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  • Alle wollen ÖkostromNeue Trasse führt auch durch Rheinland-Pfalz: Woher kommt der Strom der Zukunft?

    Aber wer verteilt ihn und sorgt für ein stabiles Netz - bei Windstille oder Sturm, bedecktem Himmel oder gleißendem Sonnenschein? Ohne die geplanten drei großen Nord-Süd-Stromautobahnen gelangt kein Windstrom von der Nord- und Ostsee nach Bayern und Baden-Württemberg.

    Gigantische Trassen sollen den Strom aus dem Norden Deutschlands in den Süden transportieren.
    Gigantische Trassen sollen den Strom aus dem Norden Deutschlands in den Süden transportieren.
    Foto: dpa

    Weil Bürgerinitiativen vielfach Widerstand gegen neue Überlandleitungen angekündigt haben, sollen jetzt vorrangig Erdkabel verlegt werden - wie zum Beispiel für die westliche Stromleitung zwischen Emden und Osterath bei Düsseldorf. In Rheinland-Pfalz sind allerdings keine Erdkabel geplant. Stattdessen soll in einem Teilstück, das bei Koblenz von Weißenthurm über Wallersheim, Urbar und Eitelborn in Richtung Hessen verläuft, das Ultranet zum Einsatz kommen. Dabei sollen erstmals Wechsel- und Gleichstrom an einem Mast hängen. In den Kommunen regt sich Widerstand. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Ausbau.

    Warum ist der Netzausbau für Deutschland so wichtig?

    Immer mehr grüner Strom aus Wind-, Solar- und Bioenergie drückt in die Netze. Die starken Schwankungen bei Wind und Sonne stellen die Stabilität des ganzen Energiesystems auf eine Belastungsprobe: Wenn sich etwa bei stürmischem Wetter regional Windstrom ballt, geraten die Leitungssysteme unter Druck. Windanlagen müssen gegen Kostenersatz abgeschaltet, Reservekraftwerke an anderen Stellen hochgefahren werden. Das kostet aktuell schon rund 1 Milliarde Euro im Jahr; bis 2023, wenn alle Atomkraftwerke vom Netz sind, könnten sich laut Bundesnetzagentur die Kosten vervierfachen. Um die Versorgungssicherheit zu halten und Blackout-Risiken zu mindern, müssen daher dringend neue "Stromautobahnen" her.

    Was stört Kritiker an möglichen neuen Überlandleitungen?

    Freileitungen können je nach Ortsbebauung bis auf 400 oder sogar nur 200 Meter an Privatgrundstücken vorbeilaufen. Anwohner und Naturschützer stören sich - wie bei Windkraftanlagen - am Anblick von Mastenwäldern. Auch Ängste vor "Elektrosmog" spielen eine Rolle: Kritiker verweisen auf Studien, denen zufolge die Leitungen geladene Teilchen in die Luft abgeben und die elektrischen Felder ein Gesundheitsrisiko sind.

    Was ist das Besondere am Ultranet?

    Bisher wurde in den sogenannten Höchstspannungsnetzen Wechselstrom genutzt. Vorteil: Die Höhe der Spannung lässt sich leicht ändern. Nachteil: Gerade der Transport über weite Strecken ist mit Verlusten verbunden. Um Strom effizienter und flexibler zu transportieren, soll auf Gleichstrom gesetzt werden. Und da auf der genannten Trasse größtenteils noch Kapazitäten an den vorhandenen Strommasten frei sind, möchte Amprion diese für die neuen Leitungen nutzen. Das heißt, es müssten so gut wie keine Strommasten neu gebaut, sondern nur einzelne erneuert werden.

    Wie reagieren die Menschen vor Ort auf die Pläne?

