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    Berlin/Rheinland-PfalzNachruf von Beck: Bei Kohl durfte ich nicht vorn sitzen

    Helmut Kohl hat in seiner Zeit als Bundeskanzler so viel Häme und Spott erfahren wie kaum ein anderer Spitzenpolitiker der Nachkriegsgeschichte. Zu seinem Tod erfährt er von den meisten Weggefährten und sogar von politischen Gegnern nun eine breite Würdigung. Doch auch jetzt gibt es Entgleisungen.

    Kurt Beck
    Kurt Beck (SPD).
    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/Archiv - dpa

    Die linke Tageszeitung „taz“ aus Berlin zeigte auf ihrer Titelseite der Samstagsausgabe einen mehr als zweifelhaften Humor. Über einem Foto mit einem Blumenmeer aus Trauerkränzen prangte die Überschrift „Blühende Landschaften“ – in Anlehnung an Kohls Versprechen an die Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung. Außerdem war eine „Birne“ über dem Trauerflor zu sehen, wie Kohl früher meist despektierlich genannt wurde. Die Antwort in den sozialen Medien folgte prompt. Die Aufmachung wurde von Politikern wie politischen Beobachtern überwiegend als „geschmacklos“ empfunden. Die „taz“, die ihre bisweilen provokanten Titelseiten als eines ihrer Markenzeichen ansieht, ruderte diesmal zurück. Chefredakteur Georg Löwisch bezeichnete die Titelseite als „missglückt“ und entschuldigte sich. „Ein Witz, der von so vielen falsch verstanden wird, ist schlecht. Unsere Seite eins, die von uns durchaus als kritische Würdigung des Altkanzlers gemeint war, ist anders angekommen: als Respektlosigkeit gegenüber dem Tod eines Menschen“, so Löwisch weiter.

    Auch der Nachruf des früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) wurde im Internet von vielen als unangemessen wahrgenommen. Schon der Anfang seines eine Seite langen Schreibens gerät zu einem zwiespältigen Lob. Nur wenige Menschen hätten „so konsequent ihre Karriere geplant, vorangetrieben und erkämpft wie Helmut Kohl“. Immerhin attestiert Beck seinem Kollegen von der Union, „aus Anlass des Zerfalls des Warschauer Paktes und der Freiheitsbewegung geschickt agiert und zugepackt zu haben“. Was dann folgt, sind eher seltsam kleinlich anmutende Betrachtungen des früheren Landesvaters. Beck schreibt: „Da war aber auch der politische Kämpfer in die eigene Partei hinein und der erbitterte Gegner der ,Sozen', wie er zu sagen pflegte.“ Seine Feindschaft gegenüber der SPD sei so weit gegangen, „dass er Rudolf Scharping und mir nie ,verziehen' hat, dass wir, die ,Sozen', in dem von ihm stark geprägten Rheinland-Pfalz in ,seiner Staatskanzlei' regierten und mit Malu Dreyer weiterregieren“. Dann ist sich Beck nicht zu schade, Kohl „geradezu kindische Eingriffe in protokollarische Abläufe“ bei Auslandsbesuchen vorzuwerfen. Bei einem Besuch des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton habe Kohl darauf eingewirkt, dass er, der damalige Ministerpräsident Kurt Beck, nicht in der ersten Reihe in der Mitte sitzen durfte, sondern am Rand Platz nehmen musste. Auch eine „heftige Auseinandersetzung“ bei einer Bund-Länder-Besprechung wegen kritischer Äußerungen Becks zu seiner Politik dokumentiert Beck in seinem Schreiben. Im Zusammenhang mit der Parteispendenaffäre wirft er Kohl eine „gewisse Gleichsetzung des Staatsinteresses mit dem Erfolg der CDU“ vor. Und fügt an: „In Teilen der Jungen Union habe ich diese Saat oft wiedererkannt.“

    In der Pressestelle der rheinland-pfälzischen SPD stellt man auf Nachfrage unserer Zeitung klar, dass es sich bei dem Schreiben „explizit“ um einen persönlichen Nachruf von Kurt Beck handelt. Publizist Hugo Müller-Vogg schrieb auf Twitter: „Bin von Kurt Beck sehr enttäuscht. Es heißt doch Nachruf – nicht Nachtritt.“ Auch aus der rheinland-pfälzischen CDU kamen empörte Reaktionen.

    Von unserer Berliner Korrespondentin Rena Lehmann
     

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