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    Schriftsteller Herbert Rosendorfer gestorben

    München (dpa) ­ Herbert Rosendorfer war fast so etwas wie ein «Universalgelehrter». Das sah nicht nur Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer so, der den «dichtenden Richter» 2009 zur Verleihung des Corine-Buchpreises in München würdigte.

    Herbert Rosendorfer
    Herbert Rosendorfer ist tot.
    Foto: Ursula Düren - DPA

    Jetzt ist Rosendorfer gestorben - im Alter von 78 Jahren nach langem Leiden im Krankenhaus seines Geburtsortes Bozen. Bekannt wurde er mit dem Roman «Der Ruinenbaumeister» von 1969 und vor allem mit dem Bestseller «Briefe in die chinesische Vergangenheit» von 1983. Zuletzt und erst vor einigen Monaten hatte Rosendorfer seinen Roman «Huturm» veröffentlicht.

    Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Bayern. «Mit seiner hintergründigen Komik und seinem subtilen Humor spricht er den Bayern aus der Seele», sagte Seehofer damals. Und das tat er auf vielfältige Weise. Sein Schaffen reicht für mehr als zwei Leben. Doch Multitasking, ein moderneres Wort zur Beschreibung eines Universalgelehrten, schien für Rosendorfer nie eine Schwierigkeit zu sein. Er schrieb Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Abhandlungen zur Musik und Reiseführer. Er malte auch und komponierte - und machte ganz nebenbei noch eine erfolgreiche Karriere als Richter.

    Rosendorfer wurde 1934 in Bozen geboren, lebte während der ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs in München und kehrte nach einem Aufenthalt bei seinen Großeltern im österreichischen Kitzbühel 1948 dorthin zurück. Früh entdeckte er seine Vorliebe für die Kultur: Nach dem Abitur studierte er Bühnenbildnerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1954 wandte er sich dann der Juristerei zu. «Ich wollte doch etwas Solides machen und habe es nie bereut», sagte er einmal. 1967 wurde er Amtsrichter in München, von 1993 an war er Richter am Oberlandesgericht in Naumburg.

    Was er im juristischen Alltag erlebte, fand - oft satirisch verarbeitet - den Weg in seine Schriften. Dichtender Richter war er, als richtender Dichter mit moralisch erhobenem Zeigefinger wollte er sich nicht verstanden wissen. «Aber wenigstens sagen kann ich etwas.» Literatur könne wenigstens versuchen, Werte wie Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit zu transportieren.

    Der Autor wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Jean-Paul-Preis (1999), der Literaturpreis der Stadt München (2005) und der bereits genannte Corine-Ehrenpreis (2009).

    In seiner «Stief-Vaterstadt» München verbrachte er rund 50 Jahre seines Lebens und lernte dort als Jurist «die Abgründe der Normalität und Höllen des Banalen», wie die Stadt zur Verleihung des Literaturpreises im Jahr 2005 erklärte. Sein überaus reiches Werk zeuge «neben barock wuchernder Erzählfreude und hellsichtiger Beobachtungsgabe» auch von «grimmigem Sarkasmus und Pessimismus», urteilte die Jury.

    Nach seiner Pensionierung kehrte er nach Südtirol zurück, wo er mit seiner dritten Frau und der gemeinsamen Tochter lebte. Dort widmete er sich hauptsächlich der Literatur und dem Schreiben. «Ich könnte gar nicht anders als weiterzuschreiben», sagte Rosendorfer im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa zu seinem 75. Geburtstag. «"Wie die Kuh Milch gibt", um es mit Richard Strauss zu sagen.»

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