    Die Bürgerinitiativen befürchten aufgrund des Gleichstroms negative Auswirkungen von magnetischen und elektrischen Feldern auf die Menschen. Da es zu diesem Thema noch keine abschließenden wissenschaftlichen Studien gibt, kann eine Gefährdung nicht nachgewiesen, aber auch nicht komplett ausgeschlossen werden. Außerdem bemängeln die Bürgerinitiativen einen zu geringen Abstand zwischen Leitungen und Häusern sowie Schulen.

    Drei Trassen führen aus dem Norden nach Bayern und Baden-Württemberg.
    Drei Trassen führen aus dem Norden nach Bayern und Baden-Württemberg.
    Foto: dpa
    Gibt es Alternativen zum Plan?

    Die Bürger würden statt eines Ausbaus der bestehenden Trasse Erdkabel bevorzugen. Dies widerspricht allerdings den Vorgaben der Bundesregierung, die für diese Region - anders als anderen Regionen - keine Erdverkabelung vorsieht. Außerdem gibt es eine mögliche Alternativtrasse, die von Weißenthurm über Winningen, Niederfell und Emmelshausen durch den Hunsrück führt. Auf dieser Trasse müsste allerdings komplett neu gebaut werden.

    Welche Vor- und Nachteile haben Erdkabel überhaupt?

    Zunächst mal: Man sieht sie nicht. Eigentümer müssen nicht fürchten, dass riesige Masten vor der Haustür den Wert ihres Grundstücks mindern. Akzeptanz ist aber kein Selbstläufer: "Ohne sehr transparente Planung ist das Vertrauen in das Erdkabel schnell weg", sagte ein Amprion-Sprecher. Für Erdkabel gelten beim Leitungsbau kaum Abstandsgrenzen zur Bebauung. Das Netz kann sich stärker an der Luftlinie orientieren. Das spart Strecke. Probleme machen die ungleich höheren Kosten der Spezialkabel. Beim aktuellen Projekt liegen sie beim Drei- bis Vierfachen der Freileitungskosten. Skeptiker fürchten, dass auch Erdkabel Gesundheit und Umwelt negativ beeinflussen können - zum Beispiel, indem sie den Boden erwärmen. Bei einer Netzstörung dürfte die Reparatur länger dauern, weil man die defekte Stelle erst orten und dann den Boden aufreißen muss.

    Wer zahlt mögliche Zusatzlasten für den Netzausbau?

    Erneut die Verbraucher. Ohnehin soll die EEG-Umlage, die den Ökostrom subventioniert, laut Expertenschätzung 2017 auf fast 7 Cent je Kilowattstunde steigen. Noch liegt sie bei 6,35 Cent. Ein teurerer Netzausbau und Betrieb würde über die Netzentgelte ebenfalls bei den Stromkunden landen. Schon jetzt macht dieser Posten rund ein Viertel des Strompreises aus. Die Grünen kritisierten Erhöhungspläne der Netzbetreiber: Im schlimmsten Fall drohe Stromkunden eine "Erhöhungsorgie".

    Wie teuer werden die Erdkabel?

    Laut früheren Annahmen der Bundesregierung könnten Erdkabel die Kosten um 3 bis 8 Milliarden Euro erhöhen. Andererseits: Nach vielerorts langer Blockade nimmt der Netzausbau mit Erdkabeln nun langsam Tempo auf. Tennet, 50Hertz und der Südwest-Betreiber TransnetBW stellten in der vergangenen Woche Vorschläge für etwa 1000 Meter breite Kabel-Korridore vom Norden in den Süden vor. Dabei geht es um die beiden anderen nationalen Trassen SuedLink und SuedOstLink. Die Bundesnetzagentur will die Vorschläge ab dem Frühjahr 2017 prüfen. Für die Verbindung von Emden bis Philippsburg plant Amprion bis Mitte 2017 Trassenvorschläge.

    Kommentar: Eine "unsichtbare" Energiewende kann es nicht gebenAngst um die Gesundheit: Ultranet ist in Rheinland-Pfalz umstritten
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