Interview: Manche Konflikte fallen durch das Raster der Redaktionen
Mit seiner „Initiative Nachrichtenaufklärung“ stellt Professor Horst Pöttker jedes Jahr die Top Ten der vergessenen Themen auf. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt er, warum auch viele Kriege darunter sind.
Über wie viel Prozent der weltweiten Kriege wird in Deutschland berichtet?
Das kann man nicht genau festlegen, aber zum Beispiel die zahlreichen Bürgerkriege in Afrika und Südamerika werden kaum bis gar nicht thematisiert.
Woran liegt das?
Diese Konflikte sind wenig ereignisreich. Sie ziehen sich über Jahre, oft Jahrzehnte hin, ohne dass es große Ereignisse gibt, über die man berichten kann. Die Kämpfe in der Westsahara wären dafür ein gutes Beispiel.
Warum bedarf es dieser Ereignisse?
Journalismus ist am Besonderen, am Herausragenden interessiert, deshalb fallen diese schwelenden Konflikte durch das Raster der Nachrichtenwertfaktoren.
Welche sind das?
Zunächst muss der Konflikt nah an der Medienlandschaft dran sein – sowohl geografisch wie auch kulturell. So ist zum Beispiel der 11. September 2001 – wenn man ihn als Ausgangspunkt für einen Konflikt sehen will – zwar nicht räumlich nah an uns dran, wohl aber kulturell, weil die Verbindungen von Deutschland in die USA sehr eng sind. Was hingegen weiter weg ist, bekommt kaum noch Aufmerksamkeit.
Oder wenn es um wirtschaftliche Interessen, also „Geopolitik“ geht?
Sicher. Wären wir keine Exportnation, würden uns die Piraten am Horn von Afrika und in der Straße von Malakka sicher nicht so sehr interessieren.
Ist der Blutzoll ein Kriterium?
Ist es sicher, aber nicht allein. In der Nachrichten-Wissenschaft spricht man generell von „Schaden“, der das Interesse anzieht. Doch nicht jeder blutige Konflikt wird auch automatisch beleuchtet.
Woran liegt das?
Es gibt einen ganz praktischen Grund: Medien haben in den vergangenen Jahren zunehmend Korrespondenten in den verschiedensten Weltteilen eingespart. Die wenigsten haben noch ständige Korrespondenten, zum Beispiel in Afrika. Es wird immer nur jemand geschickt, wenn es „brennt“, wenn wir die angesprochene Ereignishaftigkeit haben. Zum Beispiel beim Kriegsende in Sri Lanka.
Demnach ist die Kriegsberichterstattung in den vergangenen Jahren zurückgegangen?
Krieg und Journalismus verlaufen seit jeher parallel – sie sind wie Zwillingsbrüder. Bereits die ersten Zeitungen im 17. Jahrhundert haben vom Dreißigjährigen Krieg berichtet, weil er alle Faktoren des Interesses vereint.
War die Berichterstattung von Beginn an an die Ereignishaftigkeit gebunden?









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