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  • Experte: Online-Therapie ersetzt Gespräch nicht

    Münster (dpa). Für Eltern, die ein Kind während oder kurz nach der Schwangerschaft verloren haben, bieten Münsteraner Psychotherapeuten Hilfe per Online-Therapie an. Das Internet macht es möglich.

    Über Möglichkeiten und Grenzen solcher Therapien sprach die Deutsche Presse-Agentur dpa mit dem Diplom-Psychologen und Therapeuten Manfred Radau, Vorstandsmitglied im Landesverband Westfalen-Lippe der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung.

    Das Uniklinik bietet Online-Therapien in Fällen von Fehl- oder Totgeburten an. Wie weit ist das Konzept der Online-Therapie darüber hinaus verbreitet?

    Radau: «Dieses Programm ist meines Wissens bisher einmalig in Deutschland. In Münster ist die Therapie auch mit einer wissenschaftlichen Studie verbunden, ob Patienten davon wie bei einem persönlichen Gespräch mit dem Therapeuten profitieren können. Dies hat sich zumindest in dem Bereich der Fehlgeburten bestätigt. Allgemein beschäftigt sich die Forschung seit einigen Jahren mit Online-Therapien. Sie sind zwar im Kommen und finden auch Zuspruch, bleiben bisher aber noch ein Nischenprodukt in Deutschland. Auch die Kosten für eine solche Behandlung werden nicht von den Krankenkassen übernommen.»

    Können Online-Therapien langfristig das persönliche Gespräch in der Praxis ersetzen?

    Radau: «Ganz sicher nicht. Online-Therapien haben in bestimmten Bereichen ihre Berechtigung. Bei vielen Störungen wie zum Beispiel schweren Depressionen oder Suchterkrankungen, wo zugleich medikamentöse Begleitung erforderlich ist, ist die persönliche Beziehung zum Therapeuten aber unersetzlich. Als Therapeut bekomme ich bei Online-Therapien ja auch viel weniger über die Mimik und Gestik meines Gegenübers mit.»

    In welchen Fällen ist das Mittel der Online-Therapie neben Fehl- und Totgeburten noch sinnvoll?

    Radau: «Immer dann, wenn ein klar strukturiertes, beratendes Vorgehen möglich ist. Dies können allgemeine Lebensprobleme sein, aber auch weniger gravierend ausgeprägte Angst- oder Essstörungen sowie leichtere Belastungsprobleme. Die Form der Online-Therapie muss den Patienten natürlich auch im Allgemeinen ansprechen.»

    Seit Beginn des Projekts haben rund 100 Patientinnen und Patienten an der Therapie in Münster teilgenommen. Die Therapeuten bekommen sie dabei nie zu Gesicht. Was versprechen sich die Betroffenen von einer solchen anonymen Behandlung?

    Radau: «Zum einen gibt es Menschen, die eher sozial schüchtern und zurückhaltend sind, denen es nicht ganz geheuer ist, zum Therapeuten zu gehen, weil sie Scham oder Skrupel haben. Für sie ist es oft leichter, sich über das Medium Internet zu öffnen. Dort ist die Schamschwelle einfach niedriger. Zum anderen sind Online-Therapien räumlich nicht auf einen bestimmten Ort angewiesen. Ich kann als Patient von zu Hause aus Hilfe in Anspruch nehmen. Auch zeitlich ist man dann viel flexibler. Für Berufstätige kann das ein wichtiges Kriterium sein.»

    Welche Vorteile kann der Psychotherapeut selbst aus Online-Therapien ziehen?

    Radau: «Auch die Psychotherapeuten sind in der Arbeitsaufteilung flexibler. Außerdem eröffnet man sich einen neuen Kundenstamm mit einem neuen Geschäftsbereich, der noch nicht so stark besetzt ist. Der Psychotherapeut hat auch geringere Kosten, er muss nicht einmal unbedingt eine Praxis eröffnen und kann auch von zu Hause aus arbeiten.»

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    Bettina Tollkamp

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