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  • Rund um Dackelblicke und Kindererziehung - Martin Rütter: Der Hundeflüsterer

    Wenn man mit Martin Rütter sprechen kann, dann kann man endlich einmal alle Hundefragen an den Mann bringen. Ein Interview rund um Dackelblicke und Kindererziehung.

    Kaum einer kennt Hunde besser als Martin Rütter – zumindest spricht niemand lustiger und interessanter über sie. Rütter ist extrem gefragt: Sein Tourneekalender reicht bereits bis in den März 2017. Zusatztermin folgt auf Zusatztermin. Beim Interview mit ihm gehen wir auf die Suche nach dem Geheimnis der Freundschaft zwischen Mensch und Hund.
    Kaum einer kennt Hunde besser als Martin Rütter – zumindest spricht niemand lustiger und interessanter über sie. Rütter ist extrem gefragt: Sein Tourneekalender reicht bereits bis in den März 2017. Zusatztermin folgt auf Zusatztermin. Beim Interview mit ihm gehen wir auf die Suche nach dem Geheimnis der Freundschaft zwischen Mensch und Hund.

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Waren Sie heute schon Gassi?
    Aber selbstverständlich! Ich bin gerade auf Tournee und habe meine beiden Hunde im Hotel mit dabei. Und das Erste, was ich morgens mache, ist eine Runde mit ihnen zu drehen.

    Auch bei schlechtem Wetter? Bereuen Sie es dann, sich Hunde angeschafft zu haben?
    O nein, das habe ich noch keinen einzigen Tag bereut! Ich nehme mir meistens Hotels, die etwas außerhalb der Stadt sind. Und gerade heute habe ich großes Glück: Ich kann auf ein Stück Wald schauen, es ist kein Regen - ideales Wetter zum Spazieren.

    Die Hunde helfen Ihnen also, den inneren Schweine-Hund - verzeihen Sie das Wortspiel - zu überwinden?
    (lacht) Das stimmt tatsächlich. Aber mir kommt eine Sache zugute: Ich kenne Comedians, die auch abends auf der Bühne stehen und die nach der Show gut zwei Stunden brauchen, um wieder runterzukommen. Bei mir ist das anders. Die Show geht bis 22.30 Uhr, dann signiere ich noch was, und gegen Mitternacht bin ich im Hotel. Aber dort schlafe ich sofort ein. Und deshalb habe ich auch morgens nicht so Probleme damit, früh aufzustehen.

    Wie heißen Ihre Hunde denn?
    Die Ältere heißt Abby, und die Kleene, die mir zugelaufen ist, die heißt Emma.

    Können Sie denen nicht beibringen, sich morgens selbst fertigzumachen?
    Das habe ich getan! Das Erste war, dass Abby und Emma selbsttätig in den Frühstückssaal des Hotels laufen können, um mir zwei warme Croissants zu reservieren. Wenn Abby gut drauf ist, dann rührt sie mir auch den warmen Kakao an. (grinst)

    Awww, wahre Hundeliebe! Wir müssen natürlich betonen, dass Sie einen Spaß gemacht haben, bevor sich Tierliebhaber beschweren.
    Na gut. Am Kakaomachen arbeiten Abby und ich noch.

    Müssen Sie Ihre Hunde verstehen lernen oder umgekehrt?
    Ich trainiere nie mit den Kundenhunden selbst, sondern ich arbeite nur mit den Menschen. Denen erkläre ich, was sie tun müssen, damit sich der Hund anders verhält. Bei meinen Hunden ist das genauso: Sie richten sich nach meinem Verhalten aus. Und ich muss sie im Auge behalten, denn sie sind natürlich Lebewesen. Es ist ja nicht so, dass sich die Hunde vormittags einen brennenden Reifen in den Garten schieben und bellen: „Wir sind jetzt bereit für einen Salto.“

    Auch wenn meine Hunde auf einem hohen Trainingslevel sind, sind es doch stinknormale Hunde. Das sage ich voller Liebe zu ihnen. Sie sind Lebewesen! Man kann keine 100-prozentige Verhaltensprognose machen, wie bei Menschen auch nicht. Abby zum Beispiel liebt das Jagen. Wenn die drei Sekunden auf einer Stelle steht, dann fängt sie sofort an zu schnüffeln. Wenn ich sie dann nicht sofort zurückpfeife, ist sie weg. Da muss ich extrem gut aufpassen.

