Schrift:

Buchstaben und Dreiecke bilden Synagoge

Mainz - Bislang haben Juden in Mainz ihre Heimat nur in der Schrift gefunden. Für sie hat der Architekt Manuel Herz nun aus Buchstaben ein neues Gotteshaus erwachsen lassen.

DPA

Die Außenwände der neuen Mainzer Synagoge ragen in alle Himmelsrichtungen. Der moderne Bau besteht mehr aus Dreiecken als aus Quadraten – eine Form, die den Betrachter stutzen lässt. Fünf hebräische Buchstaben haben der neuen Synagoge ihre Silhouette verliehen. Sie bezeichnen das Wort „Kedushah“, das auf Deutsch segnen, heilig oder erhöhen bedeutet.

Vor zwei Jahren, im November 2008, wurde der Grundstein für das neue Gotteshaus des Kölner Architekten Manuel Herz gelegt. Nun ist es soweit: Am kommenden Freitag, den 3. September, will die jüdische Gemeinde in Mainz die Synagoge eröffnen – im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff, dem israelischen Botschafter Yoram Ben Ze’ev und der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat sich angesagt.

Laut dem Zentralrat ist die neue Mainzer Synagoge einer von rund 100 Synagogen-Neubauten in Deutschland nach 1945. 72 Jahre lang haben die Mainzer Juden darauf gewartet. Die alte Hauptsynagoge hatten die Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört. „Seitdem haben wir unseren Gottesdienst in einer Stube abgehalten, die von der Straße aus unsichtbar ist“, erzählt die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler-Siegreich. Jetzt sieht sie einen großen Tag für die rund 1000 Juden in Mainz und Umgebung gekommen. „Denn mit dem Umzug werden wir für alle sichtbar sein“, ergänzt Schindler-Siegreich.

Der Festakt zur Eröffnung beginnt mit einem Gottesdienst in der alten Synagoge. „Dann bringen wir in einer öffentlichen Prozession die Thorarollen unter einem Baldachin feierlich zur neuen Synagoge“, erklärt Schindler-Siegreich. Neben der Politprominenz werden zahlreiche Gäste erwartet. „Wir rechnen damit, dass jeder der 450 Sitzplätze in der neuen Synagoge besetzt ist“, sagt die Vorsitzende. Begleitet von synagogalen Gesängen und Gebeten werden während der feierlichen Einweihungszeremonie das ewige Licht angezündet, der Schlüssel übergeben und die Thorarollen in den Thoraschrank gelegt.

Nichts soll die Freude trüben. Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Worms im vergangenen Mai hat Schindler-Siegreich sich mit dem Landeskriminalamt (LKA) zusammengesetzt und ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet. „Ich hoffe sehr, dass es bei diesem einmaligen Fall in Rheinland-Pfalz bleibt“, kommentiert sie den Anschlag auf das jüdische Gotteshaus in Worms.

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