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  • BarcelonaApps: Der neue Mittelpunkt der Mobilfunk-Branche

    Die Mobilfunk-Branche hat einen neuen Mittelpunkt gefunden. Alles dreht sich auf dem Mobile World Congress in Barcelona um die kleinen Softwareprogramme.

    Ob als unterhaltsames Gimmick auf dem Smartphone oder als praktische Anwendungen für Geschäftskunden, die mit einer Handbewegung eine Telefonkonferenz organisieren können. Den sogenannten Apps (Applikationen) kommt eine Schlüsselrolle beim Wandel des Mobilfunk-Marktes zu: Erst die Software macht mobiles Internet und Smartphones wirklich nützlich für ihre Besitzer.

    Die Applikationen krempeln die Mobilfunkbranche um von einem Medium der Sprachkommunikation zum Helfer in allen Lebenslagen. Es geht nicht mehr nur darum, den Weg zu finden, auch wenn Navigationshilfen unter den meistgenutzten Anwendungen sind. Handys können an der Bushaltestelle Bescheid geben, wann der nächste Bus kommt oder medizinische Daten übermitteln. Und dem Spieltrieb sind keine Grenzen gesetzt - manche Applikationen verwandeln das Telefon in einen virtuellen Golfkurs oder eine Angelrute, die nach animierten Fischen ausgeworfen werden kann.

    Gemessen am Gesamt-Telekommarkt von rund 1,44 Billionen Dollar im Jahr (derzeit rund eine Billion Euro) ist das Apps-Geschäft noch ganz klein. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz schätzungsweise bei 4,2 Milliarden Dollar. Das liegt auch daran, dass die meisten Apps kostenlos angeboten werden und sich zum Beispiel über Werbung finanzieren sollen. Doch in den nächsten Jahren erwarten Experten eine explosionsartige Umsatzentwicklung: Schätzungen reichen von 11 bis knapp 39 Milliarden Dollar bis Ende 2013.

    Es ist nicht verwunderlich, dass alle in dem Markt mitmischen wollen, doch die etablierten Player der Branche, vor allem die Netzbetreiber, wollen sich nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen lassen. «Es gibt genug Unternehmen da draußen, die den Kuchen des Telekommunikationsgeschäfts anknabbern wollen», sagt Deutsche-Telekom-Vorstand Guido Kerkhoff, der für das Europageschäft zuständig ist. Die Telekom will ihre Kunden auch in Zukunft an sich zu binden. Der deutsche Branchenführer fährt mehrgleisig und dockt an verschiedene App Stores an. Gleichzeitig macht sich die Telekom aber mit 24 anderen Netzbetreibern für gemeinsame Standards stark.

    In der neuen Allianz wollen sich die Mobilfunk-Anbieter auf eine einheitliche Grundlage für die Entwicklung von Applikationen einigen, die zu unterschiedlichen Geräten und Handyplattformen passen. Das ganze sieht aus wie ein Gegenentwurf zur geschlossenen Gesellschaft von Apples iTunes Store. Immerhin erreichen die Unternehmen etwa drei Milliarden Handynutzer weltweit. Sie folgen dem Beispiel von Vodafone: Die Briten schufen bereits im vergangenen Jahr mit Vodafone 360 eine geräteunabhängige Applikations-Plattform.

    «Die Stärke der Apps liegt nicht darin, dass ein Unternehmen glaubt, es kann alles für jeden entwickeln. Die Vielfalt ist das Tolle», sagt Telekom Kerkhoff. Die Netzbetreiber könnten eine Art Shopping-Center für verschiedene App Stores sein, beschreibt es der Technologie-Chef des australischen Mobilfunk-Konzerns Telstra, Hugh Bradlow.

    Doch die Mobilfunkanbieter sind längst nicht die einzigen, die sich Gedanken darüber machen, wie der Markt für Applikationen in Zukunft auszusehen hat. Selbst die Netzwerkausrüster wollen inzwischen mitmischen: Ericsson führte in Barcelona eine fertige App-Store-Vorlage vor, die Netzbetreiber adaptieren und mit ihrem Logo versehen können. Telefónica O2 macht das bereits. Alcatel-Lucent startet eine Plattform für Entwickler, von der sie ihre Programme testen und verschiedenen Netzbetreibern anbieten können. Uneigennützig sind die Ideen allerdings nicht: Natürlich wollen die Netzwerkausrüster an den Verkaufserlösen beteiligt werden.

    Und dabei geht es nicht mehr nur um das Handy. Längst werden Anwendungen verknüpft, so dass sie auch vom heimischen PC, der Spielekonsole oder sogar dem Fernseher angesteuert werden können.

    Die Kunden gewinnen wird schließlich, wer die besten Anwendungen zu bieten hat, sind sich Experten sicher. Doch Jan Wäreby, der sich bei Ericsson um das Thema Applikationen und Multimedia kümmert, ist überzeugt: «Die eine Killer-Applikation gibt es nicht. Die Kommunikation als Kombination von Sprache, Chats, Videokonferenzen, und mehr, das ist der Killer.»

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