein Vorstandsmitglied der Mini-Sparkasse. Liegt das Bemessungsvolumen bei 2 bis 2,5 Milliarden Euro, erhält der Chef bis zu 221 807,48 Euro Grundgehalt im Jahr, in der nächsten Stufe sind es 251 580,11 Euro. In Stufe 7 (bis 7,6 Milliarden Euro) ist die Kanzleramtsmarke mit 303 896 Euro erreicht. Und in Stufe 8, in der die Koblenzer Sparkasse mindestens rangieren dürfte, ist die mit einem Jahresgrundbetrag von 323 649,45 Euro längst überschritten – auch ohne einen Zuschlag von bis zu 25 Prozent oder gut 80 000 Euro. Über die korrekten Summen wacht die Sparkassenaufsicht im Mainzer Wirtschaftsministerium.

    Wo die Höchstgrenzen für Grundgehälter und Leistungszulagen nicht gezahlt werden, ist beim Verband nicht zu erfahren. Dies entscheiden die Verwaltungsräte, die allerdings – wie Kenner meinen – nur selten die Marken unterschreiten. In diese Gremien entsenden Stadträte und Kreistage die Mitglieder, die sich seit einigen Jahren allerdings auch fortbilden müssen. Die Bundesaufsicht verlangt inzwischen Nachweise über Seminare. Je nach Größe der Sparkasse erhalten die Vorsitzenden der Verwaltungsräte 6500, 5000 oder 4000 Euro. Bei den Mitgliedern staffeln sich die Bezüge von 1000, über 1500 und 2000 Euro.

    Bei Steinbrücks Vergleich wird in der Sparkassen-Familie lässig mit den Achseln gezuckt. Als Reaktion gibt es den Hinweis auf sie freie Berufswahl, aber auch den, dass eben nicht jeder ohne Fachausbildung Vorstandsvorsitzender werden kann. Aber wer es an die Spitze einer durchschnittlichen Sparkasse geschafft hat, verdient schnell mehr als Spitzenpolitiker. Bei Stellenausschreibungen der Sparkassen stehen Kandidaten aus anderen Sparten der Geldwirtschaft aber auch nicht Schlange, zumal – wie es immer heißt – die Volksbanken viel höhere Gehälter bezahlen. Die Sparkassen- und Volksbankenfamilie bleibe bei der Besetzung von Spitzenpositionen „zu 80 Prozent“ unter sich, heißt es beim Sparkassenverband. Und mit dem Wechsel von der Spitze einer Sparkasse auf einen Chefposten im rheinlandpfälzischen Kabinett gehört Gernot Mittler aus Mendig/Eifel (siehe unten) auch zu einer richtigen Ausnahme.

    Ursula Samary

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