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    Berlin/BrüsselAuf einen Blick: So haben die Europäer gewählt

    28 Länder, 751 Abgeordnetensitze im Europaparlament und rund 400 Millionen Wahlberechtigte: Bei den Europawahlen ist es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Wer hat wo zugelegt, wer hat verloren? Ein Überblick:

    Foto: dpa

    Belgien (21 Sitze): Die Neu-Flämische Allianz der Nationalisten im Norden Belgiens erzielt die stärksten Gewinne und erreicht 16,5 Prozent. Es folgen die Liberalen und die flämischen Christdemokraten. Bei den französischsprachigen Abgeordneten liegen die Sozialisten und die frankophonen Liberalen vorn. Mit 90 Prozent war die Wahlbeteiligung neben Luxemburg die höchste EU-weit - in beiden Ländern herrscht aber Wahlpflicht.

    Bulgarien (17): Die oppositionelle bürgerliche Gerb gewinnt mit klarem Vorsprung vor den regierenden Sozialisten (PES). Gerb erhält gut 30 Prozent der Stimmen, die PES von Sergej Stanischew nur 19 Prozent. Gerb-Chef Boiko Borissow fordert den "umgehenden Rücktritt" der Regierung, obwohl der kleinere Koalitionspartner, die Türkenpartei DPS, mit 17 Prozent gut abschneidet.

    Dänemark (13): Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei ist stärkste Kraft. 26,6 Prozent stimmen für die Rechtspopulisten, die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt landen bei 19,1 Prozent.

    Deutschland (96): Trotz Einbußen der CSU bestätigt die Union ihre Vorrangstellung. Die SPD legt deutlich zu. Die Alternative für Deutschland (AfD) erringt sieben Sitze im EU-Parlament.

    Estland (6): In Estland erringt die regierende wirtschaftsliberale Reformpartei zwei Mandate, ihr sozialdemokratischer Koalitionspartner erhält einen Sitz. Die beiden Oppositionsparteien schicken je einen Parlamentarier nach Straßburg, ein weiterer der sechs Sitze geht an einen unabhängigen Kandidaten.

    Finnland (13): Die rechtspopulistische Partei Wahre Finnen liegt laut vorläufigem Endergebnis bei fast 13 Prozent der Stimmen und käme damit auf zwei Sitze im neuen EU-Parlament. Stärkste Kraft wird mit 22,6 Prozent die zu den europäischen Konservativen gehörende Nationale Koalitionspartei, auf Rang zwei kommt die Zentrumspartei mit 19,7 Prozent.

    Frankreich (74): Der rechtsextreme Front National kommt auf 24,9 Prozent (2009: 6,3) und liegt damit erstmals bei einer nationalen Wahl vorn. Die konservative UMP wird mit 20,8 Prozent zweitstärkste Kraft (2009: 27,9). Abgeschlagen landen die regierenden Sozialisten bei 14 Prozent (2009: 16,5).

    Griechenland (21): Die oppositionellen radikalen Linken (Syriza) um den europaweiten Linken-Spitzenkandidaten Alexis Tsipras sind mit 26,6 Prozent stärkste Kraft im Euro-Krisenland. Tsipras fordert deshalb vorgezogene Parlamentswahlen. Mit 22,7 Prozent landet die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia auf Platz zwei. Die rechtsradikal-rassistische Goldene Morgenröte erreicht 9,4 Prozent - obwohl die gesamte Führung der Partei in Untersuchungshaft sitzt.

    Großbritannien (73): Deutlicher Erfolg und rund 27,5 Prozent für die rechtspopulistische Ukip. Die Partei schickt 24 Abgeordnete nach Straßburg, elf mehr als bisher. Parteichef Nigel Farage bezeichnet den Wahlausgang als "außergewöhnlichstes Ergebnis seit 100 Jahren". Einbußen müssen die Konservativen von Premierminister David Cameron hinnehmen.

