Integration läuft – aber nicht auf Knopfdruck
Das bestätigt auch ein Mann aus der Praxis: Ralf Marenbach ist seit acht Jahren Schulleiter an der Goethe-Hauptschule im Koblenzer Stadtteil Lützel. Mitten im sozialen Brennpunkt, wie es gern heißt. 340 Schüler aus 30 verschiedenen Nationen, etwa die Hälfte hat einen „Migrationshintergrund", lernen hier gemeinsam. Marenbach beobachtet, dass das Problem der mangelnden Integration und ihren Folgen heute viel stärker wahrgenommen wird. „Sprachförderung wird als Aufgabe erkannt. Vor wenigen Jahren war es noch viel schwieriger, dafür Hilfen zu bekommen." Wer an seiner Schule kein Deutsch kann, nimmt zunächst nicht am Regelunterricht teil, sondern lernt die Sprache – die Basis für alles Weitere.
Auch in der Wissenschaft erkennt man die positiven Entwicklungen an. „Allerdings geht der Fortschritt viel zu langsam voran", sagt Gunilla Fincke, Geschäftsführerin des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration in Berlin. Sie sieht neuerdings viel Aktionismus, der die Versäumnisse der vergangenen 20 bis 30 Jahre aber nicht im Handstreich wettmachen kann. „Wir haben das Problem verschleppt, indem wir Migranten jahrelang signalisiert haben, dass wir sie hier nicht haben wollen." Das Signal sei heute ein anderes. Vor allem für Jüngere sei eine bunt gemischte Gesellschaft inzwischen Normalität.
Dass in Niedersachsen mittlerweile eine türkisch-stämmige Migrantin Ministerin wird und die deutsche Nationalelf zur Hälfte aus Spielern mit ausländischen Wurzeln besteht, sieht sie als gutes Zeichen: „Die deutsche Gesellschaft hat sich geöffnet." Das allein aber reiche nicht, um die sozialen Probleme, die durch schlechte Bildung und Arbeitslosigkeit von Migranten drohen, in den Griff zu bekommen. Sie bräuchten reale Chancen auf Jobs und Karrieren. Und das so schnell wie möglich.









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