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    New YorkSpektakulär: Ein Wohnzimmer für Kolumbus

    Ein Wohnzimmer für den Weltenbummler, mitten in New York: 120 Jahre lang stand die Marmor-Statue von Christoph Kolumbus einsam auf ihrer rund 18 Meter hohen Säule mitten auf dem berühmten Columbus Circle in Manhattan.

    Kolumbus-Statue
    Kolumbus in seinem Wohnzimmer.
    Foto: Christna Horsten - DPA

    Von unten aus dem Smog des stark befahrenen Verkehrskreisels heraus war der Amerika-Entdecker schwer zu erkennen, schien weit weg und winzig klein. Jetzt hat der japanische Künstler Tatzu Nishi Kolumbus ein Wohnzimmer gebaut - und plötzlich steht der Seefahrer aus dem 15. Jahrhundert in all seiner steinernen Pracht vier Meter groß zwischen Zeitungen und Deko-Krimskrams direkt auf dem Couchtisch. Seit Donnerstag ist die spektakuläre Kunst-Installation in New York geöffnet.

    «Endlich haben wir die Möglichkeit, diese Statue, die noch niemand von uns auf Augenhöhe sehen konnte, aus der Nähe betrachten zu können», sagte Bürgermeister Michael Bloomberg bei der Vorstellung des Projekts am Mittwoch. «Ich lebe seit 1966 hier, aber man schaut da einfach nicht hoch - es ist so schwer zu sehen.»

    Über ein Treppenhaus in einem Gerüst können Besucher nun zu Kolumbus hochklettern und sein box-artiges Wohnzimmer betreten. Tische, Stühle, Lampen, Fernseher, Bücherregal, Teppiche, Spiegel, Bilder - alles ist vorhanden und darf angefasst und benutzt werden. Von den Wänden glänzt rosafarbene Tapete, auf der Nishi mit Gold sein Amerika-Bild hat drucken lassen: Michael Jackson, Marilyn Monroe, Hot Dogs. Große Fenster bieten Panorama-Blicke auf den Columbus Circle und den angrenzenden Central Park. «Diese Installation soll für jeden sein, nicht nur für Kunstliebhaber», sagte Nishi, der für ähnliche Aktionen unter anderem bereits im belgischen Gent und in Singapur gefeiert wurde.

    Dominiert wird das Wohnzimmer in luftiger Höhe aber ganz klar vom Hausherren: Rund vier Meter groß ist die Statue von Christoph Kolumbus, die der italienische Bildhauer Gaetano Russo 1892 aus Carrara-Marmor erschuf. 1892 wurde sie auf einer Säule auf dem Columbus Circle errichtet - und damit gleichzeitig so gut wie versteckt, denn im Gewusel des Platzes ging die hohe und schwer zu erkennende Statue bislang völlig unter. Dass Kolumbus ein langes Seil hält, rechteckige Schnallen auf den Schuhen, einen Höcker auf der Nase und besorgt zusammengezogene Augenbrauen hat, all das zeigt erst die Nähe.

    «Wir alle werden unsere Beziehung zu diesem historischen Monument total verändern», sagte Susan Freedman, Chefin des Vereins Public Art Fund. Die «Discovering Columbus» (deutsch: Kolumbus entdecken) betitelte Aktion sei ein «historischer Moment» für das kulturelle Leben New Yorks. Rund 2,5 Millionen Dollar (etwa 1,9 Millionen Euro) hat die Installation gekostet - finanziert größtenteils durch private Spenden, die der Public Art Fund einsammelte. Den Rest steuerte die Stadt bei, die die von Regen, Wind und Vogeldreck stark mitgenommene und für das Projekt zunächst nur oberflächlich gereinigte Statue bei dieser Gelegenheit gleich gründlich restaurieren will. Besucher können die Installation bis zum 18. November kostenlos erkunden. Der Public Art Form vergibt dafür aufgrund des erwarteten Andrangs halbstündige Zeitfenster.

    Kritiker bemängelten, dass das Kunstprojekt die Statue von außen unsichtbar und von innerhalb des Wohnzimmers leicht für Vandalismus zugänglich mache. Aber Bürgermeister Bloomberg ließ keinerlei Herummäkeln an einem seiner Lieblingsprojekte zu: Kolumbus hätte diese Aktion gefallen. «120 Jahre lang hatte er nur Tauben als Gesellschaft und jetzt bekommt er endlich seine Version des amerikanischen Traums: Ein eigenes Häuschen mit einem Blick auf den Central Park und tausenden Menschen, die zur Einweihungsfeier kommen.»

    Informationen zur Installation «Discovering Columbus»

    Webseite von Tatzu Nishi

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