    Italien (73): Die Demokratische Partei (PD) von Regierungschef Matteo Renzi hat die erste Bewährungsprobe nach dem Machtantritt bestanden. Sie steht bei 40,8 Prozent. Dahinter folgt die populistische Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) des Komikers Beppe Grillo mit gut 21 Prozent. Platz drei und 16,8 Prozent gibt es für die konservative Forza Italia (FI) von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi. Die rechtspopulistische Lega Nord legte zu und dürfte mit gut 6 Prozent auf fünf Sitze kommen.

    Irland (11): Die irischen Wähler strafen ihre Regierung ab. Die konservative Fine-Gael-Partei von Premier Enda Kenny kommt nur auf 22 Prozent, die mitregierenden Sozialdemokraten erzielen nur 6 Prozent. 17 Prozent stimmen für die linksgerichtete Sinn-Fein-Partei um Ex-IRA-Mann Gerry Adams.

    Kroatien (11): Die oppositionellen Konservativen (HDZ) siegen bei der ersten Europawahl in Kroatien klar. Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission erreichen sie 41,4 Prozent der Stimmen. Die regierenden Sozialdemokraten kommen auf etwa 30 Prozent. Auch die Grünen werden im EU-Parlament mit einem Abgeordneten vertreten sein.

    Lettland (8): Großer Gewinner in Lettland ist der EU-freundliche Einheitsblock von Regierungschefin Laimdota Straujuma mit vier der acht lettischen Sitze. Mit der Russischen Union Lettlands gewinnt auch eine prorussische Partei ein Mandat im EU-Parlament. Je ein Sitz geht an das Harmoniezentrum und die beiden anderen Mitte-rechts-Regierungsparteien.

    Litauen (11): Die oppositionellen Christdemokraten liegen knapp vor den regierenden Sozialdemokraten. Drittstärkste Kraft wurden die Liberalen vor den drei anderen Koalitionsparteien. Auch dem Bauern- und Grünenbund gelang der Sprung über die 5-Prozent-Hürde.

    Luxemburg (6): Die drei Regierungsparteien verlieren Stimmen. Die oppositionelle Christlich-Soziale Volkspartei (CSV) des einstigen Regierungschefs Jean-Claude Juncker verbucht dagegen einen Stimmenzugewinn von 6,3 Punkten. Sie kommt auf 37,7 Prozent und stellt damit drei der sechs EU-Abgeordneten.

    Malta (6): Die Labour-Partei von Regierungschef Joseph Muscat liegt in Malta deutlich vorn. Die Partei kommt auf mehr als die Hälfte der Stimmen. Für die größte oppositionelle Partei, die konservative Nationalistische Partei, stimmen rund 40 Prozent.

    Niederlande (26): Die Anti-Europa-Partei des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders kann trotz Verlusten vier Abgeordnete nach Straßburg schicken. Etwas stärker schneiden die europafreundlichen Christdemokraten und die linksliberale Partei D66 ab. Für die rechtsliberalen und sozialdemokratischen Regierungsparteien gibt es je drei Sitze.

    Österreich (18): Das politische Erdbeben bleibt in Österreich aus. Die konservative ÖVP bleibt laut vorläufigem Endergebnis stärkste Kraft. Zweitstärkste Partei hinter den Konservativen wird demnach die sozialdemokratische SPÖ. Die rechte FPÖ legt mit etwa 20,5 Prozent deutlich zu. Auch die Grünen gewinnen deutlich hinzu.

    Polen (51): Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der nationalkonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" und der liberalen Bürgerplattform von Regierungschef Donald Tusk. Beide liegen über 30 Prozent. Als Folge des Scheiterns des Linksbündnisses "Europa Plus" an der 5-Prozent-Hürde erklärt Ex-Präsident Aleksander Kwasniewski seinen Rückzug aus der aktiven Politik.

