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    BerlinOhne Plüsch und Pomp: Hundert Jahre Deutsche Oper Berlin

    Eine Königsloge sucht man genauso vergebens wie Plüsch und Brokat, von allen Plätzen ist die Sicht auf die Bühne frei: An der Deutschen Oper Berlin ist das demokratische Prinzip in Stahl, Beton und Glas zu besichtigen.

    Deutsche Oper Berlin
    Die Deutsche Oper feiert ihr hundertjähriges Jubiläum.
    Foto: Britta Pedersen - DPA

    Hundert Jahre nach ihrer Gründung will Deutschlands zweitgrößtes Opernhaus mit dem neuen Intendanten Dietmar Schwarz an die Erfolge früherer Jahrzehnte anknüpfen. Zu Wagner, Verdi und Beethoven feiert das Haus an diesem Samstag (20. Oktober) mit einer Gala ihr Jubiläum, am Sonntag folgt die Premiere von Richard Wagners «Parsifal».

    Bürgerliches Kunstideal gegen Repräsentationstheater - so lautete das Programm 1912, dem sich das Haus noch heute verpflichtet fühlt. «Das Entscheidende an diesem Haus ist zunächst, dass man von jedem Platz aus gut sieht und hört», sagt Intendant Schwarz, der von der Oper Basel nach Berlin kam. Knapp 2000 Plätze bietet der Bau aus den Sechzigern. Ob die legendäre «Ring»-Inszenierung von Götz Friedrich, die Idomeneo-Affäre um die geköpften Religionsstifter auf der Bühne oder der Streit um Opernfusionen - immer wieder stand die Deutsche Oper im Mittelpunkt großer Berliner Kunst- und Kulturdebatten.

    Fast in Sichtweite hat vor zwei Jahren die Staatsoper im Schiller Theater ihr Übergangsquartier bezogen. Musikchef Daniel Barenboim und Intendant Jürgen Flimm machen hier mächtig Wind, bis sie 2015 nach der Renovierung des Stammhauses wieder an den Lindenboulevard ziehen können. Und an der Komischen Oper lässt der Australier Barrie Kosky trendiges Musiktheater spielen.

    Als Retter der Deutschen Oper will sich Schwarz nicht sehen. Bei den Gesprächen mit dem Berliner Senat, ob er den Job in Berlin übernimmt, sei die Situation «durchaus kritischer» gewesen. Nach einem holprigen Start bekam seine Vorgängerin Kirsten Harms aber doch noch die Kurve. In den letzten Jahren sind die Besucherzahlen wieder gestiegen.

    Das Opernhaus blickt auf eine wechselvolle Geschichte. Gegründet wurde das Deutsche Opernhaus als Gegenstück zur Hofoper. Wohlhabende Bürger aus der selbstständigen Stadt Charlottenburg hatten sich eine eigene Oper gegönnt, weit weg vom Schloss der Hohenzollern.

    Mit Beethovens «Fidelio» als Eröffnungspremiere stellten die Gründer auch programmatisch klar, worum es fortan gehen sollte: Um die Freiheit der Kunst als Gegenentwurf zum Preußenpomp, um große Oper und große Stimmen. Zu den Erfolgen der Vorkriegsjahre zählen vor allem die Wagner-Zyklen. Bruno Walter wurde als Generalmusikdirektor an das Haus gebunden, Starsänger wie Alexander Kipnis, Lotte Lehmann und Lauritz Melchior traten auf. Wilhelm Furtwängler dirigierte hier erstmals in Berlin, Gustaf Gründgens führte Regie.

    An Opernhäusern mangelte es schon damals in Berlin nicht. Neben Staats- und Städtischer Oper gab es auch noch die Krolloper unter der Leitung von Otto Klemperer, in der nach dem Reichstagsbrand 1933 einmal im Jahr das Nazi-Parlament tagte. Seit 1928 herrschte über der Opernszene Heinz Tietjen als Generalintendant der Preußischen Staatstheater, darunter auch der Städtischen Oper, wie das Haus nach der Eingemeindung von Charlottenburg umgetauft wurde. Braucht Berlin drei Opernhäuser - über diese Frage wurde schon damals diskutiert.

    «Die Städtische Oper war das Haus der Lehrer und niedrigeren Beamten», erinnert sich Klaus Geitel, langjähriger Theaterkritiker der «Berliner Morgenpost» in einer neuen Chronik. «Die reichen Unternehmer gingen in die Staatsoper.» Während in der NS-Zeit die Staatsoper unter Verantwortung von Hermann Göring stand, hatte Joseph Goebbels die Städtische Oper dem Propagandaministerium unterstellt. Er steuerte Besetzungen und Spielplan - gegen «artfremden Kunstbolschewismus».

    In der Nacht vom 22. auf den 23. November 1943 zerstören Brandbomben das Opernhaus fast völlig. Nach dem Krieg nutzte die Städtische Oper zunächst das Theater des Westens als Spielstätte. Mit dem Einzug 1961 in den Neubau von Fritz Bornemann wurde sie wieder umbenannt - nun in Deutsche Oper Berlin. Zur Eröffnung sang Dietrich Fischer-Dieskau in Mozarts «Don Giovanni».

    Geprägt wird die Deutsche Oper bis heute von Götz Friedrich, der das Haus von 1981 bis 2000 als Intendant leitete. Seine legendäre «Ring»-Inszenierung steht noch immer auf dem Spielplan. Dirigenten wie Horst Stein, Giuseppe Sinopoli, Rafael Frühbeck de Burgos und Christian Thielemann kamen unter Friedrich an das Haus.

    Zusammen mit dem Briten Donald Runnicles als Generalmusikdirektor will Intendant Schwarz an die vergangenen Erfolge knüpfen - mit weniger Geld. «Die Deutsche Oper ist unterfinanziert», sagt er. «Von der finanziellen Ausstattung sind wir das Haus Nummer zwei nach der Staatsoper», sagt er. Es gebe eklatante Unterschiede in der Bezahlung. Viele Musiker seien bereits von besser zahlenden Orchestern abgeworben worden. Selbst ohne Premieren ließe sich das Defizit nicht ausgleichen. Und 2015 stehen Tariferhöhungen an.

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