Schrift:

Krause: "Durch die Dachluke zur Deutschen Einheit"

Rostock - Vor 20 Jahren besiegelte der damalige DDR-Staatssekretär Krause mit Bundesinnenminister Schäuble den Einigungsvertrag. Man hätte nicht viel anders machen können, meint er heute. An der Umsetzung des Vertrags hat er allerdings einiges auszusetzen.

Günther Krause ist dieser Tage wieder gefragt. Als Geschäftsmann, wenn er über sein Projekt zur Ölgewinnung aus Biomasse referiert. Gerade ist er von einer Reise ins Ausland zurückgekommen, wo man - wie er feststellt - der Idee weit offener gegenübersteht als zu Hause. In Deutschland weckt ein Jubiläum das Interesse an dem Mann, der als DDR-Staatssekretär vor 20 Jahren Geschichte schrieb.

Am 31. August 1990 unterzeichnete Krause als DDR-Unterhändler in Berlin gemeinsam mit dem damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) den "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands". Ein "Dokument von höchster historischer Tragweite", wie Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) seinerzeit befand.

"Wir haben damals die Dachluke genutzt, um den Besatzungsmächten zu entwischen", erinnert Krause an das turbulente Jahr 1990 und die ersten Anzeichen für den Zerfall der Sowjetunion in ihre Einzelrepubliken. "Wir brauchten die SU als Partner für die 2+4- Verhandlungen. 2+18 hätte alles komplizierter und langwieriger gemacht", erklärt Krause den damaligen Zeitdruck nicht nur aus dem Drang der DDR-Bevölkerung nach einem vereinten Volk. Am 18. September wurde der 2+4-Vertrag zwischen beiden deutschen Staaten und den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges unterzeichnet, mit dem die Einheit auch außenpolitisch sanktioniert war.

"So vieles gibt es nicht, was man hätte anders machen sollen oder können."

Und so kommt Krause nun, mit dem Abstand von 20 Jahre, zu dem Schluss: "So vieles gibt es nicht, was man hätte anders machen sollen oder können." Ziel sei es gewesen, dass am 3. Oktober 1990 eine neue Republik beginnt. Die Ungeduld sei groß gewesen. "80 Prozent der Bevölkerung wollten den Beitritt der DDR schnell, nach Grundgesetz- Artikel 23.

Eine Alternative dazu hat es nie wirklich gegeben", meint Krause, der später unter Kohl Bundesverkehrsminister wurde, 1993 aber infolge der sogenannten Putzfrauen-Affäre und eines Umzugs auf Staatskosten das Amt aufgeben musste. Die Ostsee-Autobahn A 20, geplant und gebaut in der Rekordzeit von 15 Jahren, sieht er als eines seiner wichtigsten Vermächtnisse. "Von solch kurzen Zeiträumen träumt man heute."

40 Prozent des Einigungsvertrages wurden nicht vertragsgerecht verwirklicht

Auch wenn Krause den in sieben Wochen ausgehandelten, mehr als 1000 Seiten langen Einigungsvertrag bis heute verteidigt, so hält er mit Kritik an dessen Umsetzung nicht hinterm Berg. 40 Prozent, schätzt er, wurden nicht vertragsgerecht verwirklicht. Der Niedergang der DDR-Wirtschaft sei dadurch beschleunigt worden, dass es keine Folgeregelung für den Transfer-Rubel gab und somit der Export in die Ostblock-Staaten zusammenbrach.

1 von 2
Weiter
0.0
0,0 (0 Stimmen)

Unwetterwarnungen

Rot und pink markierte Gebiete:

Warnung vor starkem oder extrem starkem Unwetter

Unternehmen der Region: Firmen im Fokus

Unternehmen der Region  
 
Industrie und Handel aus Rheinland-Pfalz im Blick

Umfrage

Hertha BSC ist endgültig abgestiegen, Fortuna Düsseldorf spielt in der 1. Lig. Das Sportgericht hat den Einspruch der Berliner abgewiesen. Hätten Sie das "Chaos-Spiel" wiederholen lassen?

RZ-Blog

Event-Kalender

Sudoku

Sudoku  
Tägliches
Sudoku
in vier
Schwierigkeitsstufen