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  • «Tagesschau» als App - neues Studio 2012

    Hamburg (dpa). Auch die ARD-«Tagesschau» wird wie andere große Medien demnächst als App auf dem iPhone auftauchen. Das sagte der Erste Chefredakteur von ARD aktuell, Kai Gniffke, der Deutschen Presse-Agentur dpa (am Montag) in Hamburg.

    «Mehrere Hunderttausend iPhone-Nutzer dürfen von uns erwarten, dass wir sie auch unterwegs mit seriösen Nachrichten versorgen», so Gniffke. Die Inhalte für diese Anwendung stellt ARD-aktuell im Gegensatz zu anderen Apps auf dem Endgerät kostenlos zur Verfügung, da sie bereits aus der Rundfunkgebühr finanziert sind. Noch im ersten Quartal soll Tagesschau.de für mobile User abrufbar sein.

    Auf dem Online-Markt hat es die Redaktion von ARD aktuell mit Konkurrenten auf dem Nachrichtensektor zu tun, die für ihre Inhalte zunehmend Geld verlangen wie zum Beispiel Bild.de. Eröffnet diese Entwicklung zum sogenannten paid content größere Chancen für kostenlose öffentlich-rechtliche Nachrichtenportale? «Ich habe Verständnis für die Sorgen der Printkollegen und der Verlage, die auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen im Netz sind», so Gniffke. «Ich bin mir da der Verantwortung unserer besonderen Rolle bewusst.» Die anderen großen Anbieter hätten jedoch auch ein anderes inhaltliches Portfolio.

    Tagesschau.de, derzeit etwa auf Platz sieben in der Nutzungsskala der Nachrichtenportale, präsentiere das «Hartholz», wenig Buntes oder Sport. «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein Ranking der schönsten News- Ladys zu präsentieren oder eine Tiger-Woods-Fotostrecke. Wir bewegen uns weiter auf unserem angestammten Korridor, auf dem wir aber weiter Maßstäbe setzen wollen.» Ein breiter aufgestelltes Tagesschau.de- Portal werde es nicht geben, Verlinkungen zu Sportseiten oder zur ARD-Börse reichten dem Nutzer. «Die leichten Themen können andere besser, würden wir da mitmischen wollen, wären wir nicht mehr unverwechselbar.»

    Dass die «Tagesschau» auch im Netz nachgefragt werde, so Gniffke, beweise die Funktion «Tagesschau 24»: Im Mai, kurz nach der Einführung, habe es 400 000 Abrufe gegeben, im September seien es für das On-Demand-Angebot mit den wichtigsten Nachrichten der Stunde (Gniffke: «Wir nennen sie die ewige "Tagesschau"») schon 3,6 Millionen gewesen. Die 20-Uhr-«Tagesschau» im Fernsehen werde dennoch ihren «herausragenden Wert» behalten: Sie wurde im Wahljahr 2009 laut GfK-Fernsehforschung im ARD-Gemeinschaftsprogramm und in den dritten Programmen bis zum 10. Dezember von 8,84 Millionen Menschen pro Ausgabe gesehen, etwas mehr als 2008. Rund 145 Mitarbeiter kümmern sich derzeit um die Nachrichten im TV und im Netz. Einen Stellenabbau soll es im Zuge der Verschmelzung beider Einheiten mit Wirkung vom 1. Januar an nicht geben.

    Noch viele Jahre werde es dauern, bis die «Tagesschau» im Netz die im herkömmlichen Fernsehen erreichen könne. Das neue Studio, das 2012 für die «Tagesthemen» und die «Tagesschau» im TV in Betrieb gehen werde, soll kein virtuelles, sondern ein reales werden mit einer großen Videowand und zwei Tischen für die beiden Nachrichtenformate, durch die nach wie vor «echte» Personen führen werden: Acht «Tagesschau»-Sprecher sind es zur Zeit. «Und dabei ist es - entgegen aller Medienforschungsergebnisse - nicht ausschlaggebend, wer die Sendung vorträgt, denn hier ist die Nachricht der Star», sagte Gniffke. Im Gegensatz zu den «Tagesthemen», bei denen mit Caren Miosga und Tom Buhrow zwei gestandene Journalisten als «Anchor» dabei sind.

    Ein einheitlicher Ausstrahlungstermin der «Tagesthemen» (sie werden am Mittwoch wegen Frank Plasbergs Talk «hart aber fair» immer später als 22.15 Uhr ausgestrahlt), lange ein Ärgernis innerhalb der ARD, ist vorerst kein Diskussionsthema. Da das Nachrichtenmagazin leicht zugelegt habe, liege das Thema auf Eis.

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