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    BerlinRückzug aus dem Netz ist kein Rezept gegen Mobbing

    Erst auf dem Schulhof, dann im Internet: Wenn Schüler einander schikanieren, hört das nicht mit dem Schulschluss auf. Derzeit sorgt die Läster-Website isharegossip.com für Schlagzeilen und Empörung bei Eltern und Politikern.

    Internetseite «iShareGossip»
    Kommentar auf der Internetseite «iShareGossip».
    Foto: DPA

    Ein Rückzug aus Sozialen Netzwerken oder Chatdiensten ist jedoch keine Lösung, sagen Experten. Schüler müssten dort gegen Mobbing kämpfen, wo es passiert.

    Chatdienste und soziale Netzwerke wie SchülerVZ, Facebook oder Myspace gehören zum Alltag und übernehmen eine wichtige Funktion, erklärt der Soziologe Jan-Hinrik Schmidt: «Soziale Netzwerke sind auch für Jugendliche eine Verlängerung von echten, realen Beziehungen. Sie geben ihnen die Werkzeuge, um mit ihrem sozialen Umfeld, Freundschaften in Kontakt zu bleiben», erklärt der Experte vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. Chats und Plattformen sind quasi die Fortsetzung des Schulhoftratsches mit anderen Mitteln.

    Das kann unter dem Schutz der Anonymität jedoch ausarten - wie aktuell auf dem Portal isharegossip.com. Als «reine Hass-Plattform» bezeichnet es der Frankfurter Oberstaatsanwalt Günter Wittig. Er ermittelt gegen die Betreiber der Website. Diese ruft dazu auf, Gruppen für Schulen zu gründen und darin anonym Gerüchte zu streuen. Genutzt wird sie momentan vor allem, um Stimmung gegen einzelne Schüler zu machen - etwa in Abstimmungen wie: «Wer ist die größte Schlampe aus der 10b».

    In Hessen stellten mehrere Eltern Strafanzeige, unter anderem wegen des Vorwurfs der Beschimpfung, üblen Nachrede, aber auch wegen Rassismus und Volksverhetzung. In Berlin wurde ein 17-Jähriger von einer Horde Jugendlicher zusammengeschlagen, als er ein paar Mädchen zur Rede stellen wollte, die seine Freundin auf der Seite beleidigt hatten.

    Verschwinden wird das Portal samt der bösen Kommentare wohl kaum. Zwar hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Site auf ihren Index gesetzt. Damit erscheint die Plattform nicht mehr bei den großen Suchmaschinen. Doch die Server stehen in Schweden. Der Frankfurter Oberstaatsanwalt Wittig hofft aber, trotzdem etwas gegen die Betreiber tun zu können: «Die Straftaten finden ja in Deutschland statt.»

    Das Lästerportal sieht Soziologe Schmidt nicht als Auslöser für Mobbing. «Das Internet verursacht ja das Mobbing nicht. Schikanen, Beleidigungen gehören leider zu menschlichen Beziehungen dazu», sagt Schmidt. Das Internet als Medium verstärke aber die Reichweite bestimmter Äußerungen - «Informationen können gesammelt, kopiert und ergänzt werden.» Dazu komme die Eigenheit des Netzes, nichts von sich aus zu vergessen. «Das, was ich heute auf dem Schulhof sage, ist morgen vielleicht vergessen. Das was ich ins Internet stelle, ist dann immer noch da.»

    Große soziale Netzwerke wie SchülerVZ und Facebook wissen, dass sie als Betreiber etwas gegen Mobbing tun müssen. Die Sprecherin der Plattform SchülerVZ, Christiane Biederlack, betont, dass Anfeindungen und Beleidigungen dort keinen Platz hätten. «Sobald wir so etwas feststellen, werden diese Inhalte konsequent gelöscht.» Um Verstöße zu ahnden, ist die Plattform aber - genauso wie Facebook - auf die Hinweise der Nutzer angewiesen. Die können per «Melden»-Knopf auf problematische Inhalte aufmerksam machen.

    Experte Schmidt glaubt nicht, dass ein Rückzug aus dem Web 2.0 hilft, um sich der Gefahr von Mobbing zu entziehen. «Wer heute nicht im Netz ist, isoliert sich, weil er sich von wichtigen Informationskanälen abschneidet.» Der Soziologe glaubt, dass sich Mobbing am effektivsten bekämpfen lasse, «wenn es bekannt gemacht wird» - und zwar auf den Online-Plattformen.

    Zudem helfe es, Kindern und Jugendlichen immer wieder zu verdeutlichen, dass im Internet peinliche Fotos oder böse Kommentare eine größere Reichweite haben als auf dem Schulhof. Gleichzeitig müsse klar sein, dass auch im Internet die Regeln des sozialen Miteinanders gelten.

    SchülerVZ-Sprecherin Biederlack meint, das funktioniere vor allem über gegenseitige Kontrolle. «Die Sozialen Netzwerke basieren vor allem darauf, dass man sich gegenseitig kennt. Da fällt es auf, wenn sich einer daneben benimmt.»

    Selbst auf isharegossip.com wird Widerstand laut. Mindestens die Hälfte der Beiträge enthält Kritik an der Website und an niveaulosen Kommentaren anderer. «Ihr, die ihr hier idiotische Einträge macht, habt doch alle keine Hobbys», schreibt einer.

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