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  • Josef Zolk im Interview: Genossenschaft – eine überzeugende Idee

    Flammersfeld/Addis Abeba. Mehr als vier Jahre hat Josef Zolk, der frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flammersfeld (Kreis Altenkirchen), dafür gekämpft, dass die Unesco die Genossenschaftsidee in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufnimmt. Entsprechend glücklich ist Zolk, dass sein Bemühen nun von Erfolg gekrönt wurde.

    Josef Zolk, hier am Genossenschaftssymbol im Garten neben dem Flammersfelder Raiffeisenhaus, ist froh über die Unesco-Entscheidung.
    Josef Zolk, hier am Genossenschaftssymbol im Garten neben dem Flammersfelder Raiffeisenhaus, ist froh über die Unesco-Entscheidung.
    Foto: dpa

    Unsere Zeitung hat mit ihm während der Unesco-Tagung in Addis Abeba (Äthiopien) sprechen können:

    Sie haben die Anträge an die Unesco mit formuliert und in den vergangenen Jahren viel Überzeugungsarbeit geleistet. Mit welchem Gefühl sind Sie gerade in Addis Abeba?

    Mit einem großen Gefühl der Dankbarkeit. Die Arbeit hat sich gelohnt. Das Thema ist weltweit interessant, und wir sind ausgesprochen froh, dass wir den Antrag gestellt haben. Wir waren dann auf der deutschen Liste Nummer eins, und unser Antrag wurde als erster deutscher Vorschlag für die internationale Liste eingereicht. Dass das Ganze im Westerwald durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen groß geworden ist und in Sachsen durch Hermann Schulze-Delitzsch ist wunderbar. Dass ich persönlich zu dem Erfolg beitragen konnte, ist einfach schön.

    Es war nicht ganz einfach, der Kommission mit Vertretern aus 24 Ländern die Genossenschaftsidee begreiflich zu machen. Warum war das so schwierig?

    Weil man zum einen die Begriffe Genosse, Genossenschaften und Genossenschaftler nicht so einfach verstanden hat. Zum anderen wollte man genau wissen, wie nun die Beteiligung der Mitglieder in den Mitgliedsorganisationen gewesen ist. Da ist es für einen Verband mit 20 Millionen Mitgliedern natürlich schwierig zu beweisen, dass es sich um eine Bottom-up-Diskussion, also von unten nach oben, gehandelt hat.

    Wer hat am Ende die entscheidende Überzeugungsarbeit geleistet?

    Das war in der entscheidenden Sitzung am Mittwochabend der deutsche Botschafter bei der Unesco, Stefan Krawielicki. Er hat die Fragen der Mitglieder des Unesco-Gremiums grandios beantwortet. Da haben Vertreter aus 24 Nationen gesessen und 45 Minuten über unsere Bewerbung diskutiert und dann entschieden.

    Hat es sich um eine einstimmige Entscheidung gehandelt?

    Bei diesen Sitzungen gilt das Einstimmigkeitsprinzip. Wenn es auch nur eine Gegenstimme gegeben hätte, wäre die Genossenschaftsidee nicht aufgenommen worden.

    Die Genossenschaftsidee ist eine sehr alte. Was macht sie heute noch so aktuell?

    Es ist das Demokratische, Partizipatorische und das Kreative, was die Genossenschaften immer ausgezeichnet hat. Wenn ich daran denke, dass wir in Deutschland ständig neue Gründungen von Genossenschaften haben, etwa in den Bereichen Bildung, Soziales oder Kultur, zeigt sich, wie aktuell die Idee ist. Hier in Äthiopien haben wir gesehen, dass es 24 Kaffeegenossenschaften gibt, die an der Großindustrie vorbei den Kaffee anbauen, sodass die Menschen, die das betreiben, auch etwas davon haben. Die Bewegung ist also nicht nur in Deutschland da, sondern weltweit. Das zeigt, dass Raiffeisen und Schulze-Delitzsch die richtigen Fragen richtig beantwortet haben.

    Was bedeutet die Auszeichnung durch die Unesco für das Raiffeisenjahr 2018?

    Es ist ein emotionaler Schub. Ich spüre das auch an den Reaktionen noch am Mittwoch und in der Nacht. Genossenschaften zeigen, dass sie modern sind.

    Was hat Raiffeisen uns heute noch zu sagen?

    Raiffeisen hat immer noch zu sagen: Entdecke, was in dir steckt. Das ist die Kernbotschaft. Oder: Einer für alle, alle für einen. Resigniere nicht, schließ dich mit anderen zusammen, bleib nicht allein. Mach die Dinge mit anderen zusammen und sei fleißig.

    Für Sie ist es also ein glücklicher Tag, den Sie erleben?

    In der Tat. Am Samstag fliegen wir zurück und freuen uns riesig. In den vier Jahren hat es auch den einen oder anderen Rückschlag gegeben sowie einige Nachfragen. Es war eine ganze Menge Arbeit. Aber es ist schön, so etwas zu erleben, und dass ich mit meinen bald 70 Jahren dabei sein darf, ist wirklich schön.

    Das Gespräch führte Marcelo Peerenboom

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