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In Ruanda tanzen sogar die Häftlinge

Die eigentlichen Zellen durfte die Delegation nicht besuchen. Hier sollen bis zu 100 Männer in einem größeren Raum übernachten. Die Delegation bekam lediglich den Schlafraum der Mädchen zu sehen. 16 Mädchen teilen sich rund 20 Quadratmeter. Ihre Schlafkojen sind ein großes Etagenbett. Null Privatsphäre. Kleider liegen herum, ein Radio dudelt. Wer allein sein will, hängt ein Tuch auf.

Die Delegation konnte auch die wenigen Werkstätten besichtigen, in denen sich die Häftlinge ein paar ruandische Francs verdienen können. Sie flechten Korbstühle, bauen Möbel, nähen Kleider. Andere Gefangene arbeiten außerhalb des Gefängnisses im Straßenbau und in der Landwirtschaft. Ruanda kann es sich gar nicht leisten, Zehntausende männlicher Arbeitskräfte zu verlieren, nur weil sie hinter Gittern schmoren.

In der Gefängnisstadt gibt es ein kleines, eher schlecht ausgestattetes Gesundheitszentrum und einen sauberen, abgetrennten Raum für die Kleinkinder und ihre Mütter - von der Hilfsorganisation Grünhelme gestiftet. Die Kleinen schreien, als sie die Muzungus, die Weißen, sehen. In ihrer abgeschotteten Welt macht ihnen alles Fremde Angst. Vier Kleinkinder sind zudem HIV-infiziert.

Zur Haftanstalt gehört neben einer Friseurstube auch noch eine Mehrzweckhalle mit Mini-Bibliothek. Dort probt die Knastband, dort treten vermutlich auch die Sänger und Tänzer auf, die die Gäste aus Rheinland-Pfalz so enthusiastisch empfingen. Erschreckend wirkt die Gefängnisküche: Häftlinge rühren in rostigen Kübeln, die auf einem dreckigen Boden in einer offenen Halle stehen. Was darin brodelt, möchte man nicht probieren.

Die Sicherheitsvorkehrungen scheinen mehr als lasch. Der zwei Meter hohe Zaun hat Löcher, die Mauern sind niedrig. Wer aus dem Gefängnis in Gitarama entkommen will, hat es nicht schwer. "Manchmal fliehen Häftlinge", räumt denn auch Gefängnisdirektor Paul Rwarakabije gegenüber unserer Zeitung ein. "Aber meistens werden sie von der Bevölkerung zurückgebracht." Vielleicht auch von den vielen Polizisten und Soldaten.

Manches, was die Verantwortlichen des Gefängnisses erzählen, klingt geschönt. Die Delegation kann beispielsweise beobachten, wie ein Gefangener eine Handvoll Schüler unterrichtet. Ohne Lehrmaterialien, nur mit der Tafel. Der Raum ist karg. Der Ton ist harsch. Erst nachher erfahren die Besucher aus Rheinland-Pfalz: An diesem Tag gibt es normalerweise überhaupt keinen Unterricht.

Von einer Ruanda-Reise berichtete unser Redakteur Dietmar Brück

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