    Oder Sie schicken Sie mit einem klaren Auftrag zum Jagen: „Heute gibt es Hase.“
    Wenn die einen Hasen hat, würde sie ihn ungern mit mir teilen.

    Verstehe das Problem. Vermenschlichen wir gerade Ihre Hunde zu sehr?
    Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den Sie ansprechen. Wir sind so nah an unseren Hunden. Manchmal wird da in ganzen Sätzen mit den Hunden geredet: „Guck mal, der Papa kommt gerade von der Arbeit nach Hause. Hab ich dir nicht gesagt, dass du den Postboten in Ruhe lassen sollst?“ Das Problem dabei sind nicht die langen Sätze. Sondern wenn ich mit einem Hund rede wie mit einem Menschen, dann habe ich auch automatisch die Erwartungshaltung, der Hund müsse sich wie ein Mensch verhalten. Das wird nie passieren. Ein Hund bleibt ein Hund. Und ein Hund braucht zum Beispiel viel Beschäftigung - und damit ist Aktion gemeint. Mit einem Menschen kann ich mich zum Klönen treffen, für einen Hund gilt „miteinander reden“ nicht als Beschäftigung.

    Ist es okay, wenn Hunde Geschenke bekommen, im Bett schlafen dürfen und Pullis tragen?
    Da sehe ich keine Probleme. Es gibt Hunderassen, die keine Unterwolle haben, zum Beispiel filigrane Windhundrassen, die so wenig Fell haben, dass sie bei uns im Winter frieren. Die brauchen einen Mantel! Gut, da kann man sich fragen, was ein Hund hier zu suchen hat, der mit unserem Klima nicht klarkommt, aber egal. Auch das Schlafen im Bett von Herrchen sehe ich nicht als problematisch an. Vermenschlichung fängt da an, wenn Menschen auf das reagieren, was ein Hund macht.

    Beispiel: Der Hund kommt, bringt ein Bällchen, ich werfe den Ball. Der Hund guckt in den Garten - oh, ich glaube, der muss mal raus. Der Hund guckt in den Napf - oh, ich glaube, der hat Hunger. Wenn ich immer nur die Bedürfnisse des Hundes stillen will, aber nicht selbst Entscheidungen treffe, ist das problematisch. Natürlich gebe ich ihm zu fressen und spiele mit ihm - aber ich treffe die Entscheidung. Nicht der Hund. Wenn der Hund immer die Entscheidungen treffen darf, dann wird er nie auf mich hören.

    Sie haben vier Kinder. Erziehen Sie die wie Ihre Hunde?
    Im Prinzip ist da wirklich kaum ein Unterschied.

    Wenn die mit dem Bällchen kommen ...
    (lacht) Das ist aber ein gutes Beispiel! Stellen Sie sich vor, wir beide unterhalten uns. Jetzt kommen alle zwei Minuten meine Kinder: „Papa, Papa, Papa, kannst du mal ...“ Und wenn ich ihnen dann jedes Mal den Wunsch erfülle - „hier hast du noch eine Schokolade“ –, dann erziehe ich mir kleine Tyrannen. Natürlich bekommen meine Kinder Aufmerksamkeit und auch Schokolade. Aber sie müssen lernen, dass es auch Momente gibt, wo sie nicht dran sind und warten müssen. Ich glaube, dass Hunde- und Kindererziehung in einem Punkt identisch sind: Beide brauchen ein Regelpaket. Glasklare Spielregeln, die sie kennen und die wirklich gelten. Natürlich kann man dieses Regelpaket individuell gestalten. Eins von meinen Kindern zum Beispiel ist sehr vernünftig - da können Sie auch mal eine Ausnahme machen und Fünfe gerade sein lassen.

