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    Twitter-Chef will stärker auf Video setzen

    Nach gut einem Jahr an der Spitze von Twitter gibt Mitgründer Jack Dorsey den bisher ausführlichsten Einblick in seine Strategie. Er will den Kurznachrichtendienst fest im News-Betrieb etablieren - und sieht Twitter nicht als soziales Netzwerk im üblichen Sinne.

    Jack Dorsey
    Twitter-Chef Jack Dorsey will vermehrt Videos beim Kurznachrichtendienst einbinden. Twitter kämpft derzeit mit Problemen. Die Zahl der Nutzer steckt bei rund 300 Millionen fest und wächst nur langsam.
    Foto: dpa

    San Francisco (dpa) - Twitter-Chef Jack Dorsey will den Kurznachrichtendienst unter anderem mit einem stärkeren Fokus auf Videos zu aktuellen Ereignissen aus der Krise führen.

    «Wir sind wirklich gut darin, Nachrichten schneller als alle anderen zu liefern», sagte Dorsey dem Magazin «Fast Company». Zugleich sei Video etwas, was die Menschen heute erwarteten.

    «Was wäre, wenn wir das in einem Erlebnis vereinen könnten, damit man nicht nach einem Fernseher suchen oder einen Stream finden müsste, sondern einfach Twitter öffnen könnte, es sich dort ansehen und kommentieren», beschrieb Dorsey das Konzept. Letztlich sei es das, was Twitter-Nutzer schon seit rund einem Jahrzehnt machten: «Sie schauen auf einen Bildschirm und sie twittern darüber.»

    Der Dienst wolle jetzt beides auf einem Bildschirm vereinen und auch auf mobilen Geräten überall verfügbar sein. Mit Hilfe selbstlernender Maschinen will Twitter zentrale Momente eines Videos erkennen und den Nutzern als Highlights präsentieren.

    Facebook mit seinen mehr als 1,6 Milliarden Mitgliedern setzt ebenfalls massiv auf Video und unter anderem auch auf Livestreaming, bei dem Bilder direkt zum Beispiel auf das Smartphone übertragen werden. Twitter stieß den Trend mit seiner Livestreaming-App «Periscope» mit an.

    Dorsey bemühte sich in dem Interview, eine klare Linie zu Facebook zu ziehen: Bei Twitter bekomme man weniger Baby-Fotos von Freunden zu sehen, sondern werde eher darüber informiert, was in der Welt passiert. «Wir sind kein soziales Netzwerk, wie sich die Leute eines vorstellen.»

    Zu Dorseys Reformen gehört auch, dass Multimedia-Anhänge wie Fotos oder Videos nicht mehr bei der 140-Zeichen-Obergrenze von Twitter-Nachrichten mitgezählt werden sollen. Dass soll Nutzern zumindest etwas mehr Platz für ihre Äußerungen lassen. Die bereits im Mai angekündigte Änderung könne am 19. September eingeführt werden, berichtete das Technologie-Blog «The Verge» am Dienstag.

    Der gut zehn Jahre alte Kurznachrichtendienst kämpft mit Problemen. Die Zahl der Nutzer steckt bei rund 300 Millionen fest und wächst nur langsam. Auch Dorsey gelang es in gut einem Jahr bisher nicht, die Verluste zu stoppen. Der Aktienkurs ist im Keller, und nach Informationen des Technologieblogs «Recode» soll die Zukunft von Twitter auf der Tagesordnung des Verwaltungsrates am vergangenen Sonntag gestanden haben. Angesichts des gesunkenen Börsenwerts wird schon länger über einen möglichen Verkauf spekuliert.

    Dorsey bei "Fast Company"

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