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    Spielen, singen, schlafen: Kunst mal ganz anders

    Ein Kunstmuseum, in dem man zerschlagenes Porzellan kitten, Tischtennis spielen und erotische Übungen machen kann? In Leverkusen gibt es das. Die Frage ist nur, wie lange noch.

    Duett mit Künstler/in
    Das Objekt «Mend Piece» (1966/2017) von Yoko Ono.
    Foto: Rolf Vennenbernd - dpa

    Leverkusen (dpa). Das Kunstmuseum Morsbroich in Leverkusen soll schließen - jedenfalls haben Wirtschaftsprüfer das letztes Jahr vorgeschlagen. Der elitäre Spaß, so sagen sie, kostet viel Geld, und das hat die Stadt nicht.

    Jetzt kämpft das Museum ums Überleben. Und hat unter diesem Damoklesschwert eine sehr ungewöhnliche Ausstellung entwickelt. Der Besucher kann darin spielen, singen und schlafen.

    Man muss sich das Ganze so vorstellen: Das Museum Morsbroich befindet sich in einem quittengelben Schlösschen. Es sieht aus wie eine angeschnittene Käsesahnetorte. Und dieses Schlösschen mit seinen Parkettböden und weiß gestrichenen Stucksälen ist jetzt von oben bis unten mit Kunstwerken voll gestellt, die den Betrachter zum Mitmachen anregen. Ein Parcours der Kunst sozusagen.

    Man kann zum Beispiel zum Aktzeichnen gehen. Der Akt ist eine überlebensgroße Frauenfigur, die mit den Augen klimpert. Die Zeichnungen gibt man danach dem Künstler, der die Puppe gebaut hat. Umgekehrt kann man in einem anderen Raum etwas bekommen: einen rosafarbenen Papierbogen mit einer Anleitung des amerikanischen Konzeptkünstlers Bruce Nauman, eines Experten für menschliche Sinneswahrnehmungen. Man wird dazu angehalten, seinen Körper fest gegen eine Wand zu drücken. „Dies wird wohl eine sehr erotische Übung werden“, schreibt Nauman dazu. Deswegen kann man dieses Werk praktischerweise in Kopie mit nach Hause nehmen.

    In einem anderen Raum setzt man zerschlagenes Porzellan wieder zusammen. Eine Idee ist von Weltverbesserin Yoko Ono. Die Museumsleute haben dafür tagelang Tassen zerdeppert. In einer Kammer kann man sich verwandeln, indem man eine Schürze anlegt und sich hinter den Tresen eines Tante-Emma-Ladens stellt. Allemal gut für ein Selfie. Nächster Raum: leer. Aber dafür beginnt eine Museumsdienerin zu singen, sobald man hereinkommt. Geht das noch mit rechten Dingen zu in diesem Schloss?

    Nebenan kann man Tischtennis spielen. Die Platten sind 1a-Qualität, sagt Kuratorin Stefanie Kreuzer. Was daran Kunst ist? Vielleicht, dass sich hier unter Umständen zwei wildfremde Besucher zu einem Match zusammenfinden und auf diese Art nach unausgesprochenen Regeln gemeinsam etwas miteinander machen.

    Wer Durst hat, kann an einer Bar etwas trinken und sich dabei in ganz vielen unterschiedlichen Spiegeln betrachten. Wer müde ist, kann sich schlafen legen - in wunderbar duftendem Heu. Im Schlosspark hängen Klangstäbe von einer knorrigen Kastanie. Wenn man sie mit einem Ast in der richtigen Reihenfolge anschlägt, ergibt das die Melodie von „Der Mond ist aufgegangen“.

    Die Wirtschaftsprüfer wird das alles nicht überzeugen. Sie haben herausgefunden, dass viele Leute in das Museum kommen, ohne zu bezahlen. Das sind zum Beispiel Schüler, die sonst nie die Gelegenheit hätten, Kunst zu erleben, weil ihre Eltern dafür kein Geld haben oder sich nicht dafür interessieren. Sie alle dürfen übrigens unbegrenzt oft noch einmal in die Ausstellung zurückkehren. Um zu zeichnen, zu schlafen oder Tischtennis zu spielen. Sehr unökonomisch. Und sehr menschlich.

    Informationen zur Ausstellung

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