    Portugal (21): Eine Woche nach dem Verlassen des EU-Rettungsschirms verpassen Portugals Wähler der konservativen Regierung einen Denkzettel. Die "Allianz Portugal" der Koalitionspartner PSD und CDS/PP liegt mit heftigen Verlusten und 27,7 Prozent der Stimmen auf Rang zwei hinter der Sozialistischen Partei, die laut vorläufigen amtlichen Ergebnissen auf 31,45 Prozent kommt.

    Rumänien (32): Rumäniens regierende Sozialisten (PSD) haben die Wahl haushoch gewonnen. Nach Angaben des zentralen Wahlbüros kommt die Partei des Ministerpräsidenten Victor Ponta auf 37,4 Prozent der Wählerstimmen. Zweitstärkste Kraft ist die oppositionelle Nationalliberale Partei (PNL) mit rund 14,9 Prozent.

    Schweden (20): Vier Monate vor der Parlamentswahl verpassen die Schweden ihrer Regierung einen kräftigen Dämpfer. Einer Hochrechnung zufolge erreicht die konservative "Moderate Sammlungspartei" von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt nur 13,6 Prozent der Stimmen. Sie liegt hinter den Sozialdemokraten (24,4 Prozent) und den Grünen (15,3 Prozent). Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten erreichen 9,7 Prozent und bekommen erstmals Parlamentssitze in Straßburg.

    Slowakei (13): Neuer Negativrekord für die Slowakei - nur 13 Prozent der Stimmberechtigten gehen laut offiziellem Ergebnis wählen. Die sozialdemokratische Regierungspartei siegt und bekommt vier Sitze im EU-Parlament, die restlichen neun verteilen sich auf sieben Splitterparteien. Die rechtspopulistische Slowakische Nationalpartei (SNS) verfehlt den Einzug ins EU-Parlament deutlich.

    Slowenien (8): Wie erwartet siegt in Slowenien die oppositionelle SDS-Partei. Bei miserabler Wahlbeteiligung von 21 Prozent stimmt etwa jeder vierte Wähler laut Hochrechnung für die SDS, was drei Sitze in Straßburg bedeutet. Eine konservative Liste erzielt zwei Mandate, je einen Abgeordneten stellen die Rentnerpartei, eine Bürgerplattform und die regierenden Sozialdemokraten.

    Spanien (54): Die großen Parteien werden ordentlich abgestraft. Die regierende konservative Volkspartei (PP) und die stärkste Oppositionskraft, die Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE), erleiden herbe Verluste. PP bleibt mit rund 26 Prozent dennoch stärkste Kraft. Von den Verlusten der Großparteien profitieren linksgerichtete Bündnisse und regionale Parteien.

    Tschechien (21): Die Wahlbeteiligung ist in Tschechien gering, nur vier Monate nach seinem Amtsantritt erleidet Ministerpräsident Bohuslav Sobotka eine Wahlschlappe. Seine sozialdemokratische CSSD verliert laut tschechischem Statistikamt drei der bisherigen sieben Parlamentssitze. Stärkste Kraft wird der Koalitionspartner ANO des Großunternehmers Andrej Babis mit 16,1 Prozent.

    Ungarn (21): Die regierende rechtskonservative Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orban gewinnt laut der ungarischen Wahlkommission haushoch mit 51,5 Prozent der Stimmen. Erstmals überholt die offen rassistische und antisemitische Oppositionspartei Jobbik (Die Besseren) die Sozialistische Partei (MSZP) bei einer Wahl. Jobbik kommt auf 14,7 Prozent der Stimmen, MSZP auf 10,9 Prozent.

    Zypern (6): Klarer Sieg für die proeuropäische konservative Partei Demokratische Gesamtbewegung (Disy). Sie kommt auf knapp 38 Prozent. Zweitstärkste Kraft wird die Linkspartei Akel mit rund 27 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag trotz Wahlpflicht nur bei 44 Prozent.

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