Buchstaben und Dreiecke bilden Synagoge
Die Entscheidung für einen Neubau in Mainz fiel im Jahr 1999: Im Stadtviertel Neustadt sollte eine neue Synagoge an derselben Stelle entstehen, an der sich einst die Hauptsynagoge befand: an der Ecke Hindenburg-/Josefsstraße. Dort erinnern noch vier Säulen an das alte Gotteshaus. Sie wurden bei Erdarbeiten entdeckt und zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht als Mahnmal aufgestellt.
Den ausgeschriebenen Wettbewerb der Stadt für einen Neubau gewann der Kölner Architekt Manuel Herz mit seinem Entwurf „Licht der Diaspora“. „Bahnbrechend“ nannte ihn städtische Vertreter. Für den damals 29 Jahre jungen Architekten war es der erste große Auftrag. Er ist selbst Jude. Er war ein Schüler von Daniel Libeskind, dem Architekten des Jüdischen Museums in Berlin. „Das jüdische Volk hat sich mithilfe von Büchern eine Heimat geschrieben. Die Schrift war also immer der Ersatz für die Heimat“, erklärt Herz. „Das war der Leitgedanke für meinen Entwurf.“ Aus diesem Grund entschied er sich für einen Bau in der Form der fünf Buchstaben des hebräischen Wortes „Kedushah“.
Ein zweites Symbol beherbergt der Ostteil der Synagoge: ein 27 Meter hohes Dach in Form eines Widderhornes. „Das Schofar ist eines der ältesten jüdischen Symbole“, erläutert Herz. Es steht für das gegenseitige göttliche und menschliche Vertrauen, versinnbildlicht in der Opferung eines Widders, den Gott von Abraham anstelle dessen Sohnes Isaak angenommen hat. Heute ruft das Schofar die Gemeinde an wichtigen Feiertagen zusammen.
So wird das Schofar auch am Freitag die jüdische Gemeinde erstmals in ihre neue Synagoge rufen. „Sie soll ein Ort der Begegnung und Kommunikation werden“, wünscht sich die Vorsitzende der Gemeinde. Im neuen Gotteshaus sollen deshalb auch Konzerte und Lesungen stattfinden.
Anja Hübne









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