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    Cisco könnte China bei Kameraüberwachung helfen

    New York/Berlin (dpa) - Der weltgrößte Netzausrüster Cisco prüft laut einem Zeitungsbericht die Teilnahme an einem gigantischen Kameraüberwachungsprojekt in China. Auch der Computerriese Hewlett-Packard könnte Server oder Speicher-Technik liefern.

    Cisco
    Der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco stellt vornehmlich Geräte für den Datenverkehr her, sogenannte Router und Switches.
    Foto: DPA

    Das berichtete das «Wall Street Journal» am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen. Die Stadt Chongqing will mehr als 500 000 Videokameras auf Straßen und öffentlichen Plätzen installieren. Die Behörden betonen, sie seien lediglich zur Bekämpfung der Kriminalität gedacht. Kritiker warnen, dass das Netz auch zur Verfolgung Andersdenkender genutzt werden könne.

    Cisco könnte zu dem Projekt mit dem Titel «Friedliches Chongqing» die Netzwerk-Technik beisteuern, die für ein so großes und komplexes Kamera-System entscheidend sei, schrieb die Zeitung weiter. Der für die China-Strategie zuständige HP-Manager Todd Bradley sagte dem «Journal», sein Konzern verlasse sich auf die Zusicherungen der Chinesen zum Zweck des Kamerasystems: «Wir nehmen sie beim Wort, was die Nutzung angeht.»

    Laut der Spezialsoftware-Firma Intergraph, die ebenfalls an dem Kamera-Projekt teilnehmen könnte, sollen die Videobilder Polizeirevieren und anderen Behörden zugänglich gemacht werden. Ein aktuelles System sei so veraltet, dass die Polizei «lediglich» die Bilder von 15 000 der bereits installierten 300 000 Kameras online abrufen könne.

    Nach der blutigen Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 ist es US-Unternehmen zwar untersagt, reine Sicherheitstechnik wie Fingerabdruck-Scanner nach China zu liefern. Geräte wie Kameras, die zu verschiedenen Zwecken verwendet werden können, fallen aber nicht darunter.

    Das Geschäft westlicher Unternehmen in China wird immer wieder von Bedenken angesichts der Menschenrechtslage begleitet. So fährt Google in China nach einem Zensur-Streit mit den Behörden seit mehr als einem Jahr auf Sparflamme. Der Erzrivale Microsoft nutzt den Moment für einen Vorstoß ins Suchmaschinen-Geschäft in dem boomenden Markt.

    Der Marktführer Baidu wird für englischsprachige Suchanfragen auf seiner Webseite auf Microsofts Bing zurückgreifen, wie das chinesische Unternehmen am Montag laut Medienberichten mitteilte. Dem «Wall Street Journal» zufolge geht es dabei nur um einen Teil der Suchanfragen. Der Plan solle zum Jahresende umgesetzt werden, berichtete die «New York Times».

    Chinesische Behörden schreiben Internet-Unternehmen vor, politisch heikle Inhalte herauszufiltern. Dafür gehören etwa Informationen über die Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder die Kontroverse um Tibet. Es sei davon auszugehen, dass auch Microsoft seine Suchergebnisse werde zensieren müssen, schrieb die «New York Times».

    Baidu beherrscht die Websuche in China mit einem geschätzten Marktanteil von bis zu 80 Prozent. Die Dominanz wurde nach Googles Kraftprobe mit den chinesischen Behörden noch zementiert. Der Internet-Konzern hatte Anfang vergangenen Jahres nach einer Hacker-Attacke angekündigt, sich nicht mehr an Pekings Zensurvorgaben halten zu wollen.

    Google leitete deshalb die Suchanfragen aus China direkt auf seine Seite in Hongkong um, wo die Treffer nicht zensiert werden müssen. Die Behörden blockierten den Zugang umgehend. Als ein Verlust der Lizenz für China drohte, ersetzte der Konzern dann im Sommer die automatische Weiterleitung bei google.cn durch einen Link zur Hongkong-Seite, den die Nutzer selbst anklicken müssen.

    Laut einem US-Medienbericht sorgte die Aktion für Streit in der Google-Spitze. Die Gründer Sergey Brin und Larry Page hätten sich gegen den damaligen Konzernchef Eric Schmidt durchgesetzt, der sich Sorgen um das Geschäft im Riesenreich machte, schrieb der gut informierte Buchautor Ken Auletta im Magazin «New Yorker».

    Aktuell beschäftigt das Zensur-Problem das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook, das sich bisher nicht ins Reiche der Mitte vorwagte. Nach Informationen von «Bloomberg Businessweek» soll Gründer Mark Zuckerberg für einen Markteintritt sein, weil er glaube, dass Facebook auch unter widrigen Umständen für mehr Offenheit sorgen könne. Die für das Tagesgeschäft zuständige Top-Managerin Sheryl Sandberg fürchte hingegen Kompromisse bei Menschenrechten. So war vor einigen Jahren der Internet-Konzern Yahoo unter massive Kritik geraten als er chinesischen Behörden half, anonyme Regimekritiker unter seinen Nutzern zu identifizieren.

    Das Blog «Business Insider» schreckte seine Leser unterdessen mit der Information auf, chinesische Investoren kauften gerade in großem Stil Facebook-Aktien von Mitarbeitern auf. Allerdings könnten die Chinesen so nur an Anteile ohne Stimmrechte kommen und die Geschäftspolitik nicht beeinflussen, hieß es.

    «WSJ»-Bericht

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