Analyse: Wie am Nürburgring die Risiken unterschätzt wurden
Rheinland-Pfalz - Stefan Winkel schüttelt den Kopf. "Am Nürburgring jagte wohl jeder seinem eigenen Luftschloss hinterher", sagt er. Und zieht zugleich Bilanz nach einem intensiven Studium von Fakten und Prognosen, Grafiken und Schaubildern.
Der diplomierte Volkswirt, in Rheinland-Pfalz als Geschäftsführer des Steuerzahlerbundes bekannt, hat sich mit unserer Zeitung das fast schon legendäre Gutachten von Ernst & Young angesehen.
Die knapp 40 Seiten umfassende Expertise datiert vom 10. September 2010. Monate zuvor diente der Entwurf der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dem Land und der nahezu landeseigenen Nürburgring GmbH als Entscheidungsbasis für die Neuordnung des Rings. Aber auch die künftigen Pächter, der Hotelier Jörg Lindner und der Geschäftsmann Kai Richter, waren über die wesentlichen Eckpunkte informiert, bevor sie den Pachtvertrag am 25. März 2010 unterzeichneten. Das erklärte jedenfalls der frühere Wirtschaftsminister und Verhandlungsführer des Landes, Hendrik Hering (SPD), gegenüber unserer Zeitung. Richters damalige Firmen lieferten zum Teil Daten zu.
Pachthöhe schien sehr ambitioniert
"Dass der Betrieb von Freizeitpark und Rennstrecke ein wirtschaftliches Risiko bedeutete, war aus dem Gutachten von Ernst & Young klar ersichtlich", analysiert Volkswirt Winkel. "Und an eine jährliche Pacht von 15 Millionen Euro zu glauben, war auf jeden Fall ambitioniert", sagt der Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Steuerzahlerbundes weiter.
Die Analyse von Ernst & Young enthält mit Blick auf frühere Planungen und Prognosen eine Fülle kritischer Aussagen. "Die Margen- und Umsatzsteigerungen im Geschäftsbereich Kerngeschäft sind ambitioniert geplant", heißt es. Gemeint sind die Rennsportveranstaltungen. An anderer Stelle ist davon die Rede, dass die Bedeutung der Achterbahn für die Attraktivität des Nürburgrings überschätzt wird. Damals wusste man noch nicht, dass der Ring-Racer bis heute nicht fahren würde.










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