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  • Angst um die Gesundheit: Ultranet ist in Rheinland-Pfalz umstritten

    Rheinland-Pfalz. Das Großprojekt Energiewende macht auch vor der Region nicht halt. Denn um den aus Windenergie erzeugten Strom ohne große Verluste transportieren zu können, müssen Stromtrassen umgerüstet oder sogar neu gebaut werden. Ein Teil der Trasse, die Amprion von Emden in Niedersachsen nach Philippsburg in Baden-Württemberg plant, führt auch durch Rheinland-Pfalz. Die Leitungen sollen dort nicht unterirdisch verlegt werden. Amprion hat vor, bestehende Überlandleitungen aufzurüsten, sodass dort Wechsel- und Gleichstrom laufen können. Das sogenannte Ultranet soll das möglich machen.

    Gigantische Trassen sollen den Strom aus dem Norden Deutschlands in den Süden transportieren.
    Gigantische Trassen sollen den Strom aus dem Norden Deutschlands in den Süden transportieren.
    Foto: dpa

    Von unseren Reportern

    Während das Thema im Rhein-Lahn-Kreis bisher noch nicht angekommen ist - dort wären die Gemeinden Diez und Hahnstätten betroffen - regt sich andernorts Widerstand. Zum Beispiel im Kreis Mayen-Koblenz. In Urbar hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, denn die überirdische Stromtrasse führt dort teils nur wenige Meter an den Häusern vorbei. Anwohner befürchten gesundheitliche Folgen wie ein erhöhtes Krebsrisiko. Sie sehen sich als "Versuchskaninchen" einer in ihren Augen noch nicht erprobten Technologie. Ihre Forderung: eine andere Trassenführung oder eine Gesetzesänderung, sodass eine Erdkabelverlegung möglich wird, wenn ein 400-Meter-Abstand von Leitungen zur Bebauung nicht eingehalten wird.

    Auch im Westerwald stoßen die Pläne auf Widerspruch. In Eitelborn und Hübingen haben sich Bürgerinitiativen gegründet. Ihre Forderung: Der Gleichstrom sollte entweder über eine alternative Trasse im Hunsrück geführt werden, oder die Leitungen sollten in die Erde gelegt werden. Das Mindeste sei jedoch, die bestehenden Masten so zu versetzen, dass ein Mindestabstand von 400 Metern zur Wohnbebauung eingehalten wird. Dieser ist aktuell nicht gegeben: In Eitelborn und Hübingen liegen 70 Prozent der Häuser weniger als 400 Meter von der Leitung entfernt. In Simmern führt sie teilweise durch den Ort. Ein Tierpark und eine Grundschule befinden sich ebenfalls in der Nähe der Stromleitung. Bei einer Informationsveranstaltung im August wurden die Kritiker aufgefordert, ihre Bedenken und Alternativvorschläge im Rahmen der Offenlage im Frühjahr 2017 einzubringen. Davon wollen die Westerwälder Bürgerinitiativen Gebrauch machen.

    Dass dies unter Umständen sogar in eine Klage münden kann, zeigt ein Beispiel aus dem Kreis Altenkirchen. Dort geht es zwar nicht um das Ultranet. Zwischen Kruckel (bei Dortmund) und Betzdorf-Dauersberg soll aber eine 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung entstehen. Sie ist sowohl auf nordrhein-westfälischer als auch auf rheinland-pfälzischer Seite planfestgestellt und genehmigt. Die Ortsgemeinden Brachbach und Mudersbach gehen aber gegen diese Genehmigung vor und haben Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht. Auch dort geht es vor allem um den Abstand der Strommasten zur Wohnbebauung. Wie Amprion mitteilt, haben sowohl die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord als auch Amprion selbst inzwischen ihre Stellungnahmen abgegeben. Amprion hat nun noch ein Lärmimmissionsgutachten angekündigt, wie der Mudersbacher Ortsbürgermeister Maik Köhler aktuell berichtet. Einen Termin zur mündlichen Verhandlung in Leipzig gibt es noch nicht. Bis zu einer Entscheidung will Amprion das Verfahren ruhen lassen.

    Kommentar: Eine "unsichtbare" Energiewende kann es nicht gebenNeue Trasse führt auch durch Rheinland-Pfalz: Woher kommt der Strom der Zukunft?
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