Bei Anruf Abzocke: Durch Werbefirmen ruiniert
Rheinland-Pfalz - Die Zahlen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sind erschreckend: Immer mehr Menschen in unserem Land gehen onimösen Firmen auf den Leim, werden gnadenlos am Telefon abgezockt. So wie die 80-jährige Maria Wolke (Name geändert), die in zwei Jahren Telefonterror 12 000 Euro an Abzockfirmen überwies.
Ein Beispiel von vielen: Die Rentnerin Maria Wolke war kurz davor, ihr gesamtes Vermögen an zwielichtige Firmen zu verlieren. Nur das beherzte Eingreifen ihres Bruders rettete sie vor der totalen Pleite. Er war durch Zufall auf die Abzocke aufmerksam geworden.
"An Weihnachten sind wir gemeinsam zu unserer Schwester nach Waldbröl gefahren, und da wir länger bleiben wollten, hat sich Maria ihre Post nachschicken lassen", erinnert sich Horst Wolke, Rentner vom Mittelrhein, im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei fiel dem 72-Jährigen ein Schreiben in die Hände. "Infobrief stand darauf. Ich dachte erst, das sei nur Werbung, tatsächlich aber war es die Forderung eines ausländischen Unternehmens über 95 Euro."
500 Euro pro Monat weg
Unwissend, dass sie Verträge eingeht, hatte seine 80 Jahre alte und leicht demente Schwester mehrmals am Telefon ihre Bankdaten durchgegeben. Der Rentner fiel aus allen Wolken, als er einen Blick in alle ihre Unterlagen warf: "34 Firmen haben regelmäßig bei ihr abgebucht. 10 davon mit Sitz im Ausland", schimpft er. Ungefähr 12 000 Euro, schätzt Horst Wolke, hat seine Schwester dadurch in den vergangenen zwei Jahren verloren. Rund 500 Euro wurden Monat für Monat von ihrem Konto abgezogen.
"Das müssen Sie sich einmal vorstellen: Als ich sie im Januar zu Hause besucht habe, klingelte alle zehn Minuten ihr Telefon, und irgendwelche Firmen wollten ihr ein Abo andrehen oder ein Gewinnspiel schmackhaft machen", regt sich Horst Wolke auf. "Alle zehn Minuten! Was für ein Glück, dass mir dieses eine Schreiben in die Hände gefallen ist. Von allein hätte meine Schwester mir nie etwas erzählt und das weiterhin mitgemacht. Sie hat sich viel zu sehr geschämt."
"Das ist sehr oft so", erklärt Monika Stelz von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Viele Fälle werden nur zufällig entdeckt, weil es den Geschädigten - zumeist ältere Menschen - peinlich ist, mit Verwandten oder Bekannten darüber zu sprechen." Es falle ihnen schwer zuzugeben, dass sie "Mist gebaut" und ihre Kontonummer herausgegeben haben. "Und wenn sie dann mit der Sprache herausrücken, ist es meist schon zu spät, und die Betroffenen sehen keinen anderen Ausweg mehr, weil sie alle ihre Rücklagen verloren haben." Das konnte die Verbraucherberaterin im Fall von Maria Wolke noch verhindern. "Wir sind alle Mahnbriefe und Rechnungen durchgegangen und haben für jede der Abzockfirmen ein Kündigungsschreiben aufgesetzt, damit die Abbuchungen aufhören", erinnert sich Horst Wolke. Das bereits von Maria Wolkes Konto eingezogene Geld war zum größten Teil aber verloren. "Nur Überweisungen der vergangenen sechs Wochen konnten wir wieder rückgängig machen. Alles, was vorher abgebucht worden war, war weg."









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