Ring-Drama Teil V: Finanzierer war eine Briefkastenfirma
Nürburgring/Usingen - Die Nürburgring-Affäre zwang Finanzminister Ingolf Deubel zum Rücktritt. Doch die Pinebeck-Firmen, ein Dreh- und Angelpunkt der Affäre, existieren bis heute. Der gescheiterte Finanzdienstleister: Teil 5 unserer Serie DAS RING-DRAMA.
Er hatte nie eine eigene Telefonnummer, nie eine eigene Anschrift, nie ein eigenes Büro. Der Finanzdienstleister Pinebeck, der 200 Millionen Euro am legendären Nürburgring investieren wollte, war eine reine Briefkastengesellschaft. Und seine Geschäftsführer hatten nichts vorzuweisen - keine Erfolge, keine Expertise, kein Geld. Trotzdem wollte der frühere rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (60) ausgerechnet sie zum großen Finanzdienstleister in der Eifel machen. Wa-rum? Darüber rätseln Politiker und Steuerzahler bis heute. Zumal die Staatsanwaltschaft gegen die Pinebeck-Chefs seit Monaten wegen Provisionsbetrug ermittelt.
Rückblick: Seit 2007 baut die Nürburgring GmbH, die zu 90 Prozent dem Land gehört, am Ring ein Freizeit- und Geschäftszentrum. Das Projekt "Nürburgring 2009" kostet inzwischen rund 330 Millionen Euro. Im schlimmsten Fall macht es in den nächsten zehn Jahren 250 Millionen Euro Verlust.
Pinebeck wollte zuletzt einen Teil der neuen Immobilien für 200 Millionen Euro kaufen: die Haupttribüne, eine Sportarena, eine überdachte Flaniermeile, ein Erlebnismuseum sowie eine bis heute nicht funktionierende Achterbahn. Der Finanzdienstleister wollte die Immobilien so günstig an die Nürburgring GmbH zurückvermieten, dass sie im Vergleich zu einem Bankkredit bis zu 50 Millionen Euro spart. Doch er kann die Millionensumme nicht auftreiben. Im Juli 2009 scheitert das Geschäft spektakulär. Ministerpräsident Kurt Beck erlebt seither die schwerste Krise seiner fast 16-jährigen Amtszeit.
Der gescheiterte Finanzminister Deubel musste zurücktreten. Der gescheiterte Finanzdienstleister Pinebeck aber ist bis heute aktiv. Während seiner Geschäfte mit der Nürburgring GmbH hatte er seinen Sitz im hessischen Taunus-Städtchen Usingen: 13 000 Einwohner, schmucke Fachwerkhäuser, buckelige Straßen. Mitte März 2010 verlegte er seinen Sitz nach Ost-Berlin, Bezirk Treptow-Köpenick .









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