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    Kommentar: Es wird Zeit für den kritischen britischen Blick

    Die Entscheidung gegen den Verbleib in der EU markiert einen historischen, aber wohl keinen guten Tag in der britischen Geschichte. So groß der Jubel vieler über den Brexit ist, so massiv ist die Spaltung der Gesellschaft. 

    Volker Boch.
    Volker Boch.
    Foto: Jens Weber

    Volker Boch zur Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten

    Die Folgen der Abstimmung sind für Großbritannien weder emotional noch strukturell auszumachen. Mancher Frust der "Leave"-Befürworter lässt sich nachvollziehen, denn viele Europäer haben ihre Probleme mit den Weichenstellungen der EU. Anlässe für Verstimmungen gibt es jeden Tag, von Gurkenverordnungen bis hin zu Größe und Kosten des gesamten Apparats. In den Gesprächen mit Londoner Bürgern sind auch bei den Anhängern des Verbleibs in der Staatengemeinschaft immer wieder kritische Töne gegenüber der EU angeklungen, die berechtigt sind. Aber es lässt sich eben auch in Großbritannien nicht alles, was hakt und klemmt, mit der Unfähigkeit der EU erklären. Dass insbesondere im britischen Gesundheitssystem etwas nicht stimmt und die medizinische Versorgung immer mehr zu einem gefühlten Drama wird, hat weniger etwas mit Brüssel als mit Missständen in der nationalen Struktur zu tun.

    Auch hat nicht die EU den Wildwuchs im Finanzsektor auf den Weg gebracht, sondern auf London bezogen die britische Politik selbst, indem entscheidende Regeln des Marktes gelockert wurden. Der Blick nach dem Votum muss in Großbritannien vor allem nach innen gehen. Die größte Herausforderung wird sein, die eigenen Fehler zu erkennen und zukunftstragende Strukturen aufzubauen. Die Menschen, die jetzt für "Leave" gestimmt haben, könnten sonst schnell den Glauben an die nationale Stärke verlieren. Denn die Ausrede EU liegt nun auf dem Grund der Themse.

    E-Mail: volker.boch@rhein-zeitung.net

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