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  • Neues Kabinett: Mit Johnson geht May ein hohes Risiko ein

    London. Die Nachricht schlägt wie eine Bombe ein. Boris Johnson ist neuer Außenminister - viele Briten reiben sich die Augen, Polit-Insider in London halten den Atem an, kübelweise wird in den sozialen Netzwerken Hohn und Spott vergossen. Ob sich die neue Premierministerin Theresa May einen Gefallen tut, den unberechenbaren Querkopf ins Kabinett zu holen, bleibt abzuwarten. Doch ihre Strategie tritt deutlich zutage.

    Mit der Berufung von Johnson zum neuen britischen Außenminister will Regierungschefin May das Brexit-Lager einbinden. Das birgt Risiken.  Foto: dpa
    Mit der Berufung von Johnson zum neuen britischen Außenminister will Regierungschefin May das Brexit-Lager einbinden. Das birgt Risiken.
    Foto: dpa

    Von Peer Meinert

    "Brexit heißt Brexit", so heißt ihr neues Mantra. May wird nicht müde, ihren Slogan an den Mann zu bringen - auch wie das Pfeifen im Walde, wenn jemand die eigenen Ängste vertreiben will. Denn die Neue im Amt ist keine "Brexit-Frau". Noch vor ein paar Wochen plädierte sie für den Verbleib in der EU. Jetzt muss sie ganz schnell zeigen, dass sie die Seiten wechseln kann. Der Rückgriff auf Johnson soll das Brexit-Lager beruhigen - eine Art Überlebensstrategie.

    "Boris bounces back" - Boris springt zurück, schreibt die "Daily Mail". Der Londoner Ex-Bürgermeister hat eine Achterbahnfahrt hinter sich: Er war der treibende Mann im Brexit-Lager, das Gesicht der Bewegung. Fast galt er schon als der designierte Premierminister, bis er sich in einer bizarren Kehrtwende selbst aus dem Rennen katapultierte. Angeblich weil er sich von seinem Brexit-Kumpan und Justizminister Michael Gove verraten fühlte, der sich plötzlich auch um den Premierjob bewarb. Eine mehr als windige Erklärung. Denn in Wirklichkeit standen viele Abgeordnete Johnson eher skeptisch gegenüber.

    Johnson, der neue Chefdiplomat, hat viele Charakterzüge - doch geschmeidiges und diplomatisches Vorgehen, geschliffenes und zurückhaltendes Auftreten gehören bestimmt nicht dazu. Schon ätzen Kritiker im Netz, er brauche erst mal bis Weihnachten, um sich bei allen ausländischen Politikern zu entschuldigen, die er in seiner bisherigen Karriere beleidigt hatte. Die Zeitung "The Independent" veröffentlichte eine ganze Liste mit Johnsons markantesten rhetorischen Ausrutschern. Zu Hillary Clinton, immerhin die mögliche neue US-Präsidentin, meinte er vor einigen Jahren: "Sie hat gebleichtes Blondhaar und Schmolllippen sowie einen stahlblauen Blick wie eine Krankenschwester in der Nervenanstalt." Barack Obama bezeichnete er als "teilweise kenianisch". Sind das Ausrutscher? May geht mit Johnson ein hohes Risiko ein. Mit dem Hitzkopf als Außenminister dürften diplomatische Konfrontationen programmiert sein.

    Regierungswechsel: Welches Schicksal winkt den Briten?Brexit: Spiel auf Zeit?
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