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RZ-FEATURE: Mitchell - der Fachmann für knifflige Deals

Von unserem USA-Korrespondenten Frank Herrmann

George Mitchell hinter US-Außenministerin Hillary Clinton.
dpa

 

Von George Mitchell stammt der skurrile Satz, dass es sich mit nahöstlichen Friedensgesprächen verhält wie mit dem Malern eines Hauses. Erst wird lange geschliffen und vorgestrichen, es scheint Ewigkeiten zu dauern, dann aber ist die sichtbare Farbschicht schnell aufgetragen.

Verhandlungen, will Mitchell damit sagen, brauchen Zeit. Als Schlichter in Nordirland habe er „siebenhundert Tage des Scheiterns und einen Tag des Erfolgs“ erlebt, spitzt er es zu. Dem Abkommen am Karfreitag 1998, mit dem Katholiken und Protestanten das Kriegsbeil begruben, seien 700 Tage Gezerre vorausgegangen. „Und mindestens ein Dutzend Mal wurde ich gefragt, wann ich das Handtuch werfe, weil es ja doch nichts zu bringen schien.“ Heute gehört es zu Mitchells Job als Nahostvermittler,  solche Geschichten zu erzählen. Er muss Optimismus verbreiten, zur Geduld mahnen, gerade weil der Neustart israelisch-palästinensischer Verhandlungen selten von so viel Skepsis begleitet wurde wie jetzt.   

Die Rolle scheint ihm auf den Leib geschneidert, der 76-Jährige wirkt wie ein Musterbeispiel aus dem Lehrbuch der Diplomatie. Ein Gentleman alter Schule, der das leise Wort pflegt, untypisch für amerikanische Politiker der ersten Reihe, die schnell zum Superlativ neigen. Mitchell stammt aus Maine, einem Küstenstaat im Nordostzipfel der USA, wo man kühle Effizienz höher schätzt als spektakuläre Auftritte. Seine Stärke ist der Kompromiss, das geschickte Anbahnen kniffliger Deals.

Dass der Baseballfan hinter verschlossenen Türen auch angriffslustig sein kann, können Gerry Adams, David Trimble und die anderen nordirischen Streithähne bezeugen. Die lud er einmal zu einem Abendessen ein, bei dem über alles geredet werden durfte, nur nicht über Politik. Irgendwann landete das Gespräch bei Opernarien, und der Amerikaner erklärte mit feiner Ironie, warum er Opern so mag. „Jedes Mal, wenn ich nach Hause komme und ‚La Boheme‘ auflege, weiß ich, dass der Rodolfo die gleichen Worte wie immer singen wird. Das bereitet mich gut auf die nächste Runde hier vor. Denn ich weiß, dass ich mir dann wieder anhören muss, wie ihr Burschen euch ständig wiederholt.“

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