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  • Künstliche Intelligenz: Forschen für die Zukunft

    Saarbrücken (dpa/lrs) - Künstliche Menschen möchte Professor Wolfgang Wahlster nicht erschaffen. Ansonsten aber interessiert sich der Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) für alle Themen seines Fachgebiets.

    Nicht selten geht es dabei um Lösungen für gesellschaftliche Fragestellungen. Tauchroboter könnten das Gasvorkommen am Meeresgrund erschließen, Weltraumroboter im All den Müll einsammeln. Generell gilt am DFKI: Grundlagenforschung soll langfristig zu Ergebnissen führen, die im Alltag oder im Wirtschaftsleben von Nutzen sind. Und: Neue Erfindungen müssen auch gesellschaftlich gewollt sein.

    Kurz vor Weihnachten kam für das DFKI die frohe Botschaft: Das Institut wurde Teil des europäischen Informatik-Netzwerks «EIT ICT Labs», das zum Aushängeschild europäischer Forschung werden soll. Das DFKI ist europaweit für das Gebiet der Innovation zuständig. Kein Zufall: Seit Jahren kümmern sich die 300 Forscher dort besonders um die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft.

    «Allein im Umfeld der beiden Standorte Saarbrücken und Kaiserslautern wurden seit Bestehen des DFKI 56 Firmen gegründet und 1300 Arbeitsplätze geschaffen», erklärt Wahlster. Immer wieder machen sich eigene Mitarbeiter selbstständig. Als Beispiel führt er die Firma Dacos in Saarbrücken an. Sie entwirft Computersysteme, die Einkaufsmärkten wie Edeka dabei helfen, zu jedem Zeitpunkt den betriebswirtschaftlich optimalen Preis für ihre Produkte zu finden.

    Aber auch das Forschungsinstitut selbst behält bei seiner Grundlagenforschung immer den wirtschaftlichen Nutzwert im Auge. In komplett eingerichteten Forschungslabors testen die Informatiker die Erfindungen auf ihre Alltagstauglichkeit. In Zusammenarbeit mit der Einzelhandelskette Globus entsteht im saarländischen St. Wendel der Einkaufsmarkt der Zukunft. Digitale Einkaufsberater lotsen Allergiker hier zu unbedenklichen Lebensmitteln. In Kaiserslautern wird testweise Handwaschseife abgefüllt.

    Auf dem Prüfstand ist ebenfalls die Fabrik der Zukunft. Die Anlagen werden über Funktechnik gesteuert. «Man kann also zu Hause auf dem Sofa sitzen und von dort aus die Fabrik steuern», sagt Wahlster. Alles was der Firmenchef dazu braucht, ist ein Smartphone, eine Mischung aus Mobiltelefon und internetfähigem Computer.

    So faszinierend die Erfindungen auch sein mögen: Die Forschungen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz stoßen auch auf Skepsis. Besonders, wenn es darum geht, Roboter in Menschengestalt zu entwerfen. Den Thesen, dass im 21. Jahrhundert intelligente Maschinen den Menschen als Gipfel der Evolution ablösen könnten, erteilt Wahlster jedoch eine klare Absage. «So etwas wird niemals funktionieren. Davor brauchen wir keine Angst zu haben», sagt er. Grund dafür sei eine kulturelle und philosophische Grenze. «Wir werden einen Computer niemals als einem Menschen gleichwertig ansehen.»

    Hilfsroboter in menschenähnlicher Gestalt wie in dem Science-Fiction-Film «I, Robot» seien zwar technisch möglich. «Von Thesen wie ”Die Maschinen übernehmen die Macht” halte ich aber überhaupt nichts. Wir haben schon die Gewalt über technische Geräte. Ohne menschliche Programmierer und Energie laufen die nicht.» Zweifelhaft sei auch, ob humanoide Roboter überhaupt von der Gesellschaft erwünscht sind. Deshalb beschäftige sich das DFKI nicht damit.

    «Wir brauchen Roboter nur dort, wo Menschen nicht gut arbeiten können», erklärt Wahlster. Zurzeit entwerfen Mitarbeiter des DFKI erste Tauchroboter, die auch unter hohem Druck in 5000 bis 6000 Meter Tiefe arbeiten können. Das sei wichtig, da auf dem Meeresboden große Mengen an Gashydraten vorkommen, die die Energieversorgung der Menschheit sicherstellen könnten. Im Auftrag der Bundesregierung entwirft das DFKI auch Weltraumroboter, die im All den Schrott orten und wie einen Tennisball einfangen. Der Weltraummüll ist eine Gefahr für Funksatelliten.

    In Japan allerdings gebe es den Trend zu Robotern in menschenähnlicher Gestalt. Wahlster hält davon wenig. «Es ist einfach praktischer, wenn ein Putzroboter wie ein Gecko gestaltet ist. Der kommt besser unter das Sofa und kann auch die Wohnzimmerwand hochklettern, um Staub zu entfernen». Aus Japan käme dann das Gegenargument, die Menschen fürchteten sich vor Robotern, die nicht menschenähnlich aussehen. Wahlster kann das nicht nachvollziehen: «Sie fürchten sich doch auch nicht vor ihrem Staubsauger».

    DFKI im Web: http://dpaq.de/ki

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