    Aber eine meiner Töchter ist so drauf, dass die am Kronleuchter schaukelt, wenn Sie mal großzügig sein wollen. Das ist bei Hunden auch so. Der Unterschied ist das Ziel der Erziehung. Kinder wollen wir zur Selbstständigkeit erziehen: so macht man eine Schleife am Schuh, ab in die Schule, mach schön Abitur, jetzt biste selbstständig. Beim Hund ist das Ziel das Gegenteil: Der Hund muss maximal unselbstständig bleiben! Wenn der nämlich merkt, dass er auch allein gut klar kommt, dann ist es nicht mehr möglich, den Hund in eine menschliche Gesellschaft einzugliedern. Denn dann hört er überhaupt nicht mehr auf mich und ist selbstständig. Aber je mehr ein Hund auf mich hört, umso mehr Freiheiten kann ich ihm lassen - ich kann ihn im Wald springen lassen und mit ins städtische Hotel nehmen, weil ich weiß, dass er pariert. Erziehung ermöglicht dem Hund also ein sehr freies Leben.

    Ist der Hund der beste Freund des Menschen?
    Der beste Freund des Menschen ist der Mensch. Wer glaubt, dass ein Hund sein bester Freund ist, der ist nicht gesund. Der zieht sich nämlich aus dem Menschlichsein zurück. Wenn wir aber jetzt die verschiedenen Tiere vergleichen, dann passt der Hund tatsächlich am besten von allen zum Menschen. Denn Gefühle beim Hund sind messbar, da sie Hormone ausschütten: Und Hunde, die ihren Halter wiedersehen, empfinden Glück und - ja - so etwas wie Liebe, weil entsprechende Hormone ausgeschüttet werden.

    Außerdem hat der Hund eine Eigenschaft, die sonst kein Tier hat: Der Hund ist in der Lage, einen Artfremden als gleichwertigen Sozialpartner zu sehen. Der Hund weiß, dass wir kein Hund sind. Aber wir können für den Hund so wichtig werden wie ein anderer Hund. So etwas kann keine Katze, kein Pferd und kein Wellensittich. Selbst ein Affe kann das nicht. Der Hund kann sich also wirklich auf einen Menschen einlassen, und dadurch entsteht eine ganz besondere Nähe.

    Ist deshalb auch der Bürohund so wohltuend fürs Arbeitsklima?
    Ja genau! Hunde reagieren nämlich vorbehaltlos auf uns Menschen. Und das empfinden viele Menschen als wohltuend. Dem Hund ist es wurstegal, wie ich aussehe, ob ich viel Geld verdiene oder ein schönes Auto habe. Gerade in der Berufswelt, wo Statussymbole so wichtig sind, ist der Bürohund deshalb ein wohltuender Ausgleich.

    Setzen Sie zu Hause auch Dackelblicke ein, wenn Sie sich durchsetzen wollen?
    Bei meiner Freundin funktioniert das leider nicht so gut, weil die auch Hundetrainerin ist. Die durchschaut das nicht nur, sondern kann dann auch dieselbe Methode einsetzen.

     

    Wissenswertes:

    Biografie: Martin Rütter wurde 1970 in Duisburg geboren. Er studierte Sportwissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln, bevor er einen Fernlehrgang zum Tierpsychologen in der Schweiz absolvierte. Er machte Praktika in Wolfsaufzuchtstationen und beobachtete Dingos in Australien. Seine Berufstätigkeit schloss danach auch die Ausbildung von Blindenführ- und Rollstuhlbegleithunden mit ein. Fernsehbekannt wurde er mit der Dokumentationsreihe „Eine Couch für alle Felle“. Seit 2008 ist er in der Vox-Doku-Reihe „Der Hundeprofi“ zu sehen, bei der er Familien bei der Hundeerziehung unterstützt.

    • Live zu sehen ist Martin Rütter mit seiner Show „Nachsitzen“ am 19. Januar in Koblenz, am 13. Februar in Bonn, am 6. April in Siegen, am 9. April in Köln und am 15. November in Mainz. Tickets gibt es im Internet unter www.rhein-zeitung.de/tickets.
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