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  • Die beschleunigte Energiewende: 2022 soll letzter Atommeiler vom Netz gehen

    Berlin. In Deutschland ist nach der nuklearen Katastrophe von Fukushima das politische Umdenken beschleunigt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnet die Ereignisse in Japan als "Einschnitt für die Welt". Sie lässt sieben der ältesten Atomkraftwerke in Deutschland sofort vom Netz gehen. Zunächst nur für drei Monate.

    Das Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern soll spätestens 2021 abgeschaltet werden. Foto: dpa
    Das Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern soll spätestens 2021 abgeschaltet werden.
    Foto: dpa

    Wenig später verkündet sie die Aussetzung der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Mit dem Ende des Atom-Moratoriums vollzieht die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung endgültig die Kehrtwende in der Energiepolitik. Acht der 17 deutschen Kernkraftwerke werden nie wieder ans Netz gehen. Die übrigen nach 1980 gebauten AKWs sollen bis 2021 abgeschaltet werden. Die drei besten Meiler Lingen (Niedersachsen/RWE/EON), Neckarwestheim II (Baden-Württemberg/EnBW) und Isar II (Bayern/EON) sollen aber bei Bedarf noch bis zum 31. Dezember 2022 Strom produzieren dürfen. Sie sind eine Art Sicherheitspuffer, falls es mit der Energiewende nicht schnell genug vorangeht.

    Jetzt haben die größten deutschen Energiekonzerne RWE und EON ihre Jahreszahlen vorgelegt - mit einem klaren Ergebnis: Konventionell erzeugter Strom wird immer unrentabler. Aber die stärker sprudelnden Gewinne aus Wind- und Sonnenenergie sowie Netzen und intelligenten Steuerungsanlagen können das noch längst nicht auffangen. Und die Finanzierung des Atomrückbaus schwebt wie ein Damoklesschwert über der Branche, auch wenn sie betont, dass die Milliardenrückstellungen ausreichen.

    Die Geschäftsmodelle der alten Energieriesen sind erodiert. Jahrzehntelang lebten sie bestens davon, das gesamte Stromgeschäft von der Erzeugung über die Verteilnetze und den Handel bis zum Vertrieb zu kontrollieren. Das warf Milliardengewinne ab, und insbesondere die Großkraftwerke waren wahre Gelddruckmaschinen. Doch nun sind sie zu Sorgenkindern geworden. Der vorrangig in die Netze eingespeiste Ökostrom verdrängt zunehmend den klassisch erzeugten Strom. Sein Anteil liegt bereits bei einem Drittel.

    Die Konzerne sind zur Wende verdammt. RWE und EON spalten sich auf und konzentrieren sich mit dem Großteil ihrer Kraft auf die neue Energie. Die Börsengänge von Uniper (EON) und der RWE-Zukunftsgesellschaft sollen dabei auch neues Geld und Investitionskraft bringen. Vattenfall hat sein komplettes deutsches Braunkohlegeschäft zum Verkauf gestellt, und EnBW treibt den Ausbau der erneuerbaren Energien voran - ein schmerzhafter Umbauprozess.

    Bei den Verbrauchern kommt von alledem vorerst nichts an. Sie leiden unter steigenden Ökostromumlagen und Netzentgelten wegen des nötigen Stromnetzausbaus. Auf der Stromrechnung stehen inzwischen fast 30 Cent pro Kilowattstunde für den Privathaushalt, 2011 waren es noch um die 25 Cent - ohne dass der CO2-Ausstoß in Deutschland spürbar sank.

    Im übrigen werfen die Konzerne dem Staat vor, sie mit dem politisch durchgepeitschten Abschalten der Atommeiler enteignet zu haben. Und zwar ohne Entschädigung. EON, RWE und Vattenfall klagen deshalb vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. In mündlicher Verhandlung werden am 15. und 16. März ihre Verfassungsbeschwerden gegen das Atomausstiegsgesetz von 2011 beraten. Sollten die Karlsruher Richter zu dem Schluss kommen, dass die Unternehmen damals in ihren Grundrechten verletzt wurden, könnten diese in der Folge Milliarden-Schadensersatz erstreiten.

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